Gemeinsam in die Zukunft ...

von Chris Pyak27.01.2015Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

… statt zurück in die Vergangenheit. In den unsicheren Zeiten von heute sind es Sprache und gemeinsame Erfahrungen, die uns miteinander verbinden sollten.

_Von dem Messer in seiner Hand tropft das Blut. Mein Blut. Ich reiche ihm die Hand, er umschließt sie mit seiner eigenen. Winnetou, mein Blutsbruder. Winnetou und Old Shatterhand gehören untrennbar zusammen. Ihre Verbindung beruht nicht auf Familie oder Heimat – sondern auf ihren gemeinsamen Werten. Ehre, Treue, Mut, Mitgefühl, Tatkraft._

Diese Kolumne handelt von den Bindungen, die wir selbst gewählt haben. Von Einwanderung und Innovation. Und davon, wie wir eine gemeinsame Zukunft im 21. Jahrhundert gestalten. Der Konflikt um die Einwanderung muss ausgetragen werden. Denn unser Land wird sich in den nächsten zehn Jahren massiv verändern. Wir müssen gemeinsam darum ringen, welche Richtung Deutschland nehmen soll.

Niemand begann damals ein Telefonat mit der Frage: „Wo bist du?“

An den extremen Enden stehen zwei Positionen. Auf der einen Seite sind jene, die sich nach einfacheren Zeiten zurücksehnen. Nach lebenslanger Festanstellung, einer überschaubaren Welt und klaren Regeln. Ich kann diese Menschen verstehen. Wenn ich abends mein Smartphone ausmache, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich völlig ausgesaugt bin. Zu viele Quellen, die mir ihre Informationen entgegenschreien. Es fehlt die Stille, um einen Gedanken klar bis zu seinem logischen Ende zu führen.

Kein Wunder, dass wir uns nach einer einfacheren Welt sehnen. Ich bin in den 1980er-Jahren groß geworden, es gab drei Fernsehkanäle und die Auswahl an Telefonen beschränkte sich auf Grün, Beige oder Rot. Niemand begann ein Telefonat mit der Frage: „Wo bist du?“ Alle Menschen schauten die gleichen Fernsehsendungen, hatten den gleichen Job und wählten die gleichen Parteien. Das schuf ein Gefühl von Sicherheit. Ein Gefühl. Nicht eine Realität.

Der Medizinmann spricht: „Wir wollten leben, wie es uns die Väter und Vorväter gelehrt haben. Doch der weiße Mann glaubt nicht an Manitu.“ Der weiße Mann glaubt an die Eisenbahn, das Telegramm und den Fortschritt. Die Welt ist lebendig. Wer sie als Standbild einfrieren will, bringt sie um – das ist die andere Position. Diese Menschen sind begeistert von der Zukunft. Sie sehen überall Chancen und greifen zu. Ihre Muttersprache ist Spanisch, Deutsch, Russisch oder Japanisch: Aber am liebsten kommunizieren sie auf Englisch.

Wie oft sprechen Sie mit den Deutschen im Hochhaus gegenüber?

Englisch öffnet ihnen die Tür zu unendlichen Lern- und Wachstumsmöglichkeiten. Sie lesen lieber den „Economist“, statt der „Wirtschaftswoche“. Dort entdecken sie neue Themen schon sechs Monate früher. Sie lassen sich in TED-Talks für außergewöhnliche Projekte begeistern. Und nur zum Spaß besuchen sie die Psychologie-Vorlesungen der Universität von Oxford oder einen Kurs der Harvard Business School. Bequem von zu Hause. Denn all diese Vorlesungen sind online verfügbar.

Mit Englisch lernen sie von den begabtesten Menschen der Welt

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