Beirut brennt

von Christian Böhme22.10.2012Außenpolitik

Der Bürgerkrieg in Syrien ist im Libanon angekommen. Dem Land droht ein Stellvertreterkrieg. Assad und Erdogan bringen sich bereits in Stellung.

Man braucht wahrlich kein Prophet zu sein, um eines vorauszusagen: Dem Libanon stehen aller Wahrscheinlichkeit nach schwere Zeiten bevor. Zeiten der Unruhe, Zeiten der Konfrontation, Zeiten der Gewalt, Zeiten des Bürgerkriegs. Schon seit Monaten gilt die Lage im Land als angespannt. Seit Freitag kann die Situation ohne Weiteres sogar als explosiv bezeichnet werden. Nach dem gewaltsamen Tod des Inlandsgeheimdienstchefs Wissam al-Hassan – er starb vergangene Woche bei einem Bombenanschlag – liegen die Nerven blank. Und es hat den Anschein, dass im Libanon jede Sekunde alles außer Kontrolle geraten könnte. Es wäre nicht nur eine Katastrophe für den ohnehin instabilen Staat, sondern für die gesamte Region. Ein politisch-militärischer Flächenbrand droht im schlimmsten Wortsinne.

Ermordung eines Assad-Gegners als Fanal

Schon seit Wochen gab es beunruhigende Anzeichen dafür, dass der Bürgerkrieg in Syrien auch den Libanon in Mitleidenschaft ziehen wird. Jetzt könnte die Ermordung des Brigadegenerals sogar zu einem Fanal werden. Denn viele Libanesen sind sich sicher, dass Damaskus dabei seine schmutzigen Finger im Spiel hatte. Schließlich war Wissam al-Hassan ein bekannter und bekennender Gegner von Syriens Staatschef Baschar al-Assad und der mit ihm verbündeten Hisbollah-Miliz.

Diese extremistische Schiitengruppe versucht seit Jahren, die alles entscheidende Kraft in Beirut und im Rest des Landes zu werden. Größtenteils ist ihr das mit Gewalt und Geschick bereits gelungen. Aber es gibt immer noch beachtliche Kräfte, die dagegenhalten. Und sie sehen sich durch den Tod des Geheimdienstchefs, der in engem Kontakt zur Freien Syrischen Armee gestanden haben soll, bestätigt: Assad will dem Libanon nur Böses, fordert Macht wie Einfluss für sich und seine Helfershelfer von der Hisbollah. Das sei zwar schon früher der Fall gewesen. Man denke nur an die Ermordung von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri 2005. Doch jetzt, da der Despot in Damaskus im eigenen Land unter erheblichem Druck steht, schrecke er vor nichts mehr zurück.

Keine Frage, es deutet einiges darauf hin, dass der Tod des libanesischen Geheimdienstchefs auf das mörderische Konto von Assads Handlanger geht. Doch bislang gibt es dafür keine Beweise. Und die Feinde des Generals waren zahlreich. Allerdings spielt in diesem spektakulären Fall die Täterschaft nur eine untergeordnete Rolle. Die Stimmung bei einem Teil der Libanesen ist derartig anti-syrisch, dass schon der bloße Mordverdacht ausreicht, Zorn und Hass auf den Diktator in Damaskus in blanke Gewalt umschlagen zu lassen. Die Folge: Der Libanon würde wieder in einem blutigen Bürgerkrieg versinken. Das kann im Nahen Osten nun wirklich kein vernünftiger Mensch ernsthaft wollen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die B...

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminis...

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann...

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Bus...

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s...

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deut...

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu