Zero Tolerance

von Marion Caspers-Merk28.05.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Die Argumente für die Legalisierung von Drogen sind altbekannt, sie geistern seit über zehn Jahren durch die Öffentlichkeit – immer in einer neuen Verpackung. Falsche Argumente werden durch eine häufige Verwendung nicht richtig, zumal sie von Suchtforschern längst widerlegt wurden.

Der Standpunkt, die Prohibition sei gescheitert, weil immer noch Menschen Drogen konsumieren, spielt in der Debatte um eine Legalisierung aller Drogen eine zentrale Rolle. Als Beleg dafür wird der Opiumkrieg in China herangezogen. Dieser wurde von Großbritannien zur Einführung, Verbreitung und Marktdurchsetzung von Opium geführt, weil die Briten ihre hohen Tee- und Seidenrechnungen aus dem Chinahandel nicht in harter Währung bezahlen wollten. Stattdessen drückten sie Opium aus Indien in den Markt. Es handelte sich also um eine Marktöffnungsstrategie mit dem Ergebnis, dass Armut, Verzweiflung und Todesfälle durch exzessiven Opiumgebrauch an der Tagesordnung waren. China versank im Opiumrausch. Dies als Beispiel für eine gescheiterte Prohibition heranzuziehen, verdreht in abenteuerlicher Weise die historischen Tatsachen.

Eine legale Verfügbarkeit steigert die Nachfrage

Ein weiteres Argument besagt, dass trotz der internationalen Drogenkontrollpolitik rund 200 Millionen Menschen weltweit, das entspricht 5 Prozent der Erwachsenenbevölkerung, illegale Drogen konsumieren. Diese geschätzten internationalen Zahlen werden erst dann nachvollziehbar, wenn man sie mit den in Deutschland erhobenen Zahlen vergleicht: In Deutschland rauchen rund 30 Prozent der Erwachsenenbevölkerung. Weniger als ein Prozent konsumiert sogenannte harte Drogen und rund 5 Prozent der Erwachsenenbevölkerung konsumieren sogenannte weiche Drogen. Eine legale und damit leichtere Verfügbarkeit von Suchtmitteln erhöht immer auch deren Nachfrage. Wollen wir durch eine Legalisierungspolitik in Zukunft 30 Prozent statt einem Prozent Konsumenten? Welche Botschaft gibt ein Staat mit der Legalisierung? Heißt das, du darfst, kannst und sollst? Wer kommt für die Folgeschäden auf? Das Gesundheitssystem oder der Steuerzahler? Der Rausch wird also privatisiert und die Folgen der Sucht sozialisiert?

Komasaufen darf nicht die Regel sein

Schon diese wenigen Anmerkungen zeigen, dass die Befürworter einer Legalisierung von Drogen nicht nur international isoliert sind, sondern sich auch in der Sache auf einen Holzweg begeben haben. Noch abenteuerlicher ist der Vorschlag, dass der Staat durch Legalisierung, strenge Kontrolle und die Erhebung von Steuern endlich Geld für die Prävention hätte. Müssen wir also in Zukunft für genügend Abhängige sorgen, damit genügend Geld für die Prävention da ist? Die Bundesrepublik Deutschland geht deshalb einen anderen Weg. Der Zugang zu legalen und illegalen Suchtmitteln muss insbesondere für die Jugend erschwert werden, Nichtrauchen der Normalfall werden und Komasaufen nicht mehr die Regel. Wir setzen uns als Verband für eine verlässliche Finanzierung der Prävention ein und dafür, dass der Zugang zur Gesundheit für alle ermöglicht wird. Deswegen brauchen wir mehr Informationen und mehr Präventionsangebote. Abseitige Debatten sind hierfür der falsche Weg.

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