Berliner Schützenhilfe

von Cécile Calla9.02.2012Außenpolitik, Wirtschaft

An ihren französischen Schicksalspartner hat sich Merkel lange gewöhnen müssen – Sarkozy ist für die Kanzlerin trotzdem die bessere Alternative.

Angela Merkel muss ja eine höllische Angst vor der Vorstellung haben, dass François Hollande, sozialistischer Kandidat, neuer französischer Staatspräsident werden könnte, um sich derart an die Seite von Nicolas Sarkozy in den Wahlkampf zu werfen. “„Ich unterstütze Nicolas Sarkozy in jeder Façon, egal was er tut“”:http://www.faz.net/aktuell/politik/deutsch-franzoesischen-wahlkampf-merkel-unterstuetze-sarkozy-in-jeder-facon-11641148.html, sagte sie als Schlusswort bei der gemeinsamen Pressekonferenz zum deutsch-französischen Ministerrat in Paris am 6. Februar. Am selben Tag gab sie “sogar ein gemeinsames Fernsehinterview”:http://www.youtube.com/watch?v=zhp5Gxe3BdA mit dem Präsidenten, das gleichzeitig in Frankreich und Deutschland gesendet wurde. Von der sonst so zurückhaltenden Bundeskanzlerin sind das sehr überraschende Gesten, vor allem, wenn man die schlechten Umfrageergebnisse des Präsidenten im Auge hat. Zuvor hatte auch ihr CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe für Aufsehen gesorgt, als er in Paris versicherte, dass Angela Merkel sich aktiv beim Wahlkampf von Nicolas Sarkozy beteiligen würde.

Hollande ist ein Dorn im Auge

Es sind ganz andere Töne als 2007, bei der letzten französischen Präsidentenwahl. Da war nicht die Rede von Unterstützung, sie kam zu keiner einzigen Wahlveranstaltung von Nicolas Sarkozy und empfing sogar die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal, damaliger Liebling der Medien, im Kanzleramt. Bis heute hat François Hollande auf seine Anfrage nach einem Termin keine Antwort bekommen. Was erklärt dann diese plötzliche Wende? Nicht dass sie Nicolas Sarkozy so sehr ins Herz geschlossen hat. Sie brauchte lange, um sich an seine hippelige Art und Unberechenbarkeit zu gewöhnen, wurde oft unangenehm überrascht von seiner Art, sich ins Licht zu stellen. Seit der Euro-Krise arbeiten sie aber immer besser zusammen, wurden eine Art Schicksalspaar und scheinen dadurch einen gewissen Respekt füreinander entwickelt zu haben. Die Kanzlerin hat einen großen Teil ihrer Positionen durchsetzen können, auch wenn sie sich manchmal, wie zum Beispiel mit der Wirtschaftsregierung, in Richtung Frankreich bewegen musste. Daher sind ihr die wirtschaftlichen Vorschläge von François Hollande, beginnend mit einer Neuverhandlung des Fiskalpakts bis zu der Ankündigung, 60.000 Stellen im Bildungsbereich zu schaffen, ein Dorn im Auge. Für sie bedeutet die Perspektive einer Wahl François Hollandes erstmal langwierige deutsch-französische Verhandlungen und damit europäische Stagnation, wenn nicht sogar Chaos. Selbst die sozialdemokratische Partei blickt auf den sozialistischen Kandidaten mit Sorgen. Auch wenn keiner bei der SPD öffentlich die Vorschläge von François Hollande bestreitet, werden sie unter der Hand kritisiert. Denn grundsätzlich unterstützt die SPD den Fiskalpakt und will im Fall einer Rückkehr an die Macht die Staatsfinanzen weiter sanieren.

Unmut in Frankreich

Letztendlich macht sich Frau Merkel Sorgen um eine weitere Schwächung Frankreichs. Die Wirtschaftszahlen Frankreichs sind schlecht, vor allem im Vergleich zu Deutschland, und jetzt hat das Land noch sein „Triple A“ verloren. Das ist für sie auch eine schlechte Nachricht. Die Kanzlerin möchte nicht allein in Europa dastehen und die Führung übernehmen. Angela Merkel möchte lieber Macht über das deutsch-französische Duo ausüben. Also versucht sie, jeden Eindruck von Ungleichgewicht mit ihrem französischen Partner wegzuwischen. Und in den schwierigen Gewässern, in denen sich Frankreich aktuell befindet, scheint ihr Nicolas Sarkozy der bestmögliche Kapitän, um mit ihr diese Euro-Krise zu überwinden. Die Frage ist nur, ob das Bild einer deutschen Kanzlerin an der Seite des Staatspräsidenten in einer Wahlkampfveranstaltung nicht der Tropfen ist, der für manche französische Wähler das Fass zum Überlaufen bringt. Denn der ständige Vergleich mit Deutschland – man könnte auch mittlerweile sagen, die Obsession Nicolas Sarkozys für den deutschen Nachbarn – löst schon einen gewissen Unmut in Frankreich, selbst im Regierungslager, aus.

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