Die arroganten Herren der Ringe

von Christian Böhme31.07.2012Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Viele Sportler sind gedopt, die Veranstalter sind arrogant und es geht bei Olympia vor allem um Kommerz und Korruption. Dennoch gibt es Gründe, die Spiele auf naive Weise zu mögen.

Olympia lag noch in weiter Ferne, da habe ich mich bereits das erste Mal so richtig geärgert. Weniger über die Spiele in London an sich als vielmehr über Ängstlichkeit, Arroganz und Herzlosigkeit der Herren der Ringe. Denn das IOC um ihren Präsidenten Jacques Rogge weigerte sich hartnäckig, während der Eröffnungsfeier mit einer Schweigeminute der Opfer der Spiele in München 1972 zu gedenken. Damals, am 5. September, waren elf Mitglieder der israelischen Mannschaft von einem palästinensischen Killerkommando kaltblütig ermordet worden. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Vorstöße, an dieses Massaker zu erinnern – symbolträchtig zu Beginn von Olympischen Spielen. Doch alles Bitten und Drängen nutzte nichts. Das IOC schaltet bis heute auf stur. Weil die Organisation, der Verdacht drängt sich einfach auf, den Protest der arabischen Staaten fürchtet. Feiger Kleinmut, gepaart mit fehlender Empathie für die Opfer von damals und latenten Ressentiments gegenüber den Juden und ihrem Staat – ein Skandal.

Die Spiele haben ihre Unschuld verloren

Das passt zu Olympia. Denn die Spiele haben längst ihre Unschuld verloren, die zivilisatorische, Völker verbindende Botschaft verhallt stets ungehört. Nur noch eine bloße Hülle, jeden Inhalts und jeder Werte beraubt. Heute geht es allein ums Geschäft. Der Sport dient nur noch als Staffage, als schmückendes Beiwerk für Kommerz und Korruption. Ehrlichkeit oder Engagement stören da nur. Und die Politik kocht ohnehin ihr eigenes Süppchen, das sie gerne mit einer Riesenportion Rücksichtslosigkeit würzt. Überhaupt: Von der viel beschworenen Friedfertigkeit ist die Welt auch während der knapp dreiwöchigen Wettkämpfe in London Lichtjahre entfernt.

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