Freie Fahrt für alle

von Christian Janisch30.11.2010Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Wirtschaft

Warum vertrauen die Deutschen auf verkrustete Verkehrsstrukturen? Andere Länder machen es vor: Die Mobilität wird in Zukunft durch eine Diversifizierung von Transportsystemen erreicht. Wir müssen Monopole aufbrechen. Wettbewerb macht uns grüner und agiler.

Die Zukunft der Mobilität habe ich selbst erlebt, als ich auf einem futuristischen Elektrogefährt durch Hamburg geschwebt bin. “Das ist die Zukunft: emissionsfrei, geräuschlos und schnell!”, dachte ich während der Stadtrundfahrt auf meinem Segway-Roller. Die Passanten hatten für meinen tollen Elektroroller nur Spott übrig. Der Besitzer der Firma Segway war kurz zuvor bei einer Fahrt auf seinem Segway tödlich verunglückt, als sein Elektroroller mit ihm emissionsfrei, geräuschlos und schnell in einen Abgrund hineingerauscht ist. “Dumm gelaufen!”, meinte eine alte Dame. Ob die alte Dame für Busse mehr Verständnis hätte? Mit einem Bus war ich aus meiner Heimatstadt nach Hamburg angereist. Fragt man Deutsche nach dem Bus und der Zukunft der Mobilität, antworten die meisten: “Der Bus? Dreckig, laut und langsam. Nein, das kann nicht die Zukunft sein!”

Mit Bus statt Bahn

Oh doch, das wird ein Teil der Zukunft sein! In hoch entwickelten Ländern wie Schweden, Kanada oder Neuseeland sind moderne Linienbusse landesweit in friedlicher Koexistenz mit den nationalen Bahngesellschaften im Einsatz und sorgen für günstige, direkte und umweltfreundliche Mobilität aller Menschen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung formuliert die Bedeutung von Mobilität für unsere Zukunft in ihrem Koalitionsvertrag wie folgt: “Mobilität besitzt eine Schlüsselfunktion in unserer Gesellschaft; sie schafft die Voraussetzungen für Beschäftigung, Wohlstand und persönliche Freiheit. […] Uns geht es darum, Mobilität zu ermöglichen und nicht zu behindern.” Entscheidend dafür, dass alle Menschen an Wohlstand und persönlicher Freiheit durch Mobilität profitieren können, sind die Begriffe “günstig”, “direkt” und “umweltfreundlich”. Die Preise des Mobilitätsmonopolisten Deutsche Bahn AG und die hohen Unterhaltskosten eines Autos sind für viele Menschen unbezahlbar. Sie bleiben von Mobilität schon heute weitgehend ausgeschlossen. Wohlstand und persönliche Freiheit ade! In Zukunft wird es auch günstige Mobilität geben müssen, sollten wir kein Prekariat der Immobilen schaffen wollen.

Veraltete Paragrafen für eine alternde Gesellschaft

In einer alternden Gesellschaft sind direkte Verbindungen im Fernverkehr unabdingbar, will man nicht ältere Menschen ausschließen. Oder was meinen Sie, wie ein 90-Jähriger in zehn Minuten auf dem Frankfurter Hauptbahnhof von Gleis 2, Abschnitt E, auf Gleis 18, Abschnitt F, umsteigen soll? Die Zukunft ist alt, und deshalb brauchen wir umsteigefreien Fernverkehr mit Bussen. Dass sich Mobilitätskonzepte nur noch durchsetzen werden, wenn sie grün sind, ist gesellschaftlicher Konsens. Bus und Bahn sind grüner als der eigene PKW, so viel ist jedem klar. Bahn ist grüner als der Bus, glauben viele zu wissen. Falsch! Laut Bundesumweltamt fährt ein Bus je Tonne Kohlendioxid 31.400 Personenkilometer, die Bahn kommt im Fernverkehr lediglich auf 19.200. Dem Fernbus muss in Zukunft eine Rolle in der Mobilität unserer Gesellschaft zukommen, wenn der Wohlstand aus Mobilität alle Menschen erreichen soll. Bisher schützt das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) von 1931 die Deutsche Bahn AG vor Konkurrenz durch Busse. Sie selbst hat die Pläne für ein Busnetz Gerüchten zufolge längst in der Schublade. Sie will nicht einen Teil des Kuchens, sie will die ganze Torte. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns noch einmal 80 Jahre Monopol nicht leisten können. Wir brauchen Wettbewerb auf der Schiene und der Straße. Eine Liberalisierung des greisen PBefG ist überfällig! Frau Merkel, Herr Westerwelle, nicht reden, MACHEN!

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