Wir Scheinheiligen

von Christian Böhme24.11.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Die Politik will mit einer zentralen Trauerfeier an die Opfer der Neonazi-Morde erinnern – eine heuchlerische Veranstaltung. Denn jahrelang haben die Verantwortlichen die Gefahr des Rechtsextremismus verdrängt.

Wer bei Google die Worte „Gedenken“ und „Deutschland“ eingibt, erhält sekundenschnell fast vier Millionen Treffer. Ein beachtliches, ein stolzes, ein staatstragendes Ergebnis. Und man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass es schon sehr bald einige Hunderttausend Treffer mehr sein werden. Denn Bundestag, Bundespräsident und Bundesregierung bereiten gemeinsam eine zentrale Feier für die Opfer der Neonazi-Mordserie vor. Eine derartige Veranstaltung garantiert (ähnlich wie die Entschuldigungs-Erklärung der deutschen Parlamentarier) per se ein Mindestmaß an zwischenmenschlicher Anteilnahme und ein Höchstmaß an medialer Aufmerksamkeit, sprich: eine Menge neuer Einträge bei Google. Einträge über das gute Deutschland, das dem bösen Deutschland mittels Trauergestus seine moralische Überlegenheit demonstriert.

Ein heuchlerischer Akt

Endlich, werden viele ausrufen, wurde aber auch allerhöchste Zeit! Zu Recht. Dennoch ist die geplante Trauerfeier für die acht Türken und einen Griechen an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Ein Akt zur Schau getragener, vor allem unberechtigter Selbstvergewisserung, gleichermaßen heuchlerisch wie wohlfeil. Zudem ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen. Weil mit ihren Gefühlen Schindluder getrieben wird. Ein harsches Urteil, mag man einwenden. Aber ein milderes kommt wohl kaum infrage. Schließlich gründet es auf erwiesener Schuld. Das wiedervereinigte Deutschland hat jahrelang geflissentlich ignoriert und verdrängt, dass der Rechtsextremismus nicht nur eine ideologische Bedrohung darstellt, sondern im schlimmsten Sinne des Wortes auch eine Gefahr für Leib und Leben. Neger, Obdachlose, andere „Asoziale“, Ausländer,

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