Vorwärts

Christine Bortenlänger23.01.2015Wirtschaft

Frauen sind prädestiniert für Verantwortung und damit für Macht.

Erfolgreiche Frauen: Mit Macht an die Spitze“, „Frauen wollen Macht, Geld und Zeit“, „Der Wille zur Macht – oder doch lieber nicht“ – so oder ähnlich lauten die Überschriften der Artikel, die in den letzten Jahren zum Thema „Frauen und Macht“ erschienen sind. Vor allem die Quotendiskussion zu Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft hat dem Thema neuen Schwung verliehen. Denn wie immer man auch zum Thema Frauenquote steht, es ist legitim, die Frage zu stellen, warum so wenige Frauen in den Spitzenpositionen der Wirtschaft vertreten sind. Oder anders formuliert: Warum sitzen nicht mehr Frauen in Unternehmen an den Schalthebeln der Macht?

Untersuchungen, die dem Grund für die auffallende Abstinenz von Frauen in Chefetagen nachgegangen sind, haben einen bunten Strauß von Erklärungen zutage gefördert. Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen: äußere Umstände und innere Einstellung. Fehlende Kindergartenplätze, überzogene Präsenzkultur oder auch die gläsernen Decken in Unternehmen sind valide Punkte, die allerdings bei den externen Gegebenheiten ansetzen und damit keinen Aufschluss ­darüber geben können, wie sich das Verhältnis von Frauen und Macht gestaltet.

So sind es andere Aspekte, die eine Rolle spielen, wenn man etwas über das Verhältnis von Frauen zu Macht erfahren will. „Frauen wollen gar nicht ganz nach oben“, heißt es, oder: „Männer locken Einfluss und Macht, Frauen wollen eine interessante und anregende Arbeit und etwas Sinnvolles tun.“ Sicher, wer will das nicht, doch stehen Macht und mit einer interessanten und anregenden Arbeit etwas Sinnvolles zu tun etwa in einem Gegensatz? Gibt einem nicht gerade Macht den Spielraum, Sinnvolles auch umsetzen zu können? Was hat es also mit dem Thema Macht auf sich, dass zumindest Frauen eher selten das Bekenntnis ablegen, dass sie Macht anstreben oder haben?

Machiavelli lässt grüßen

Ein Grund dafür ist sicher, dass der Begriff Macht leider bei großen Teilen der Bevölkerung negativ besetzt ist – Machiavelli lässt grüßen. Macht und Machtmissbrauch gehen in den Köpfen der Menschen oft Hand in Hand. Dies gilt zunächst einmal vor allem für politische Macht. Aber auch die Machtausübung im Unternehmen ist in gewissem Umfang von dieser Sichtweise beeinflusst. Das ist bedauerlich, denn nicht das Streben nach Macht oder der Besitz von Macht ist zu verurteilen, sondern allein der unangemessene Umgang mit ihr.

Was aber bedeutet es, Macht zu haben bzw. mächtig zu sein? Nach meinem Verständnis heißt Macht zu haben, Einfluss nehmen zu können, Dinge zu verändern und verantwortlich voranzutreiben. Die Aussicht, im Dialog mit Politik und Unternehmen wesentliche Themen bewegen zu können, hat mich dazu bewogen, die Leitung des Deutschen Aktieninstituts zu übernehmen. Macht zu haben bedeutet nicht, alles mit der Brechstange durchzusetzen, sondern nach Lösungen zu suchen und diese auch umzusetzen. Das Recht, bei den Themen Prioritäten zu setzen und im Zweifelsfall das letzte Wort zu haben, bleibt davon unbenommen.

„Mächtig ist, wer vorwärts will“, sagt ein norwegisches Sprichwort. Vorwärts zu wollen sollte deswegen eine der treibenden Kräfte für diejenige sein, die Macht einfordert und ausübt. Die Macht, Neues gestalten zu können, ist eine positive Kraft und kann Männern wie Frauen gleichermaßen Spaß machen – auch wenn das bei vielen Frauen noch nicht angekommen ist.

Die Freude und der Spaß an der Macht sind dann dauerhaft, wenn mit der übertragenen Macht zugleich auch verlässlich umgegangen wird, d.h. Verantwortung übernommen wird für die getroffenen Entscheidungen, aber auch für und vor den Menschen, die von den Entscheidungen betroffen sind. Die eine oder andere schlaflose Nacht ist da vorprogrammiert, aber da muss niemandem Bange werden. Gerade Frauen, die ja auch im privaten Umfeld häufig die Verantwortung für ihre Kinder und Mitmenschen übernehmen, sind meiner Meinung nach prädestiniert dafür, Verantwortung zu übernehmen und auszuüben. Wer aber mehr Verantwortung übernimmt, erhält auch mehr Macht, die Dinge, die in seinem Verantwortungsbereich liegen, zu regeln und zu gestalten. So schließt sich gewissermaßen der Kreis von Macht und Verantwortung.

Die positive Entwicklung ist klar zu erkennen

Vor allem in der Politik scheint die Begeisterung für einflussreiche Positionen und das Streben danach bei den Frauen angekommen zu sein. So üben eine Reihe von Frauen Spitzenämter aus, die vor einigen Jahren noch männerdominiert waren. Nicht nur, dass wir in einigen Bundesländern Ministerpräsidentinnen haben, so wird auch das Verteidigungsministerium – unbestreitbar eine Männerdomäne – von einer Frau geleitet, und seit nunmehr neun Jahren regiert im Bundeskanzleramt eine Frau. Angela Merkel ist laut dem „Forbes“-Magazin die mächtigste Frau der Welt – 2014 bereits das vierte Jahr in Folge.

Aber auch in den von der Politik und in den Medien viel gescholtenen Wirtschaftsunternehmen haben Frauen in Führungspositionen, wie Vorstand und Aufsichtsrat, Einzug gehalten. Sicher ist die Zahl der Frauen, die in den Vorstandsetagen und Aufsichtsräten von DAX-Unternehmen sitzen, noch begrenzt, doch die positive Entwicklung ist klar zu erkennen und Deutschland befindet sich auf einem guten Weg. Es gilt jetzt, die externen Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass Frauen mit Begeisterung nach Macht streben können und sie Freude an der Ausübung derselben haben. Dann werden auch die Männer Spaß an der geteilten Macht finden, denn geteilte Freude ist doppelte Freude.

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