Die Einstiegsdroge Cannabis ist ein Mythos. Rainer Schmidt

Bauanleitung für eine bessere Welt

Wir wollen Häuser bauen, die auf Nachhaltigkeit und Lebensqualität ausgerichtet sind. Wir wollen Häuser bauen, die klimaneutral und erschwinglich sind. Wir wollen, dass sie Stürmen widerstehen. Ein Plädoyer von Brad Pitt.

Hurrikan Katrina ist als größte Naturkatastrophe in der Geschichte der USA bezeichnet worden – doch diese Beschreibung ist falsch. Andere sagen, Sturmfluten seien nun einmal ein Bestandteil des Lebens in Küstengebieten. Doch auch das geht an der Realität vorbei. Katrina war eine vom Menschen gemachte Katastrophe.

In New Orleans haben Jahrzehnte der Vernachlässigung der Dämme und eine Politik, die bekannte Probleme totschwieg, unmittelbar zum Tod von 1.800 Menschen geführt. Die Gesamtzahl der Opfer ist schwer zu beziffern, liegt wahrscheinlich jedoch deutlich höher: Langfristige Gesundheitsprobleme, mentale Probleme und Selbstmorde haben mit dem Rückgang der Flut gebrochene und zerstörte Existenzen zurückgelassen und zahlreiche weitere Todesopfer gefordert.

Was als Trägheit der US-Regierung begann, ist inzwischen zu einem Mikrokosmos bekannter Probleme geworden: die Vernachlässigung einzelner Bevölkerungsgruppen, die verfehlte Gängelpolitik des amerikanischen Sozialstaats und die Privatisierung des Ölreichtums (wenn New Orleans auf faire Weise von den Ölvorräten aus dem Golf von Mexiko hätte profitieren können, wäre eine unabhängige Finanzierung flutsicherer Dämme kein Problem gewesen).

Make It Right

Man kann argumentieren, dass New Orleans zum Opfer von Naturgewalten geworden ist – durch den Klimawandel werden die Stürme in der Region zahlreicher und heftiger. Man kann argumentieren, dass New Orleans zum Opfer von Wirtschaftsinteressen geworden ist, die natürliche Pufferzonen der Wetlands trockenlegen wollten, um den Schiffsverkehr anzukurbeln. Man kann argumentieren, dass überholte Bauvorschriften den Profit der Investoren über die Sicherheit der Bewohner stellten und dass eine korrupte Politik die Interessen der Bevölkerung von New Orleans vernachlässigte. Wenn man diese Probleme zur richtigen Zeit erkannt hätte, wären wir heute in einer komplett anderen Situation.

Das ist der Gedanke hinter dem “Make It Right”-Projekt. Wir können den Bewohnern weder ihre Familienfotos noch ihre Angehörigen zurückgeben. Doch vielleicht können wir ihnen wieder ein Zuhause bieten: damit sie ihre Existenzen erneut aufbauen können. Vielleicht können wir die Tragik der Situation als Punkt des Aufbruchs nutzen.

Große Aufgaben

Das ist unsere Aufgabe: Wir wollen Häuser bauen, die auf Nachhaltigkeit und Lebensqualität ausgerichtet sind. Wir wollen Häuser bauen, die klimaneutral und erschwinglich sind. Wir wollen, dass sie künftigen Stürmen widerstehen können. Wir wollen architektonische Koryphäen einbinden, Innovationen fördern, Diskussionen anstoßen und ein Modell für zukünftige Projekte entwickeln. Wir wollen dabei immer auf die Bewohner vertrauen und den Stadtteil nach ihren Vorstellungen und basierend auf ihren Traditionen wieder aufbauen. Wir wollen ein Katalysator für Hoffnung und Veränderung sein; wir wollen Gerechtigkeit schaffen.

Dabei werden wir immer wieder auf Komplikationen stoßen: Unsere Intentionen werden falsch interpretiert werden, die Finanzierung wird kompliziert sein und die Gefahr der Überalterung des Stadtteils wird gelöst werden müssen – und das sind bei Weitem nicht alle Hürden. Unser Vorhaben mag manchen daher als unrealistisch erscheinen. Doch wer hätte ursprünglich daran geglaubt, dass sich ein ganzer Stadtteil wieder auf die eigenen Beine stellt und die Menschen nach Jahren der Odyssee in ihre Häuser zurückkehren? Das “Make It Right”-Projekt hat meine Erwartungen bereits heute übertroffen.

Dieser Kommentar ist ein exklusiver Auszug aus dem Buch “Architecture in Times of Need” von Kristin Feireiss (Verlag Prestel)

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Christine Eichel, GRAFT .

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