Nur Staaten erzeugen die notwendige Stabilität. Gleichzeitig können sie der Quell allen Übels sein. Francis Fukuyama

Christian Sewing schreibt Offenen Brief

Die Lage der Deutschen Bank ist nicht rosig. Deutschlands größte Bank hat schon bessere Zeiten gesehen. Der neue Chef, Christian Sewing, schreibt einen Offenen Brief an seine Kollegen und verspricht bessere Ergebnisse.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Nachrichtenlage, da will ich nichts schönreden, ist nicht gut. Am Donnerstag haben mehrere Medien berichtet, dass die Federal Reserve bereits vor mehr als einem Jahr das Rating für drei unserer US-Töchter herabgesetzt habe und diese seither als Problemfall („troubled condition“) eingestuft seien. Daraufhin brach unser Aktienkurs ein. An diesem Freitagmorgen folgte nun die Nachricht, dass S&P Global Ratings eine unserer Bonitätsnoten, das langfristige Emittentenrating, herabgestuft hat.

Mir ist bewusst, dass Sie angesichts der aktuellen Schlagzeilen das Gefühl haben müssen, unsere Bank komme überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Deshalb ist es mir wichtig, die Nachrichten einzuordnen.

Beginnen wir mit dem Rating der Federal Reserve, unserem Hauptaufseher in den Vereinigten Staaten. Zwar dürfen wir uns nicht zu unserer Kommunikation mit den Regulatoren äußern. Aber wir haben in unserem Geschäftsbericht im März 2017 klar gesagt, dass wir daran arbeiten, unsere internen Kontrollen und die Infrastruktur zu stärken. Damit gehen wir Mängel an, die von uns selbst oder den Aufsehern identifiziert worden waren.

Tatsächlich können Sie auf der Webseite der Federal Reserve (www.federalreserve.gov) vier sogenannte Enforcement Actions nachlesen. Sie betreffen vorwiegend Schwächen bei unseren internen Kontrollen sowie der Infrastruktur. Diese Schwächen sind über viele Jahre entstanden. Wie Sie wissen, haben wir aber genau in diesen Bereichen im vergangenen Jahr Fortschritte erzielt. Wir sind zwar noch nicht da, wo wir sein wollen, aber kommen allmählich dahin.

Finanziell sind die in den Medien genannten US-Töchter wiederum alle sehr solide ausgestattet. Zum Beispiel hat unsere wichtigste amerikanische Bankentochter, die DBTCA, eine Kernkapitalquote von 98,15 Prozent. Sie hielt zum Ende des 1. Quartals 75 Prozent der gesamten Vermögenswerte von 42,1 Milliarden US-Dollar in Barmitteln. Das macht deutlich: Es geht hier nicht um unsere finanzielle Stabilität, sondern um die genannten IT- und Kontrolldefizite, die wir entschlossen beheben.

Auf Konzernebene steht unsere Finanzstärke außer Frage. Hier möchte ich die heutige Mitteilung von S&P zitieren: „Die Maßnahmen, die das Management 2017 zur Stärkung der Bilanz (in Bezug auf Kapitalisierung, Liquidität und Qualität der Vermögenswerte) ergriffen hat … haben der Bank gute Bonitäts- und Liquiditätspuffer verschafft.“

Die Fakten im Überblick:

— Unsere harte Kernkapitalquote (CET1-Quote) von 13,4 Prozent ist höher als bei vielen Wettbewerbern und liegt deutlich über der aktuellen regulatorischen Anforderung von 10,65 Prozent.

— Die Liquiditätsreserven des Deutsche-Bank-Konzerns lagen zum Ende des ersten Quartals bei 279 Milliarden Euro und damit nahe ihres historischen Höchststands.

— Unsere Kredit- und Marktrisiken sind so gering wie selten. Spekulationen darüber, dass uns durch die politische Unsicherheit in Italien erhebliche Belastungen drohen könnten, sind vollkommen unbegründet.

— Zu guter Letzt sind wir mit unserem Refinanzierungsplan in diesem Jahr bereits weit fortgeschritten. Wir könnten also auf etwaige Übertreibungen an den Anleihenmärkten sehr gut reagieren.

Warum aber dann die Herabstufung?

S&P begründet dies nicht mit Zweifeln an der Stärke unserer Bilanz. Vielmehr sind wir schlicht nicht profitabel genug. Die Ratingagentur schreibt, „dass sich die Deutsche für einige Zeit weiter schlechter als die Wettbewerber entwickeln wird“ und sieht „bedeutende Umsetzungsrisiken“ für unsere strategischen Pläne.

Die Herabstufung betrifft lediglich das langfristige Emittentenrating, das um eine Stufe von A- auf BBB+ gesenkt wurde. Alle Bonitätsnoten befinden sich weiterhin im so genannten Investment Grade. Wichtig ist außerdem: Der Ausblick ist nun für alle S&P-Ratings stabil. Dieser stabile Ausblick, schreibt S&P, drücke die Erwartung aus, „dass das Management die Strategie mit Nachdruck umsetzen wird, im Laufe der Zeit Fortschritte auf dem Weg zu ihren finanziellen Zielen für 2019 erzielen wird und so das längerfristige Ziel eines stabileren und besser funktionierenden Geschäftsmodells erreichen wird.“

Insofern steckt auch eine gute Nachricht in dieser schlechten: Man hat Vertrauen in uns, dass wir den erforderlichen Wandel schaffen. Dieses Vertrauen, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden wir nicht enttäuschen.

Das heißt aber auch: Wir müssen liefern – und zwar schnell und konsequent. Und genau das tun wir. Wie ich auf der Hauptversammlung gesagt habe, setzen wir die eingeleiteten Schritte diszipliniert um. Hinter uns liegen bereits der Börsengang der DWS und – seit wenigen Tagen – die rechtliche Fusion der Postbank und des Privat- und Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bank im Heimatmarkt. Im Geschäft mit Vermögenskunden (Wealth Management) sind wir weltweit auf Wachstumskurs. Und in der Unternehmens- und Investmentbank haben wir nun eine klare Richtung und sind dabei, das umzusetzen, was wir kürzlich angekündigt haben. Jetzt geht es darum, den eingeschlagenen Weg ohne Wenn und Aber fortzusetzen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die vergangenen Jahre waren hart, und viele von Ihnen haben die schlechten Nachrichten satt. Mir geht es genauso.

Aber es gibt keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. Ja, der Aktienkurs notiert auf einem historischen Tief. Aber wir werden beweisen, dass wir eine andere Bewertung an den Finanzmärkten verdient haben. Wir haben viel geschafft, worauf wir stolz sein können. Wir haben milliardenschwere Risiken abgebaut, wir haben das Kapital gestärkt und unsere Bank bereits neu aufgestellt. Haken dran!

Jetzt heißt es nach vorn schauen. Auf der Hauptversammlung habe ich die Investoren darum gebeten, uns zu vertrauen und unsere Pläne zu unterstützen. Ich weiß aus vielen persönlichen Gesprächen, dass Sie das bereits mit vollem Einsatz tun. Meine Vorstandskollegen und ich persönlich werden unsere ganze Kraft dafür einsetzen, dieses Vertrauen zu belohnen – mit eingelösten
Versprechen, besseren Ergebnissen und weniger Schlagzeilen.

Danke für Ihren Einsatz, der unsere Bank ausmacht.

Ihr

Christian Sewing

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Oliver Götz, Oliver Götz, Oliver Götz.

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