Obamas Triumph

von Christian Böhme3.05.2011Außenpolitik

Der Tod Osama bin Ladens ist ein persönlicher Triumph für Präsident Obama. Er hat Stärke und Entschlossenheit demonstriert – und Erfolg damit. Zusammen mit dem Wandel in der arabischen Welt besteht die Chance, Freiheit und Demokratie glaubhaft im Nahen Osten zu vermitteln.

Mann ohne Mumm, Feigling vor dem Feind, schwächlicher Zauderer – Barack Obama ist in seiner bald dreijährigen Amtszeit oft von seinen politischen Gegnern verhöhnt, ja, der Lächerlichkeit preisgegeben worden. Der US-Präsident sei einfach zu weich für den Job, außenpolitisch “lasse er die nötige amerikanische Härte und Entschlossenheit vermissen . Gerade im Kampf gegen den global agierenden Terrorismus habe der „Islamversteher“ schlicht versagt.

Obamas Triumph

Doch diese Anwürfe gehören seit Montag der Vergangenheit an. Der Tod Osama bin Ladens durch das Gewehrfeuer der Navy Seals ist Obamas Triumph. Er persönlich hat die Kommandoaktion gegen den Terrorpaten, den Spiritus Rector der Angriffe vom 11. September 2001, angeordnet, deren Erfolg ihm einen Eintrag in die Geschichtsbücher sichern wird – und die Anerkennung der amerikanischen Wähler. Der Staatschef hat den Staatsfeind Nummer eins ausgeschaltet. Mehr Prestige geht kaum. Und die Botschaft ist eindeutig: Seht her, im Weißen Haus amtiert kein Weichling, sondern ein ganzer Kerl! Einer, der Amerikas Interessen in der Welt mit aller Macht vertritt. Der herbeigesehnte Friedensfürst gibt den Kriegsherrn: Das wird viele in Europa erschüttern. Fragt sich nur, warum. Zugegeben: Obama ist ganz bewusst als Mann des Ausgleichs angetreten. Er inszenierte sich frei von Sheriff-Gehabe als Gegenentwurf zum rüpelhaften Cowboy George W. Bush. Und jetzt heißt es plötzlich in bester Wild-West-Manier: lieber tot als lebendig. Haben sich, hat der Chef der Supermacht alle getäuscht? Mag sein. Aber selbst, wenn es so wäre, hätte jeder die Zeichen deuten können . Der Afghanistankrieg g ist unter Obama noch intensiver geworden als in den Jahren zuvor, das Lager Guantanamo existiert trotz anderslautender Ankündigungen weiterhin, ebenso wie die umstrittenen Militärtribunale. Der 44. Präsident der USA ähnelt in vielerlei Hinsicht zunehmend dem 43., auch innenpolitisch. Da passt Obamas Satz nach Bin Ladens Ende gut ins Bild: Der Gerechtigkeit ist Genüge getan . Was bibeltreu so viel heißt wie Auge um Auge, Zahn um Zahn. Verstörend, sicherlich. Aber eben auch uramerikanisch.

Die Welt ist im Umbruch

Und doch ist da ein wesentlicher Unterschied zwischen Bush und Obama. Der amtierende Präsident hat das Zeug und den Willen, aus dem Tod des islamistischen Terrorfürsten etwas Konstruktives zu machen. Das hat bereits seine ausgefeilte Rede deutlich gemacht, mit der er das staunende amerikanische Volk über die erfolgreiche Kommandoaktion in Pakistan informierte: „Wir müssen bekräftigen, dass sich die USA nicht im Krieg mit dem Islam befinden und nie befinden werden.“ Klare Worte, die ihre Wirkung in den kommenden Wochen voll entfalten können, sofern der Chef der Supermacht – statt außenpolitischen Hochmut an den Tag zu legen – geschickterweise auf vertrauensbildende Maßnahmen setzt. Die arabische Welt ist im Umbruch . Selbstbestimmt streben Ägypter, Tunesier, Syrer, Libyer und Jemeniten nach Freiheit. Osama bin Laden und seine antiwestliche Ideologie – sie ist von der Geschichte überholt worden. Sein Ruhm war schon vor den Volkserhebungen ohnehin nur noch ein blasser Schimmer. Jetzt ist es Zeit für einen Neuanfang. Und Amerika unter einem Barack Obama kann als glaubhafter Vorreiter dabei helfen, dass Freiheit und Demokratie in dieser Region Fuß fassen. Eine historische Möglichkeit. Willkommen, Mr. Chance!

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