Doppelspitze für die CDU?

von Christoph Fay29.03.2016Innenpolitik

Der Superwahlsonntag war eine Abstrafung für die CDU. Auch in Umfragen verliert sie weiter an Boden. Angela Merkel verliert den Konservativen und Wirtschaftsliberalen Teil der eigenen Partei. Muss sie deshalb gehen? Eine Doppelspitze könnte die Lösung sein…

Bundeskanzler Helmut Kohl hat mit seinen 48,8 % Bundestagswahlergebnis in 1983 die Latte für
einen CDU Bundesvorsitzenden sehr hoch gehängt. Getoppt wurde dieses Ergebnis nur noch von
Konrad Adenauer, der 1957, mit 50,2 % eine absolute Mehrheit für die Union im Bund erreichte. Dies
war noch in der alten Bundesrepublik. Im wiedervereinten Deutschlands war das beste Ergebnis, das
die CDU/CSU erzielte, in 2013 die 41,3 % , das Kohl’s Mädchen Angela Merkel erzielte (um vier
Abgeordnetensitze verfehlte dieses Ergebnis die absolute Mehrheit im Deutschen Bundestag).

Nimmt man einmal die 41,4 % der Wiedervereinigungswahl 1990 Helmut Kohls als Messlatte für das
Potential der CDU /CSU nach 1990, so kam Angela Merkel recht nah an ihren Förderer und
Vorvorgänger heran. Aber wird dies sich in 2017 noch einmal wiederholen? Die CDU schwankt
momentan bundesweit um die 35 % zusammen mit den Stimmen der CSU. Die CDU allein wird unter
28 % der Stimmen bei den Meinungsumfragen liegen. Strategen der CDU werden sich darüber
Gedanken machen müssen, wie eine Zukunft der CDU/CSU, die vom Erfolg gekrönt sein soll, aussehen
kann. Nach einer Vielzahl von Alleingängen wie Energiewende, Eurorettung, Griechenlandrettung und
jetzt die Flüchtlingskrise von Angela Merkel erodiert immer mehr die Stammwählerschaft der CDU.
Konservative und Wirtschaftsliberale wenden sich von der CDU ab.

Angela Merkel in die Wüste schicken?

Bindungswirkung entfaltet Angela Merkel bei Bündnis90/Die Grünen und gestandenen Sozialdemokraten. So konnten Kretschmann und Dreyer kurzfristig punkten. Man könnte sagen, dass die Trittbrettfahrer Merkels die Gewinner des vergangenen Superwahlsonntags sind. Wie kann aber eine CDU wieder zu alten Ergebnissen
zurückkehren? Angela Merkel in die Wüste schicken? Das wäre das beste Pferd aus dem Rennen
nehmen. Ruhig zu schauen und hoffen, dass mit Merkel alles wieder gut wird? Dafür hat die AfD
schon den politischen Platz rechts der Union belegt. Die CDU muss versuchen konservative und
liberale Stammwähler so schnell wie möglich wieder für die Union zu begeistern und
zurückzugewinnen. Das kann aber eine Bundeskanzlerin als Parteivorsitzende nicht mehr richten, die
jenseits der Union mehr Zustimmung erhält als in den eigenen Reihen. Sie ist für verprellte
Stammwähler der Grund ihres Protestes. Muss also die CDU einen neuen Parteivorsitzenden, einen
neuen „Helmut Kohl“ kreieren, der wie kein anderer es verstanden hat, den konservativen, den
liberalen und den momentan übermächtigen sozialen (sozialdemokratischen) Flügel zu vereinen?
Dann würde ein neuer Vorsitzender der CDU gesucht, der Merkel in ihrer sozialdemokratischen
Wirkung korrigiert und die Stammwählerschaft bindet und wieder zurückholt. Wenn man sich in der
Union umschaut, so ist das Angebot für einen neuen Bundesvorsitzenden rar. Angela Merkel hat da
tabula rasa gemacht: ein Koch, ein Merz und auch ein Wulff sind verbrannt. Ein Schäuble ist zu alt für
einen Hoffnungsträger und einen Neuanfang.

Es bleibt eigentlich nur noch Julia Klöckner, die sowieso
auf dem Sprung nach Berlin über den Umweg der Staatskanzlei in Mainz war. Sie ist jung,
wertkonservativ und wirtschaftsliberal. In Sachen Programm ist sie erfahren und momentan als
Oppositionsführerin im Landtag von Rheinland Pfalz unterfordert. Angela Merkel und Julia Klöckner
als Tandem könnten der Union zu alter Stärke verhelfen und abweichende Positionierungen Angela
Merkels gegenüber der Anhängerschaft der CDU/CSU und großen Teilen der innerparteilichen
Opposition reduzieren.

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