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Zu Guttenberg bleibt Superminister

Karl-Theodor zu Guttenberg ist Pop. Daran wird auch die Kunduz-Affäre nichts ändern. Denn in der Tat gibt es bislang wenig Handfestes.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist Pop. Ein Star am ansonsten weitgehend sternenlosen Politikerhimmel. Würde Dieter Bohlen nach Deutschlands Superminister suchen lassen (DSDS), der 38-jährige Freiherr aus Franken bräuchte nicht einmal zum Mikrofon greifen. Auch ohne Gesangseinlagen könnte er sich der großen Mehrheit der Stimmen sicher sein – über alle Alters- und Parteigrenzen hinweg. Und die Kunduz-Affäre? Ja mei. Das kann doch einen solchen Überflieger nicht zum Absturz bringen. Zumindest nicht nach Ansicht der meisten Wähler hierzulande. Die heftige Debatte über das Bombardement zweier Tanklastzüge in Afghanistan Anfang September 2009, den Tod von vielen Zivilisten und die Frage, wer was von wem wann wusste – der Beliebtheit Guttenbergs tut das alles keinen Abbruch.

Stimmt Guttenbergs Version?

Doch auf der politischen Bühne besteht für “Minister Makellos” inzwischen erhebliche Rutschgefahr. Denn zwei Männer von bislang tadellosem Ruf haben vergangene Woche im Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Kunduz-Affäre Guttenberg schwer belastet – und die Opposition munitioniert. Sowohl der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr Wolfgang Schneiderhan als auch der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Peter Wichert beteuerten, sie hätten ihren ehemaligen Vorgesetzten umfassend über den von Oberst Georg Klein angeordneten verheerenden Angriff informiert. Es sei allein an Guttenberg gewesen, auf dieser Grundlage politisch zu beurteilen, ob der Militärschlag “angemessen” oder “nicht angemessen” war. Der Verteidigungsminister indes hat Schneiderhan und Wichert am 26. November mit der Begründung entlassen, sie hätten ihm wichtige Informationen vorenthalten. Es steht also Aussage gegen Aussage. Und damit stellen sich Fragen, ein paar wichtige sowie eine alles entscheidende: Stimmt Guttenbergs Version? Oder brauchte der CSU-Politiker Sündenböcke, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken? Sollte Verantwortung abgewälzt werden? Oder ist der Minister gar ein Lügenbaron und somit unhaltbar?

Noch bewegen sich die Antworten im allzu ungefähren Wenn-dann-Bereich. Das wissen auch SPD, Grüne und Linke. Der eine oder andere Parteivertreter hat das offenherzig zugegeben. In der Tat gibt es bislang wenig Handfestes. Guttenberg mag sich als Neuling im Amt schlecht informiert gefühlt haben. Vielleicht hat er mit der Entlassung seiner Ratgeber überhastet reagiert und damit politischen Instinkt vermissen lassen. Vieles wirkt in der Tat stillos, die Glaubwürdigkeit ist lädiert. Aber reicht das, selbst wenn man alles zusammennimmt, für einen Rücktritt? Da hat der Politikbetrieb doch schon Skandale von ganz anderem Kaliber gesehen. Und die blieben wie die Klientelpolitik der FDP folgenlos.

Zu Guttenberg bleibt in den Augen des Wahlvolks Deutschlands Superminister

Sicherlich: Das Hochglanzlack-Produkt Marke Guttenberg hat ein paar Schrammen abbekommen, einige Beulen sind sichtbar. Mehr bisher aber auch nicht. Karl-Theodor zu Guttenberg wird wohl am heftigsten mit sich selbst ins Gericht gehen: Warum, um Gottes willen, habe ich mir den in diesen Zeiten so undankbaren Job des Verteidigungsministers angetan? Warum bin ich nicht Wirtschaftsminister geblieben oder Außenminister geworden? Okay, zu spät. Doch es gibt Tröstliches. Zu Guttenberg bleibt – Kunduz hin, Kunduz her – in den Augen des Wahlvolks Deutschlands Superminister. Zumindest bis auf Weiteres.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jost Kaiser, Thomas Wiegold, Thomas Wiegold.

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