Speak English!

von Chris Pyak24.11.2014Außenpolitik

In der globalisierten Welt kann Deutschland nur bestehen, wenn es Englisch als zweite Amtssprache einführt. Ein Plädoyer.

Zwei Orte sind für mich symbolhaft für die Zukunft Deutschlands: der Blick aus meinem Fenster in Düsseldorf-Oberbilk und Tallinn.Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich Frauen in Burkas, Männer mit langen Bärten und wallenden Gewändern sowie Fastfood Shops, die damit werben, dass ihr Essen „halal“ ist.

Dieses Bild bestimmt die Diskussion um Einwanderung in Deutschland. Doch in Wirklichkeit ist es irrelevant für die Zukunft unseres Landes. Warum? Diese Menschen schotten sich ab. Sie sind fixiert auf die Vergangenheit, anstatt die Zukunft zu gestalten. Sie haben keinen Einfluss, weil sie nichts zur Gesellschaft beitragen. Aus diesem Grund haben sie keinen Erfolg. Sie sind irrelevant.

Was Estland uns voraus hat

Ganz anders der zweite Ort. Tallinn. Fünf Jahre lang habe ich in Estland gelebt. Das kleine Land hat mir gezeigt, wie Erfolg in der Zukunft aussieht.
Estland hat eine kleine Bevölkerung und keine Bodenschätze. Weniger als ein Prozent der Europäer sprechen Estnisch. In der estnischen Sprache gibt es weder „er, sie, es“ noch eine Zukunftsform. „No sex, no future“ lautete denn auch ein ständiger Witz unter uns Einwanderern.

Die Esten verstanden: Ihre Sprache ist ein weiteres, großes Hindernis für Ihren Erfolg. Mit Estnisch kann man keine Produkte ins Ausland verkaufen, keine ausländischen Investoren ins Land holen und auch keine internationalen Fachkräfte gewinnen.
Ohne Ausländer, kein Verständnis des Auslands. Da das „Ausland“ aber 99 Prozent des Marktes ausmacht, mussten die Esten etwas ändern. Denn ohne Export kann das Land nicht überleben.

Was die Esten taten, erforderte großen Mut.

Estland führte Englisch als zweite Amtssprache ein. Jedes Gesetz und jedes Formular ist auf Englisch erhältlich. Jeder Beamte, jeder Arbeitgeber und jedes Kleinkind spricht die Sprache fließend. Alle Fernsehprogramme sind in englischer Originalsprache (mit Untertiteln) und der Sprachunterricht beginnt im Kindergarten. Heute ist Estland das Land mit den viertbesten Englischkenntnissen weltweit.

Wie mutig diese Entscheidung war, wird klar, wenn man die Geschichte Estlands kennt. Das Land war immer wieder erobert worden. Die Bewahrung der eigenen Identität ist den Esten darum sehr wichtig.Trotzdem wählten sie Offenheit statt Abschottung. Die Ängste ihrer Vergangenheit sollten ihre Zukunft nicht blockieren.

Was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Es gibt keinen „deutschen Markt“ mehr

Erinnern Sie sich an meine Nachbarn vom Anfang dieses Textes? Sie weigern sich, unsere Sprache zu lernen, sie schotten sich von der Mehrheitsgesellschaft ab und wollen keinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten – außerhalb ihres eigenen Kulturkreises. Kein Wunder, dass sie keinen wirtschaftlichen Erfolg haben, oder?

Wir Deutschen handeln genau so. Wir denken, dass die gut ausgebildeten Menschen, die heute aus Spanien, Portugal oder Rumänien zu uns kommen, „nicht zum deutschen Markt“ passen. Weil sie kein Deutsch sprechen.

In Wirklichkeit ist es jedoch umgekehrt: Es gibt keinen „deutschen Markt“ mehr. Es gibt nur noch einen weltweiten Markt. Die Strategien sind weltweit, nur das Marketing ist lokal. Das Internet hat alle Grenzen aufgehoben. Logistikunternehmen liefern heute jedes Produkt in jedes Land der Erde – zu wirtschaftlichen Preisen.

Eine Riesenchance. Während ich dies schreibe, sitzt mein Sales-Manager in seinem Homeoffice in Sao Paulo (+ 28 Grad, wolkenloser Himmel) – und wirbt Klienten für Immigrant-Spirit in Deutschland.

Die Berliner Startups, die unsere wichtigsten Klienten sind, planen die weltweite Expansion vom ersten Tag mit ein. Ein Jahr nach der Firmengründung sind die meisten dieser jungen Firmen in zehn Ländern oder mehr aktiv. Nur Nordkorea kann sich vom Wettbewerb der Welt abschotten. Wenn Deutschland erfolgreich bleiben will, braucht es Unternehmen, die weltweit agieren.Das erfordert zwingend Mitarbeiter, die international denken. Wir brauchen keine „deutschen“, „indischen“ oder „chinesischen“ Fachkräfte. Wir brauchen Kosmopoliten.

Die Zukunft gehört den Kosmopoliten.

Das Beharren auf Deutsch ist unsere „Burka“

Kosmopoliten sprechen die Sprache des Business. Die ist Englisch, nicht Deutsch. Von den 25.000 internationalen Fachkräften, die meinen Newsletter lesen, sprechen alle fließend Englisch, aber nur zwei Prozent Deutsch. Dabei sind dies schon Fachkräfte, die sich für eine Karriere in Deutschland interessieren. Die meisten Topkräfte träumen aber von den USA, dem UK, China, Indien oder Singapur. Wie würden Sie lieber „Talent“ rekrutieren? Aus 25.000 Kandidaten – oder aus 500?

Wenn wir ausländische Investoren, Geschäftspartner und Fachkräfte gewinnen möchten, müssen wir unnötige Hindernisse abbauen. Das Beharren auf Deutsch als einzige Amtssprache ist das größte Hindernis.

Englisch als zweite Amtssprache ist aber auch ein Zivilisationsprojekt. Nur als Teil Europas kann Deutschland eine Bedeutung in der Welt bewahren. Wir müssen uns weiterentwickeln: Vom Bayern und Westfalen zum Deutschen – und jetzt vom Deutschen zum Europäer.
Dies erlaubt auch den Einwanderern, eine gemeinsame Identität mit uns zu entwickeln. Als Europäer können wir die Zukunft gestalten. Für eine gemeinsame europäische Identität brauchen wir eine gemeinsame Sprache: Englisch.

Das Beharren auf Deutsch als einzige Sprache ist unsere „Burka“: Sie schottet uns ab von unseren Mitmenschen.

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