Green Economy | The European

Was es für eine umweltbewusste Konsumgüterwirtschaft braucht

Christian Schröder14.06.2021Politik, Wirtschaft

Das Thema Umweltschutz gewinnt zunehmend an Bedeutung. Nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Wirtschaftsbereiche müssen sich neu positionieren, um auch zukünftig einen effizienten Wettbewerb sicherstellen zu können. Welche politischen Strategien werden dabei bisher verfolgt und welche Trends können zu einer umweltbewussten Konsumgüterwirtschaft beitragen?

Die Ökonomie der Zukunft muss ökologisch sein, Quelle: Shutterstock

Plastik und Fleisch: Weichenstellungen für einen effektiven Umweltschutz in der Konsumgüterwirtschaft

Nach einer Schätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP werden weltweit jede Minute eine Million Plastikflaschen gekauft. Fünf Billionen Plastiktüten werden pro Jahr genutzt und ein großer Teil des Plastiks, etwa 8 Millionen Tonnen, landet pro Jahr in unseren Meeren. Und auch die industrielle Tierhaltung belastet nach Angaben der UN-Ernährungsorganisation (FAO) mit einem Anteil von 15% der vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen maßgeblich das Klima. Diese Zahlen zeigen: Der Konsumgütermarkt braucht eine grüne Transformation, um die Umwelt effektiv zu schützen. Im Februar hat sich Deutschland für ein globales Abkommen zur Plastikreduzierung stark gemacht. Doch es gibt noch viel näherliegende Mittel, um die Wirtschaft umweltfreundlicher zu gestalten. Die Plastik- wie auch die Fleischproduktion liefern hierfür zahlreiche Beispiele par excellence.

Das Defizit der eingespielten Marktmechanismen: Eine ökologische Zeitbombe?

Die politischen Absichtserklärungen der Bundesrepublik auf dem internationalen Parkett mögen auf den ersten Blick zwar gut klingen, ändern aber nichts am kritischen Status Quo einer aus ökologischer Sicht durch Fehlanreize getriebenen Wirtschaft. Der Marktlogik entsprechend werden die meisten Wirtschaftsakteure weiterhin bei Produktion und Absatz den Weg wählen, der die höchste Kosteneffizienz verspricht und Konsumenten in der Mehrheit die Produkte erwerben, die im Preisvergleich die Oberhand behalten. Und das heißt allzu häufig: Plastik als Verpackungsmaterial Nummer eins und Fleisch als unangefochtenes Grundnahrungsmittel. Dabei ist die Zeit längst reif für innovative umweltfreundliche Alternativen.

Doch indem Staaten weiterhin Fleischproduktion und Fischerei direkt oder wie im Fall von Plastik indirekt durch Steuerbefreiungen subventionieren, tragen sie dazu bei, dass sich die Wettbewerbsvorteile klimaschädlicher Produkte, manifestieren. Der Veränderungsdruck, der für einen neuen Unternehmergeist in der Lebensmittelindustrie so wichtig wäre, bleibt minimal. Eine kürzlich erschiene Studie der Initiative “Gemeinsam gegen die Tierindustrie” schätzt, dass die industrielle Tierwirtschaft allein in Deutschland jährlich mit bis zu 13,2 Milliarden Euro gefördert wird. Selbst, wenn man die Zahlen etwas konservativer rechnet: Die künstlich niedrig gehaltenen Preise bei Fleisch- und Milchprodukten hierzulande werden von Klimaschützern schon seit längerem beklagt. Sie versperren Marktchancen für alternative Konsumgüter auf pflanzlicher Basis, obwohl es gerade diese braucht um die Wirtschaft von morgen umweltfreundlicher zu machen und nachhaltige Essgewohnheiten ins gesellschaftliche Bewusstsein zu überführen.

Eckpfeiler einer progressiven Umweltpolitik: Intelligente Besteuerung statt undifferenzierter Subventionen

Doch die Tierindustrie ist nicht das einzige Beispiel für staatliche Fehlallokationen. Das Umweltbundesamt kommt in einem Bericht zu dem Ergebnis, dass 57 Milliarden Euro an in Deutschland vergebenen staatlichen Subventionen als umweltschädlich einzustufen sind. Das ist gleich in zweierlei Hinsicht problematisch: Es widerspricht nicht nur einer progressiven Umweltpolitik, sondern belastet auch den Staatshaushalt gleich doppelt, indem neben den Zuwendungen selbst auch die ökologischen Folgeschäden der subventionierten Tätigkeiten finanziell kompensiert werden müssen. Anstatt die aus Umweltgesichtspunkten kontraproduktive Subventionsvergabe fortzusetzen, braucht es eine aktive Fiskalpolitik, die eine intelligente auf Nachhaltigkeit gerichtete Besteuerung ins Zentrum des Maßnahmenkatalogs stellt. Präzise eingesetzt können Taxation-Instrumente dort wichtige Impulse setzen, wo der Markt in seinem Status Quo die Umwelt absehbar drastisch belastet und dennoch ausreichender eigener Lösungen entbehrt.

Was jetzt geschehen muss: Zwei Kernmaßnahmen zur Green New Economy

Ein erster Schritt ist freilich die umweltschädliche Subventionspraxis zu beenden. Nur wer in seinem eigenen Land ökologisch problematisches Wirtschaften nicht mehr unterstützt, kann auch auf globaler Ebene glaubwürdig Umweltregularien für alle anderen einfordern.

Daneben müssen jedoch, um den ökologischen Fortschritt nachhaltig voranzutreiben, Plastik- und Fleischprodukte einem neuen Steuerregime unterworfen werden, was die Externalitäten angemessen berücksichtigt. Denn die negativen Folgen derlei Produkte für die Gemeinschaft überwiegen zunehmend ihren Nutzen für den einzelnen Verbraucher.  Dass der Staat fähig ist und gewillt sein kann, vergleichbare volkswirtschaftliche Schäden mittels Steuern zu internalisieren und so positive Verhaltensanreize zu setzen, hat er bei der Besteuerung von Tabakprodukten hinlänglich bewiesen.

Warum sollte dies beim Jahrhundertprojekt Klimaschutz nicht möglich sein?

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