Liebe ist Arbeit

Catalina Toma15.11.2012Gesellschaft & Kultur

Online-Dating hat die Suche nach Liebe unzweifelhaft verändert. Es hilft bei der Partnerwahl, eine lange währende, glückliche Beziehung garantieren kann es jedoch nicht.

Mit der Einführung neuer Technologien in eine Gesellschaft sind oft sowohl Hoffnungen als auch Ängste verknüpft. Enthusiasten gehen davon aus, dass die Technologie die Gesellschaft zum Besseren verändern wird. Kritiker hingegen erwarten eine Veränderung zum Schlechteren. Betrachten wir zum Beispiel das Fernsehen. Als es aufkam, wurde es von einigen als Mittel zum Zusammenbringen von Familien gepriesen. Andere wiederum übten Kritik, weil wirkliche Beziehungen durch fiktive Beziehungen zu Fernsehfiguren ersetzt wurden.

Die jüngste Popularität von Online-Dating hat zu einer ganz ähnlichen Rhetorik geführt. Befürworter argumentieren, dass Online-Dating zu einer drastischen Verbesserung romantischer Erfolge führt, weil Menschen mittels idiotensicherer Algorithmen mit ihrem idealen Partner zusammengebracht werden. Gegner befürchten, dass Online-Dating die der Romantik inhärenten geheimnisvollen und zufälligen Momente zerstört und eine Serien-Dating-Mentalität befördert.

Romantische Beziehungen sind ein Prozess

Wie früher beim Fernsehen, sind diese Ansichten übertrieben, da sie der Technologie zu viel Einfluss zuschreiben (und den Nutzern zu wenig). Sie sind auch zu simpel, da sie wichtige psychologische, soziale und kulturelle Faktoren außer Acht lassen. Es besteht kein Zweifel daran, dass Online-Dating die Suche nach Liebe im 21. Jahrhundert verändert hat. Millionen von Menschen finden Dates, kurzzeitige Affären und langfristige Beziehungen mittels Online-Partnervermittlungen. Der Einfluss von Online-Dating ist jedoch subtil und muss immer im jeweiligen Kontext betrachtet werden.

Romantische Beziehungen sind ein Prozess und umfassen mehrere Phasen. Zunächst treffen sich die Partner und lernen sich gegenseitig kennen. Danach folgt die Aufrechterhaltung der Beziehung: die Partner navigieren durch den Alltag und die wichtigen Ereignisse des Lebens. Schließlich folgt das Ende der Beziehung, entweder aufgrund einer Trennung oder durch das sprichwörtliche „bis dass der Tod uns scheidet“.

Der Einfluss von Online-Dating ist am deutlichsten und maßgeblichsten in der Anfangsphase. Es erweitert den Zugang zu potenziellen Partnern auf verschiedene Art und Weise. Zunächst weist es diejenigen aus, die prinzipiell an einer Beziehung interessiert sind und beseitigt so das Rätselraten, wenn es darum geht, ob eine Person von Interesse überhaupt „verfügbar“ ist. Zweitens versammelt es all diese Singles in einer leicht zugänglichen Online-Location, was die Zeit und den Aufwand erheblich reduziert, die man sonst braucht, um Menschen zu treffen (z.B. ein aktives Sozialleben pflegen, in Bars gehen, Freunde fragen, ob sie einem eine Verabredung arrangieren). Drittens erweitert es den Pool an potenziellen Partnern. Die Forschung zeigt, dass physische Nähe ein entscheidender Faktor für den Anfang von Beziehungen ist. Die meisten gehen mit Menschen aus, die buchstäblich um sie herum sind (z.B. Arbeitskollegen, Klassenkameraden). Online-Dating beseitigt diese Einschränkung und ermöglicht es einem so, mit Leuten auszugehen, die man sonst nicht im eigenen Alltag treffen würde.

Diese Verbesserung des Zugangs zu potenziellen Partnern durch Online-Dating betrifft aber nicht alle Menschen gleichermaßen. Es ist besonders vorteilhaft für diejenigen, die aus dem einen oder anderen Grund ein eingeschränktes Sozialleben haben (z.B. viel beschäftige Geschäftsleute mit wenig Zeit, ältere Menschen, deren soziale Kontakte zumeist aus Paaren bestehen, Menschen, die umgezogen sind und daher noch nur wenig soziale Kontakte haben). Umgekehrt ist diese Besonderheit des Online-Datings für Menschen, die uneingeschränkt Zugang zu potenziellen Partnern haben (z.B. Studenten, sehr extrovertierte Menschen mit vielen sozialen Kontakten) weniger wichtig.

Während Online-Dating also den Zugang zu Partnern erweitert, gibt es zurzeit keinen Beweis, dass die Matching-Algorithmen die Partnerwahl verbessern. Die Forschung zeigt, dass Menschen Partner bevorzugen, die ihnen in Bezug auf Werte und Überzeugungen ähnlich sind. Es gibt aber kein wissenschaftliches Modell, das Kompatibilität auf der Basis von Persönlichkeitsmerkmalen voraussagt (was viele Online-Dating-Seiten tun). Mehr noch: Selbst wenn eine Kompatibilität aufgezeigt werden könnte, würde sie nur einen kleinen Teil einer erfolgreichen Partnerschaft ausmachen. Lange, stabile und glückliche Partnerschaften hängen von der Fähigkeit der Partner ab, zusammen zu wachsen und zu reifen, die unvermeidlichen Herausforderungen des Lebens zu meistern und gesunde Interaktionsmuster zu entwickeln. Dating-Dienste können nicht vorhersagen, ob sich diese Phase der Aufrechterhaltung einer Beziehung entwickeln wird. Sie hängt zu einem großen Teil von den Kommunikationsmustern der Partner ab, der sich entwickelnden Reife und den einzigartigen Lebensumständen, auf die sie treffen.

Man muss mit Bedacht unter den potenziellen Partnern wählen

Wenn es um Romantik geht, kann Online-Dating die Dinge verkomplizieren. Das hängt von den Eigenschaften der User und ihrer Nutzungsmuster ab. Auf der einen Seite ist es durchaus möglich, dass Online-Dating eine Süßwarenladen-Mentalität fördert, sich Nutzer also wünschen, eine möglichst große Auswahl an Dates zu haben und sich nicht auf eine einzelne Person einlassen wollen. Das trifft vor allem auf Online-Dater in Metropolregionen zu, wo sie Zugang zu Hunderten von potenziellen Dates und Singles haben, die von Anfang an ungebunden sind. Auf der anderen Seite kann die Kommunikation mit Partnern, die nicht von Angesicht zu Angesicht stattfindet, ein großartiges Aphrodisiakum sein – Dater idealisieren ihren Partner und verlieben sich schnell. Natürlich kann die Romantik einen Dämpfer erleiden, wenn man den Partner dann persönlich trifft, vor allem, wenn er sich von seiner Online-Persönlichkeit unterscheidet.

Abschließend kann man also sagen, dass Online-Dating Vor- und Nachteile hat und unterschiedliche User auf unterschiedliche Art und Weise betrifft. Der Einfluss von Online-Dating ist am größten in der Anfangsphase von Beziehungen. Das Vermögen, Singles mit geringem Aufwand an Zeit und Energie mit potenziellen Partnern zusammenzubringen, ist bemerkenswert. Längerfristige Effekte hängen von der Fähigkeit des Daters ab, mit Bedacht unter den potenziellen Partnern zu wählen und als Paar eine gesunde Beziehungsdynamik zu entwickeln.

_Übersetzung aus dem Englischen._

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