Der europäische Fußball (TM)

von Chris Giovani29.08.2012Gesellschaft & Kultur

Durch die neuen Regelungen des Financial Faiplay werden sich internationale Topklubs noch stärker als bisher zu Marken entwickeln. Die UEFA leitet damit einen Prozess ein, den sie später schwer bereuen könnte.

Wird die Bundesliga durch das Financial Fairplay zur besten Liga Europas? Was den kurzfristigen Gewinn durch die Auswirkungen des Financial Fairplays betrifft, ist die Zukunft in der Tat deutsch. Auf lange Sicht jedoch nicht – zumindest nicht ausschließlich. Denn die großen Klubs werden von schlauen Menschen geführt. Sie sind zwar gelegentlich bereit, irrsinnigste Risiken einzugehen, aber sie sind dennoch schlau. Michel Platinis Plan liegt seit Jahren auf dem Tisch – genauso wie die entsprechenden Gegenmaßnahmen jener Klubs, in deren Köpfen noch der Traum von europäischem Ruhm tanzt.

Fußballklubs werden zu Marken

Ohne Frage: Die Ausgaben der Klubs werden sinken – sie sanken auch bereits zu einem gewissen Grad in der Vergangenheit. Die Kreativität im Umgang mit den neuen Regelungen wird jedoch steigen. Marketingunternehmen werden auf der Suche nach richtiger Arbeit von Hollywood nach Europa ziehen. Die Klubs werden jährlich zusätzlich zu den 60 Pflichtspielen noch 70 hochkarätige Freundschaftsspiele absolvieren. Im Vergleich zu den Entwicklungen im Sponsoring, wird dann selbst die Formel 1 einem leeren Buch gleichen. Momentan verbietet die UEFA mehr als einen Trikot-Sponsor in den von ihr ausgetragenen Spielen der Champions League und Europa League. Die Vereine werden jedoch Wege finden, mehr Sponsoren unter ihr Dach zu bekommen. Dafür werden die Räume für das Geschäft ausgeweitet. Man wird das Spielfeld als bisheriges Zentrum des Businessplans hinter sich lassen, aber es dennoch als „mit dem Fußball verbunden“ zu kommunizieren wissen. Der jüngste Stadiondeal von Manchester City ist dafür ein gutes Beispiel. Der Schwerpunkt wird sich von der dominierenden Identität eines Fußballklubs hin zur Marke verschieben. Diese Entwicklung läuft bei einigen Vereinen schon seit längerer Zeit und wäre ohnehin unausweichlich – unabhängig davon, ob Platini einen europäischen Fußball ohne rote Zahlen oder gefühlsduselige Heinzelmännchen, die goldene Einhörner reiten, verspricht.

Superliga nach amerikanischem Vorbild?

Das größte Problem ist jedoch, dass zurzeit noch nichts endgültig und abgeschlossen ist. Die Regulierung hat mehr Schlupflöcher, mehr Schonfristen, größeres Mitgefühl für rührselige Geschichten als eine offene Bibliothek. Noch besorgniserregender ist, über Strafen zu bestimmen, wenn 2015, inmitten der Umsetzung des Plans, die FIFA-Präsidentschaft vakant wird und Platini der rote Teppich dafür wohl vor die Haustür gerollt wird. Zwar sind die Regulierungen nicht nur in seinen Händen. Aber ein entscheidender Wechsel in den politischen Positionen des Fußballs ist wahrscheinlich und spätestens dann stellt sich die Frage, was das für das Financial Fairplay und die UEFA selbst bedeutet. Außerdem stellt sich die Frage, wie sehr man sich bei der UEFA vor einer Ablösung der Champions League durch eine unabhängige Superliga nach amerikanischen Vorbild fürchtet, wenn man sich mit den großen Klubs anlegt. Die Gespräche darüber sind zwar momentan verstummt, aber schweben ständig im Hintergrund und der Tag der Entscheidung wird kommen. Momentan sieht es aus, als würde Deutschland am meisten von geringeren Budgets profitieren. Trotzdem wird es nicht urplötzlich als einzige Supermacht in die Höhe schnellen. Es wird eine Verschiebung geben, aber nur schrittweise und über eine gewisse Zeit. Währenddessen wird die Bundesliga, selbst mit der Financial-Fairplay-Regulierung, noch immer ein gutes Stück aufzuholen haben, um England und Spanien zu erreichen. Den größten Segen werden dabei der Deal mit Fernsehrechten und der vierte Champions-League-Platz bringen, der eine Weiterentwicklung auf europäischer Ebene und somit auch mehr Geld für die Vereine zur Folge haben wird. Mit stärker werdenden Teams und Wettbewerben wird sich der deutsche Fußball im kontinentalen Vergleich verbessern. Jedoch vielmehr aufgrund des eigenen Fortschritts als den Budgetkürzungen seiner Gegner.

Europas „Große drei“

Mit England, Spanien und Deutschland werden sich die „Großen drei“ Europas herauskristallisieren, die vermutlich für einige Zeit bestimmend sein werden. Die Bundesliga ist bereits jetzt dabei, hinter sich die Tür vor den Italienern zu verschließen – und das mit so einer Begeisterung, dass die Italiener niemanden mehr zu interessieren scheinen. Die Bundesliga stolziert mit der angemessenen Selbstherrlichkeit des wertvollsten Pferdes im Stall. Die anderen nehmen sie wahr und stellen sich auf sie ein. Aber ist sie wirklich die beste Liga in Europa? Nein. Noch nicht und wahrscheinlich auch nicht in nächster Zeit, wenn überhaupt. Denn zu viele Schlupflöcher, zu viele Variablen und zu viele Fragen um das Financial Fairplay bleiben offen. Der deutsche Fußball mag vielleicht der große Nutznießer dieser Entwicklung sein. Aber die alten und verschlagenen Veteranen haben immer ein paar Tricks im Ärmel, um jeden zu erinnern, dass ein evolutionärer Wandel immer ein langer Prozess ist.

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