Apple muss nur noch die Kreativität der Menschen herausfordern, um damit Umsatz zu machen. Ibrahim Evsan

Gemeinsam in die Zukunft ...

… statt zurück in die Vergangenheit. In den unsicheren Zeiten von heute sind es Sprache und gemeinsame Erfahrungen, die uns miteinander verbinden sollten.

Von dem Messer in seiner Hand tropft das Blut. Mein Blut. Ich reiche ihm die Hand, er umschließt sie mit seiner eigenen. Winnetou, mein Blutsbruder. Winnetou und Old Shatterhand gehören untrennbar zusammen. Ihre Verbindung beruht nicht auf Familie oder Heimat – sondern auf ihren gemeinsamen Werten. Ehre, Treue, Mut, Mitgefühl, Tatkraft.

Diese Kolumne handelt von den Bindungen, die wir selbst gewählt haben. Von Einwanderung und Innovation. Und davon, wie wir eine gemeinsame Zukunft im 21. Jahrhundert gestalten. Der Konflikt um die Einwanderung muss ausgetragen werden. Denn unser Land wird sich in den nächsten zehn Jahren massiv verändern. Wir müssen gemeinsam darum ringen, welche Richtung Deutschland nehmen soll.

Niemand begann damals ein Telefonat mit der Frage: „Wo bist du?“

An den extremen Enden stehen zwei Positionen. Auf der einen Seite sind jene, die sich nach einfacheren Zeiten zurücksehnen. Nach lebenslanger Festanstellung, einer überschaubaren Welt und klaren Regeln. Ich kann diese Menschen verstehen. Wenn ich abends mein Smartphone ausmache, habe ich manchmal das Gefühl, dass ich völlig ausgesaugt bin. Zu viele Quellen, die mir ihre Informationen entgegenschreien. Es fehlt die Stille, um einen Gedanken klar bis zu seinem logischen Ende zu führen.

Kein Wunder, dass wir uns nach einer einfacheren Welt sehnen. Ich bin in den 1980er-Jahren groß geworden, es gab drei Fernsehkanäle und die Auswahl an Telefonen beschränkte sich auf Grün, Beige oder Rot. Niemand begann ein Telefonat mit der Frage: „Wo bist du?“ Alle Menschen schauten die gleichen Fernsehsendungen, hatten den gleichen Job und wählten die gleichen Parteien. Das schuf ein Gefühl von Sicherheit. Ein Gefühl. Nicht eine Realität.

Der Medizinmann spricht: „Wir wollten leben, wie es uns die Väter und Vorväter gelehrt haben. Doch der weiße Mann glaubt nicht an Manitu.“ Der weiße Mann glaubt an die Eisenbahn, das Telegramm und den Fortschritt. Die Welt ist lebendig. Wer sie als Standbild einfrieren will, bringt sie um – das ist die andere Position. Diese Menschen sind begeistert von der Zukunft. Sie sehen überall Chancen und greifen zu. Ihre Muttersprache ist Spanisch, Deutsch, Russisch oder Japanisch: Aber am liebsten kommunizieren sie auf Englisch.

Wie oft sprechen Sie mit den Deutschen im Hochhaus gegenüber?

Englisch öffnet ihnen die Tür zu unendlichen Lern- und Wachstumsmöglichkeiten. Sie lesen lieber den „Economist“, statt der „Wirtschaftswoche“. Dort entdecken sie neue Themen schon sechs Monate früher. Sie lassen sich in TED-Talks für außergewöhnliche Projekte begeistern. Und nur zum Spaß besuchen sie die Psychologie-Vorlesungen der Universität von Oxford oder einen Kurs der Harvard Business School. Bequem von zu Hause. Denn all diese Vorlesungen sind online verfügbar.

Mit Englisch lernen sie von den begabtesten Menschen der Welt. Diese Offenheit und Lernbegeisterung macht sie hochattraktiv für Arbeitgeber. Meine Klienten suchen selten wegen des Fachkräftemangels nach internationalen Talenten. Entscheidend sind ganz andere Gründe: Mitarbeiter die ihr Land verlassen, um in einem anderen Land Fuß zu fassen, sind meistens Leute die unternehmerisch sind, die Risiken eingehen, die Entscheidungen treffen. Dabei geht es nicht nur um Karriere, sondern um eine Lebenseinstellung.

Ich habe von 2001 bis 2011 im Ausland gelebt. Als Journalist habe ich in fünf Ländern mit Teams aus vier verschiedenen Kulturen gearbeitet. Diese Erfahrung hat mich frei von Angst gemacht. Wer sich ständig weiterentwickelt, macht Veränderung zur Gewohnheit. Und was wir gewohnt sind, fürchten wir nicht. Heute bin ich zuversichtlich: Ich werde immer ein Einkommen haben. Was mich definiert, sind keine Landesgrenzen, sondern professionelle Fokussierung. Mein Geschäft ist Kommunikation. Die konkrete Form mag sich im Laufe der Zeit ändern und dem konkreten Ort anpassen: Am Kern meiner Arbeit ändert sich nichts. Das ist Sicherheit.

Das bringt uns zurück zum Anfang dieses Artikels: den Bindungen. Wie oft sprechen Sie mit den Deutschen im Hochhaus gegenüber? Und wie oft sprechen Sie mit Ihren Freunden, mit denen Sie Werte, Ziele und gemeinsame Erfahrungen teilen? Die Menschen, die mir wirklich nahe sind, heißen Evgenia, Karim und Peng. Was uns verbindet, ist keine gemeinsame Abstammung, sondern eine gemeinsame Zukunft. In einer Welt ohne Grenzen gehen Bindungen nicht verloren. Der Ingenieur Karl wurde zu „Old Shatterhand“ und fand in Winnetou seinen besten Freund. Das wäre nicht geschehen, wäre er in Sachsen geblieben.

Lassen Sie uns gemeinsam um die beste Zukunft ringen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Chris Pyak: Die Ratte und der Geist

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