Wenn ich etwas nicht komplett verstanden habe, dann schreibe ich auch nicht darüber. Frank Schätzing

Gib dem Esel die Karotte

Carrotmob kämpft mit sehr viel Spaß für eine bessere Welt und die Ergebnisse sind überwältigend. Die Aktionen verbreiten Optimismus und Lebensfreude. Sie stärken ein Gefühl für die Macht des Einzelnen.

Die Idee für Carrotmob entstand, als die Frustration über die traditionellen aktivistischen Methoden wuchs. Ich war bis dato in diverse Proteste für oder gegen die unterschiedlichsten Dinge involviert gewesen, unter anderem beteiligte ich mich 2009 an den Aktionen gegen den Einmarsch der US-Regierung in den Irak. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass das klassische Demonstrieren keine zeitgemäße Protestform mehr ist. Jedes Problem ist einzigartig und bedarf einer individuellen Strategie. Manche Probleme kann man mit einem Carrotmob lösen, andere lassen sich am besten mit einer althergebrachten Demonstration angehen.

Heute spielt das Internet eine große Rolle beim Protestieren. Durch das Internet sinkt die Schwelle einzusteigen. Außerdem haben sehr viel mehr Menschen die Möglichkeit, in kürzerer Zeit und mit weniger Ressourcen eine Bewegung zu organisieren. Es liegt allein an uns, mit den Möglichkeiten, die uns die Technologie bietet, zu experimentieren und einen positiven sozialen Wandel anzustoßen.

Ein bisschen Spaß muss sein

Dabei spielt Spaß eine große Rolle. Wenn das Kämpfen für einen sozialen Wandel keinen Spaß macht, wäre es kein dauerhaft aufrechtzuerhaltender Teil im Leben der meisten Leute. Der Spaß ist eine starke Motivation und hat auch bei Carrotmob großen Stellenwert.

Carrotmob ist ein Netzwerk von ökologisch bewussten Konsumenten, die in der Masse durch strategischen Konsum die Unternehmenswelt nachhaltig zum Positiven verändern. Einzelhandelsgeschäften wird angeboten, umweltfreundliche Entscheidungen zu treffen und dabei Geld zu verdienen. Hinter Carrotmob steckt die Frage: Wer hat neben der Politik, genug Macht, um die Welt zu verändern? Die Antwort ist: die Wirtschaft. Dort tut sich nicht viel in Sachen Umwelt, das Einzige, was da interessiert, ist das Geldverdienen. Sie werden also alles für Geld tun!

Angefangen hat es mit einer Anzahl von kleinen Läden in Los Angeles. Ich ging zu den Inhabern und sagte ihnen, dass sehr viele Menschen bei ihnen einkaufen werden, wenn sie einen Teil ihres Umsatzes für Equipment ausgeben, das ihren Laden umweltfreundlicher macht. Der Laden, der mir den höchsten Prozentsatz anbot, es waren 22 Prozent, hatte “gewonnen”. Am 29. März 2008 stand den ganzen Tag eine Riesenschlange vor dem Geschäft und unzählige Menschen kauften Sachen des täglichen Bedarfs ein, die sie sowieso irgendwo eingekauft hätten. Die Umsätze des Ladens wurden an diesem Tag um mehr als das Dreifache gesteigert. Mit den 22 Prozent der Einnahmen wurden energiesparende Geräte für den Laden gekauft.

Gib dem Esel die Karotte

Es gibt ein Sprichwort, das besagt, es gibt nur zwei Arten, einen Esel zum Vorwärtsgehen zu bewegen. Entweder man bietet ihm eine leckere Karotte an oder man schlägt ihn mit einem Stock auf sein Hinterteil. Nun denke man sich ein Unternehmen als Esel. Herkömmlicher Konsumenten-Aktivismus benutzt eine Menge Stöcke – Protestaktionen, Klagen, Boykotte und so weiter. Carrotmob wählt lieber die Karotte, weil wir überzeugt sind, dass wir Unternehmen zu ökologisch sinnvollen Veränderungen motivieren können, indem wir ihnen im Gegenzug Profit anbieten. Es ein positives Modell, wo niemand ein Feind ist und jeder gewinnt.

Der Plan für die Zukunft ist ein globales Netzwerk, mit dem wir die Möglichkeit haben, auch große Unternehmen zu beeinflussen und nicht nur kleine Lebensmittelläden.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Christoph Bautz, Nasrin Bassiri, Andreas Popp.

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