Die Magie des Augenblicks

Christina Bartz23.09.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

Das Fernsehen entpuppt sich als Innovationsmaschine: Inhalte on Demand, Spannung und Information in Echtzeit und in Verbindung mit dem Internet – alles Zeichen dafür, dass ein totgesagtes Medium weiterleben wird.

Spricht man über die Zukunft des Fernsehens und damit über die Faktoren seiner Entwicklung, kann man verschiedene Herangehensweisen wählen. Eine Herangehensweise, die auch Spektakuläres verspricht, ist, technische Innovationen zu benennen. In diesem Jahr stand bei der IFA u.a. die Internetfähigkeit der neuen Fernsehgeräte im Fokus. Neue Nutzungsperspektiven eröffnen sich. Zentral ist in diesem Zusammenhang Video on Demand (VoD). Es kündigt sich an, dass das Angebot vielfältiger sein wird. Schließlich bieten die Sender schon heute viele ihrer Produktionen auf ihren Internetseiten an. Für den Zuschauer heißt VoD vor allem Gewinn an Autonomie, denn um eine Sendung zu sehen, muss er sich nicht mehr nach dem Ausstrahlungszeitpunkt der Sender richten, sondern kann selbst bestimmen, wann er ein Angebot abruft.

Von Funk zur Plattform

Doch das ist nur die Oberfläche, hinter der sich tiefgreifende Veränderungen der televisuellen Strukturen verbergen. Schon das Wort Sendung passt hier nicht mehr, suggeriert es doch, dass es sich um einen Inhalt handelt, der von einem Fernsehsender ausgestrahlt wird. So funktioniert aber VoD nicht. Filme werden auf Plattformen, auf die der Nutzer zugreift, archiviert. Der Wechsel von Rundfunktechnik zur Plattform bedeutet, dass an die Stelle des bisherigen Programmflusses eine Datenbank tritt. Diese Datenbank offeriert eine Angebotspalette, die in ihrer Gesamtheit zeitgleich für den Zuschauer zur Verfügung steht. Diese Wahlmöglichkeit wird unter Slogans wie „vom passiven zum aktiven Zuschauer“, „lean back vs. lean foward“ und Individualisierung verhandelt. Dabei ist zunächst zu fragen, ob der Zuschauer überhaupt aktiver werden will. Ist „lean back“ nicht eine sehr angenehme Haltung, auf die viele Fernsehnutzer vielleicht gar nicht verzichten wollen? Während „lean foward“ keine Wahlmöglichkeit, sondern einen Selektionszwang verspricht. Individualisierung im Sinne einer erhöhten Selektionsmöglichkeit auf Seiten des Zuschauers bedeutet aber darüber hinaus eine Fragmentierung des Publikums und das wiederum, dass die soziale Reichweite der einzelnen Sendungen sinkt: Es werden weniger Menschen erreicht. Die soziale Reichweite ist Basis für gesellschaftliche Funktionen, die das Fernsehen gerade als Massenmedium erfüllt. Eine dieser Funktionen besteht in der Themenselektion: Das Fernsehen gehört zu den Medien, die uns sagen, was auf der Tagesordnung der Gesellschaft steht. Es berichtet, ohne dass dies vom Rezipienten eigens ausgewählt wird. Zunehmende Individualisierung bedeutet diesbezüglich einen Funktionsverlust des Fernsehens.

Die Betonung liegt auf Echtzeit

Das Fernsehen ist aber, präziser gesagt, ein Echtzeitmassenmedium als ein einfaches Massenmedium. Heute noch hat das Fernsehen seine stärksten Momente in der Live-Berichterstattung, wie während jeder Fußballweltmeisterschaft zu erleben ist. Die zeitgleiche Übertragung bietet die Emotion der Spannung, die im Nachhinein nicht mehr zu haben ist. Zudem braucht es, um die genannten Funktionen (Programmzusammenstellung, Themenselektion, Live-Übertragung) zu erbringen, Sender. Doch gerade die könnten es in Zukunft schwer haben, treten sie doch in Konkurrenz mit den Plattformbetreibern und Telekommunikationsunternehmen, die über die Infrastruktur und somit über den Zugang zum Kunden verfügen. Wahrscheinlich werden sie die Sender nicht verdrängen; schließlich übernehmen diese wichtige Aufgaben. Doch kann man davon ausgehen, dass es mit dem internetfähigen Fernsehen zu einer Umstrukturierung der Medienlandschaft kommt, denn das Fernsehen der Zukunft unterscheidet sich grundlegend von seiner heutigen Form.

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