Eine Währung die man retten muss, ist keine mehr. Wilhelm Hankel

Wir brauchen die Mitmach-Gesellschaft

Die Sozialsysteme können den Wegfall des Zivildienstes kompensieren. Der Weg führt zu einer Kultur der Freiwilligkeit. Jeder sollte sich fragen, was er der Gesellschaft zurückgeben kann – und welcher Erfahrungsgewinn durch freiwillige Arbeit entsteht.

Die Erwartung, dass der neue Bundesfreiwilligendienst den Zivildienst voll ersetzen kann, darf man gar nicht erst wecken. Es wird aber auch nicht alles zusammenbrechen, hier rate ich zur Gelassenheit. Zivis durften auch jetzt schon nicht als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden und ihr Anteil liegt im sozialen Bereich bei durchschnittlich weniger als einem Prozent der Beschäftigten. Auch wenn hier und dort vorübergehend die helfende Hand fehlen wird, gehe ich davon aus, dass die Träger die Umstellung gut vorbereiten können. Jetzt gilt es, an einem Strang zu ziehen und einen neuen Schub für bürgerschaftliches Engagement zu entfachen. Wir sollten die Aussetzung der Wehrpflicht und damit den Wegfall des Zivildienstes als einmalige Chance sehen, eine neue Kultur der Freiwilligkeit zu entwickeln, der aktiven Bürgergesellschaft dadurch einen Impuls zu geben.

Bürgergesellschaft durch Freiwilligkeit

Mit dem Bundesfreiwilligendienst und den bestehenden, etablierten und begehrten Freiwilligendiensten der Länder wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr, das Pate für den neuen Bundesfreiwilligendienst stand, setzen wir hier ein wichtiges Signal! Das harmonische Miteinander dieser Dienste mit vergleichbaren Rahmenbedingungen ist äußerst wichtig. Bürgerschaftliches Engagement braucht diese Pluralität der Angebote. Denn freiwilliges Engagement ist so bunt und vielfältig wie die Menschen in unserem Land und ihre Bedürfnisse – es wächst aus der Gesellschaft heraus. Das ist eine klassische Graswurzelbewegung und kann nicht von oben verordnet werden.

Der Bundesfreiwilligendienst wird die Jugendfreiwilligendienste hervorragend ergänzen! Die Marke „Freiwilliges Soziales Jahr“ wird verstärkt als Bildungs- und Orientierungsjahr ausschließlich für junge Menschen angeboten. Der Bundesfreiwilligendienst zielt auf Männer und Frauen aller Generationen, die sich für die Gemeinschaft engagieren wollen. Ich finde es gut, wenn sich in Zukunft auch Ältere in Freiwilligendiensten betätigen können. In Bayern leben bereits heute 2,4 Millionen über 65-Jährige, Tendenz steigend: Der Anteil älterer Menschen nimmt dabei schneller zu als jeder andere Bevölkerungsanteil. Hier gibt es einen ungehobenen Schatz an Engagementbereitschaft von Menschen, die ihr Erfahrungswissen einbringen wollen. Die heutige Generation ab 65 ist so tatkräftig und vital wie nie zuvor – das zeigen auch die Zahlen. Der Anteil der Älteren im Ehrenamt hat in den vergangenen zehn Jahren in Bayern prozentual am stärksten zugenommen.

Freiwilligendienst ist Weiterbildung

Und unsere Jugendlichen haben durch den Wegfall der Pflichtdienste die Möglichkeit, ihren Lebensweg zu verfolgen. Sie stehen im globalen Wettbewerb vor existenziellen Herausforderungen. Eine Ausbildung absolvieren, eine Stelle finden und Familie werden, hierbei ist die junge Generation unter viel stärkerem Druck, als das früher der Fall war. Zusätzlich werden sie die Last unserer immer älter werdenden Gesellschaft tragen und meistern müssen. Ein freiwilliges Engagement hat eine andere ideelle Aufladung als ein Pflichtdienst, selbst wenn es eventuell weniger junge Leute sein werden in Zukunft, diejenigen, die sich engagieren, tun es, weil sie es wollen. Für das Freiwillige Soziale Jahr gibt es heute schon jedes Jahr mehr Bewerber als Einsatzstellen. Wer sich freiwillig engagiert, gewinnt einen Erfahrungsschatz, den das beste Studium nicht leisten kann. Wir sollten diese Kultur nutzen, indem wir den freiwilligen Dienst für die Gesellschaft eine Visitenkarte fürs Leben werden lassen, die, gerade für junge Menschen, ein Türöffner bei Studienplatz, Ausbildungsplatz oder Stellensuche wird! Es ist eine Frage des Miteinanders der Gesellschaft, denen, die sich für das Gemeinwohl engagieren, auch etwas zurückzugeben!

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Peter Tauber, Eberhard Jüttner, Peter Neher.

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