Bei Hitzewellen: Erneuerbarer Strom ja bitte

Bündnis 90 Die Grünen9.08.2019Medien, Wissenschaft

Bei Hitzewellen ist Frankreich auf deutschen Erneuerbaren-Strom angewiesen. Unser Bild zeigt das Atomkraftwerk im französischen Fessenheim.

  • Frankreich musste wegen der starken Hitze die Leistung von Atomkraftwerken drosseln und Strom importieren.
  • Trotzdem will Frankreich die Laufzeiten von Altmeilern verlängern.
  • Wir fordern auf EU-Ebene die Einführung eines verbindlichen Deckels von maximal 40 Jahren für den Betrieb von Atomkraftwerken.

“Die französischen Atomkraftwerke müssen in Hitzezeiten ihre Leistung erheblich drosseln, um Umweltauflagen zu erfüllen. Das Kühlwasser trägt nämlich direkt zur Erwärmung der Meere und Flüsse bei. Deren Temperatur darf in Frankreich jedoch keine 28 Grad überschreiten. Nach Angaben von der französischen Elektrizitätsgesellschaft Électricité de France (EDF) resultierte die gedrosselte Leistung im Hitzejahr 2003 in insgesamt 6308 Gigawattstunden nicht produziertem Atomstrom. Das ist etwa die Stromerzeugung von einem Fessenheim-Reaktor innerhalb eines Jahres. Seit 2003 mussten 22 der 58 Reaktoren wegen Hitze ihre Leistung reduzieren. Aber vor allem die stärksten Hitzewellen können sich auf die Versorgungssicherheit Frankreichs auswirken und das Land vorübergehend von Importen abhängig machen.

Frankreich auf erneuerbare Energie aus Deutschland angewiesen

Das war vor kurzem der Fall, als in der Woche vom 22. Juli 2019 in Frankreich neue Temperaturrekorde ebrochen wurden. Bei Hitze erzeugen Atomkraftwerke (AKW) weniger Strom. Zeitgleich steigt aber auch der Stromverbrauch, nicht zuletzt wegen der Betätigung von Klimaanlagen. Konsequenz: Frankreich produziert tagsüber selber nicht mehr genügend Strom um seinen Bedarf zu decken. Es ist auf Stromimporte angewiesen.

Am 25. Juli um 12.30 Uhr wurden zum Beispiel 3 Gigawatt (GW) aus Deutschland und Belgien importiert, um die französische Nachfrage zu decken. Das entspricht etwa der Leistung von mehr als zwei Cattenom-Reaktoren. Innerhalb desselben Tages sank der Anteil der Atomkraft an der französischen Energieerzeugung von 75 auf 62 Prozent. Im Vergleich mit dem 25. Juni 2019 produzierte Frankreich an diesem Mittag sogar 8 GW Atomstrom weniger. Das zeigt: Atomkraft ist keine klimataugliche Technologie und Frankreich sollte schnellstmöglich in den schnelleren Ausbau von erneuerbaren Energien investieren. Die Bundesregierung muss sich jetzt sowohl auf Minister- als auch auf Arbeitsgruppenebene (zum Beispiel innerhalb der bilateralen interministeriellen Meseberg Klima-AG) dafür einsetzen, dass gemeinsam ambitioniertere Ziele für deren Ausbau gesetzt werden.

Die hitzeanfälligsten französischen Atomkraftwerke sollen verlängert werden

Besonders hitzeanfällig sind die ältesten französischen AKW, die über keinen oder einen kleinen Kühlturm verfügen (meistens aus landschaftlichen Gründen). Sie müssen dann mehr Wasser aus den Gewässern pumpen und es stark erhitzt wieder zurückleiten. 10 der 22 von Leistungsdrosselungen betroffenen Reaktoren in Frankreich gehören zur älteren 900 MW-Klasse und verfügen über keinen Kühlturm. Sie befinden sich in Fessenheim, Tricastin und Blayais. Zwei weitere Reaktoren in Chinon verfügen über einen kleinen Kühlturm.

Genau diese Reaktoren (mit Ausnahme von Fessenheim) will Frankreich aber länger betreiben. Die französische Nationalversammlung und der Senat haben sich am 25. Juli, dem absoluten Hitze-Rekordtag in Frankreich, auf einem Energie- und Klimagesetz geeinigt, der das 50-Prozent-Atomstrom-Ziel von 2025 auf 2035 hinausschieben soll. Infolgedessen werden viele dieser älteren Atomkraftwerke nicht wie ursprünglich angedacht nach 40 Jahre Betriebsdauer abgeschaltet, sondern 10 bis 20 Jahre länger betrieben – trotz Hitzeanfälligkeit, Klimawandel und Sicherheitsmängeln. Deshalb muss sich die Bundesregierung endlich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass ein verbindlicher Deckel von maximal 40 Jahren für den Betrieb von Atomkraftwerken eingeführt wird. Nur so kann die Sicherheit der EuropäerInnen langfristig gewährleistet und ein gemeinsamer Atomausstieg angegangen werden.”

Quelle: Bündnis 90 / Die Grünen

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