Die meisten Massenmörder sind merkwürdig. Mark Benecke

Kampf der Giganten

Die Dotcom-Blase hat die Giganten geformt, die nun um die Vormachtstellung kämpfen. Es ist die Schlacht um die Vormachtstellung eines sich ankündigenden goldenen Zeitalters – Angst vor einer Blase müssen wir deshalb im Moment nicht haben.

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Selbst wenn manche Investoren heute außerordentliche Profite machen, sollten wir die immer höheren Preise für die Übernahme neuer IT-Unternehmen nicht vorschnell mit der Dotcom-Blase der 90er-Jahre gleichsetzen. Die damalige Technologie-Blase war ein großes Experiment, welches jedes Mal zur Hälfte des Verbreitungsprozesses einer neuen technologischen Revolution stattfindet: Dabei zeigt sich, welche Produkte von Konsumenten akzeptiert und welche abgelehnt werden, welche Firmen führen und welche folgen – oder nicht überleben. Auf diese Art und Weise werden auch neue Infrastrukturen installiert und finanziert, bevor sie eigentlich profitabel sind. Investoren setzen dabei auf mehrere Firmen mit unterschiedlichen Qualitäten, in der Hoffnung, mit einer oder zwei von ihnen ein Vermögen zu machen. So entsteht eine Blase und schlussendlich ein Aktiencrash, den die gesamte Wirtschaft zu spüren bekommt. Siegreich gehen daraus nur wenige Giganten hervor.

Wer dominiert das kommende goldene Zeitalter?

Nun erleben wie die nächste Phase: Den Kampf dieser Giganten und das Entstehen von Oligopolen, welche das kommende goldene Zeitalter bestimmen. Giganten entscheiden, welche Firmen sie kaufen und wie viel sie dafür bezahlen, um sicherzugehen, dass ihre Konkurrenten sie nicht erwerben. Das ist allerdings kein halb blindes Wetten wie zu Zeiten der Blase, sondern eine Abfolge von wohlüberlegten Entscheidungen dieser reichen Firmen, um weiterhin an der Spitze mitzuspielen. Hohe Preise basieren dabei nicht auf Illusionen, sondern auf dem potenziellen Wert dieser Unternehmen für die Konkurrenz. So kämpfen die neuen Giganten in einem komplexen strategischen Spiel um mehrere Schlüsselbereiche einer Industrie, welche sie selbst definieren werden.

An dem Spiel nehmen auch „Angels“ und Venturekapitalisten teil, doch auch das lässt uns nicht von einer Blase sprechen (außer vielleicht in einem kleinen, lokalen Kontext): Ermutigt von den vielen Übernahmen, bereiten sie kleine Unternehmen für ihre Übernahme vor. Darunter fallen auch Börsengänge, denn einige der großen Schattenbanken (wie Goldman Sachs) investieren in Unternehmen, die anschließend gigantische Profite an der Börse bringen. Im Großen und Ganzen sind die aktuellen Ereignisse jedoch keine wachsende Blase, sondern ein großes Schachspiel, das die führenden Unternehmen der IT-Revolution formt, ihre Rangfolge bestimmt und auch zeigt, wie sie in Zukunft konkurrieren werden.

Aus der Geschichte lernen

In der Vergangenheit fand so ein Prozess bereits öfter statt. Während der zweiten industriellen Revolution gab es in Großbritannien die sogenannte Eisenbahnamalgation, ein Kampf um die wichtigsten Routen für ein starkes Transportnetz. Während der dritten Revolution entstand U.S. Steel aus den zahllosen Übernahmen kleiner und großer Stahlfirmen, als schließlich 60 Prozent der Industrie in den Händen von J.P. Morgan war. Auch aus den diversen amerikanischen Automobilkonzernen, die den Börsencrash von 1929 überstanden, wurden zum Schluss die großen vier. Jeder dieser Fälle ist anders, aber der Vorgang ist derselbe wie heute: Die Kernfirmen der IT-Revolution stecken ihre Bereiche ab und sind dabei bereit, stets größere Preise für einen neuen Juwel in ihrer Krone zu zahlen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Rainer Heißmann, Timo Leimbach, Daniel Glasner.

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