Es muss ja keine Revolution sein

von Christian Böhme15.03.2012Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Der 18. März ist in vielerlei Hinsicht ein geschichtsträchtiges Datum. Nun wird auch der elfte Bundespräsident Deutschlands an diesem Datum gewählt: Joachim Gauck.

Dieses Datum atmet Geschichte. Aber es steht gleichfalls für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Aufbruch, Freiheit, Demokratie, Einheit – auch das lässt sich ohne Weiteres mit dem 18. März verbinden. An diesem Tag des Jahres 1848 gehen deutsche Revolutionäre gegen den König auf die Barrikaden und fordern erfolgreich eine verfassungsgebende Nationalversammlung. Gute 140 Jahre danach feiern Bürgerrechte und Widerstandsgeist erneut einen kleinen Triumph: Am 18. März 1990 findet in der damals noch real existierenden DDR die erste freie Wahl zur Volkskammer statt. Und nun, nochmals 22 Jahre später, wird der elfte Bundespräsident gewählt. Ein Zufall, nur dem formalen Umstand geschuldet, dass spätestens 30 Tage nach dem Rücktritt Christian Wulffs ein Nachfolger gefunden sein muss? Sicherlich. Dennoch ist die Wahl von Joachim Gauck an diesem „deutschen“ Tag symbolisch aufgeladen. Vielleicht sogar ein Signal, eine Aufforderung, endlich mal (wenigstens für eine gewisse Zeit) die Vergangenheit ruhen zu lassen. Nicht weiterhin alles Gewesene und Gesagte bis ins kleinste Detail zu sezieren, sondern stattdessen sich der Zukunft und ihren zahlreichen Herausforderungen zu stellen.

Ohne ständigen Verweis auf die Vergangenheit

Von denen hat Deutschland bekanntermaßen einige zu meistern. Integration, Euro-Krise, die Kluft zwischen arm und reich, gebildet und ungebildet, gesellschaftlicher Zusammenhalt – Probleme von präsidialer Dimension. Da braucht es Kraft, Mut, Ausdauer, Rückhalt und Autorität, um sich als anregender Ideengeber zu profilieren. Man muss kein Anhänger Gaucks sein, um ihm die Chance zu gewähren – ohne ständigen Verweis auf die Vergangenheit. Das wird schwierig genug. Denn wie selten zuvor beherrschen misstrauisches Zurückblicken und Konfrontationsdenken die Diskussion um die Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Joachim Gauck und

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