Selbst muss der Mann sein

von Christel Humme27.06.2012Gesellschaft & Kultur

Der Erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung wird ein Jahr alt. Grund zum Feiern ist das nicht. Nicht für die Frauen in Deutschland – und auch nicht für die Männer.

Eine neue Jungen- und Männerpolitik wollte “Bundesministerin Kristina Schröder(Link)”:theeuropean.de/birgit-kelle/10803-shitstorm-ueber-dem-familienministerium auf den Weg bringen. Immer wieder hat die CDU-Politikerin die Verengung der Gleichstellungspolitik auf die frauenpolitische Perspektive angeprangert. Viel mehr als Symbolpolitik ist aus Schröders Ankündigungen aber nicht geworden. Dabei liefert der Erste Gleichstellungsbericht (“PDF(Link)”:http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Erster-Gleichstellungsbericht-Neue-Wege-Gleiche-Chancen,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf) auch für die Sache der Männer eine solide Arbeitsgrundlage.

Kristina Schröder hat es nicht verstanden

Denn die Sachverständigenkommission, die das Gutachten zum Bericht erstellt hat, fordert im Kern die Abkehr vom Diktat der weiblichen Zuverdienerin und des männlichen Haupternährers. Genau deshalb hält sie eine Reform des Ehegattensplittings und die Abschaffung der Minijobs für richtig. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes und eine gesetzliche Quote für Frauen in Führungspositionen ebenso. Wer meint, das sei ein weiterer Beleg für die Verengung der Gleichstellungspolitik auf Frauenpolitik, der irrt. Vor gut einem Jahr empörte sich Schröder in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „wie wenig ausgeprägt das Bewusstsein dafür ist, dass Männerpolitik erheblich zum Erfolg moderner Gleichstellungspolitik und damit zu fairen Chancen für Frauen insbesondere im Beruf beitragen kann“. Das zeigt einmal mehr, dass die Ministerin die entsprechenden Zusammenhänge und Wechselwirkungen nicht verstanden hat. Denn wäre sie den Empfehlungen der Sachverständigenkommission gefolgt, hätten davon auch die Männer profitiert. “Denn auch Männer wünschen sich längst eine neue Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern(Link)”:http://theeuropean.de/birgit-kelle/10873-die-neuen-maenner. Die aber gibt es nur mit einer geballten Offensive, wie sie etwa die SPD fordert: mit der Abschaffung des Ehegattensplittings, mit einer Reform der Minijobs, mit einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn, mit einer gesetzlichen Regelung für Entgeltgleichheit und mit einem Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen. Nur wenn Benachteiligungen abgebaut werden, wenn es sich für Frauen lohnt, einer guten und gerecht bezahlten Erwerbsarbeit nachzugehen, wird ihren Partnern die Last genommen, weitgehend alleine für den Lebensunterhalt zu sorgen. Den Männern würde auch eine Quote für Führungspositionen nutzen. Denn mehr Frauen in den Unternehmensleitungen führen auch dazu, dass Vatersein im Arbeitsleben selbstverständlicher wird. Und dass endlich auch andere Männer als bisher die gläserne Decke durchstoßen. Denn die Wahrheit ist: Männer, die sich Kind und Haushalt mit ihrer Partnerin teilen wollen, haben derzeit genauso wenig Aufstiegschancen wie Frauen.

Bittere Einsicht

Was also bleibt am ersten Geburtstag des Gleichstellungsberichts? Vor allem die bittere Einsicht, dass Schwarz-Gelb sich der Kernbotschaft stur verweigert: „Eine Politik, die auf eine wirkliche Chancengleichheit abzielt, muss Fehlanreize verhindern und darauf achten, dass Entscheidungen keine kurz- und langfristigen negativen Folgen auf bestimmte Bevölkerungsgruppen oder ein Geschlecht haben“, heißt es dort. Die Untätigkeit der Bundesregierung hat nicht nur kurz- und langfristige Folgen für die Frauen in Deutschland, sondern auch für die Männer. Denn auch sie werden allein gelassen mit den Zwängen des Rollen-Diktats. Wenn Kristina Schröder glaubt, stellvertretend für die jungen Frauen in Deutschland auf ihrem Buch titeln zu müssen, „Danke, emanzipiert sind wir selber“, sollte sie nicht vergessen nachzuschieben: „Männer, emanzipiert Euch lieber selber.“

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