Wir haben unsere Probleme auf klassisch schottische Art gelöst: Wir haben sie weggetrunken. Irvine Welsh

Blindheit gegenüber antisemitischer Propaganda

Wir Juden haben in unserer europäischen Heimat ein wachsendes Antisemitismus-Problem!

Die israelfeindlichen Tendenzen, die seit Jahren auf Ebene der Europäischen Union herrschen sowie die schikanösen und diffamierenden Entscheidungen und Maßnahmen, die von EU-Institutionen verabschiedet werden, stehen in absolutem Widerspruch zu den wohlfeilen Bekenntnissen, mit denen die Solidarität und die Partnerschaft zum jüdischen Staat stets beteuert wird. Wie hohl diese Phrasen sind, zeigte sich nun wieder an dem Applaus für die widerliche Hetze, die Abbas in seiner Rede im EU-Parlament ganz offen verbreitete.

Blindheit gegenüber antisemitischer Propaganda

Diese Blindheit oder gar die Zustimmung gegenüber derartiger antisemitischer Propaganda ist verheerend. Die Obsession, Israel einseitig und unsachlich zu kritisieren, die in Antisemitismus mündende Diffamierung und Delegitimierung Israels sind leider nicht nur fester Bestandteil rechtsradikaler und islamistischer Ideologie, sondern auch weit verbreitet im links-intellektuellen Spektrum. Sie finden bis in die höchste Ebene der europäischen Politik und Gesellschaft Anschluss. Wir Juden haben in unserer europäischen Heimat ein wachsendes Antisemitismus-Problem! Was eigentlich Angelegenheit der Gesellschaften sein sollte, in denen wir leben: der Antisemitismus, der Ausdruck von Demokratiefeindlichkeit und Menschenverachtung ist. Es ist wieder nur unser Problem, mit dem wir uns allein gelassen fühlen.

Wir stehen vor großen Sorgen

So stehen wir als jüdische Bevölkerung Europas vor immer größeren Sorgen – zumal hier in Deutschland, wo der Judenhass zur beinahe vollendeten Vernichtungsphantasie führte. Wer die Formel „Nie wieder!“ ernst meint, muss endlich hörbar, glaubhaft und entschlossen seine Stimme gegen JEDE Form von Antisemitismus erheben, oder aufhören, von „Nie wieder!“ zu sprechen.

Der Holocaust wird relativiert

Dazu gehört es auch, Veranstaltungen wie die für den 8. Juli geplante Demonstration von Israel-Hassern am Holocaust-Denkmal nicht zuzulassen. Dabei wird nicht nur der Holocaust relativiert. Israel wird absolut unerträglich verurteilt und angegriffen, mit haltlosen Vorwürfen und Hass überzogen. Und das am Ort des Gedenkens für Millionen jüdische Menschen, die genau diesem Antisemitismus zum Opfer gefallen sind. Unerträglich – das Gegenteil von „Nie wieder!“

Genauso verboten gehören die für den bevorstehenden Al-Quds-Tag anberaumten Demonstrationen in verschiedenen deutschen Städten – insbesondere in Berlin – gegen Israel. Auf diesen Propaganda-Paraden wird zur Vernichtung Israels und zu Gewalt gegen Juden aufgerufen. Darf es auf deutschen Straßen nicht geben – „Nie wieder!“

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: David Berger, Mareike Enghusen, Stephan Hallmann.

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