Alles doch keine Einzelfälle?

Boris Reitschuster10.01.2020Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Das Wort “Einzelfall” löst bei vielen Zuhörern, Zuschauern und Lesern in Deutschland fast schon eine allergische Reaktion aus: Allzu lange wurden bestimmte Gewalttaten als “Einzelfälle” abgetan – und alle, die andere Zusammenhänge auch nur laut auszusprechen wagten, in die rechte Ecke gestellt – und die ist in Deutschland im allgemeinen Sprachgebrauch heute mit rechtsradikal identisch.

Und jetzt das: Ausgerechnet der Deutschlandfunk Kultur, bekannt für seine stramme linke Haltung, brachte ein Stück, bei dem schon die Überschrift aufhorchen lässt: “Gruppenvergewaltigungen in Deutschland – Keine Einzelfälle”.

Ich traute meinen Augen nicht. “Und sie bewegen sich doch”, war meine erste Reaktion – in Richtung Realität. Vielleicht, so sagte ich mir, bin ich ja manchmal etwas zu streng, wenn ich gerade den öffentlich-rechtlichen vorwerfe, dass viele Kollegen dort mit ideologischen Scheuklappen ihr journalistisches Handwerk verrichten.

So machte ich mich frohen Mutes an die Lektüre des Stückes. “Zwischen 300 und 600 Gruppenvergewaltigungen gibt es jährlich in Deutschland. Täter legitimieren diese Gewalt vor sich selbst, und das reformierte Sexualstrafrecht hilft betroffenen Frauen weiterhin zu wenig”, steht im Einstieg. Das macht einen betroffen. Und neugierig auf mehr.

Und dann das. Ich wurde mit jedem Absatz ärgerlicher: Der Autor bringt tatsächlich das Kunststück fertig, nicht ein einziges mal über das zu sprechen, was eine große Zahl der Menschen hierzulande besonders bewegt: die Herkunft der Täter. Das Thema wird schlicht und einfach ausgeklammert. Kein einziges Wort dazu. So, als ob Gruppenvergewaltigung etwas sei, was es in Deutschland eben schon immer in so großer Zahl gegeben habe. Journalismus ist dazu da, das zu thematisieren, was die Menschen bewegt. Probleme aufzugreifen, den Finder in die Wunden zu legen, Heikles auszusprechen. Das, was wir bei vielen öffentlich-rechtlichen Sendern erleben, und wofür dieser Beitrag im Deutschlandradio Kultur geradezu beispielhaft steht, ist das Ausklammern von heiklen Fragen Das ist das Gegenteil von Journalismus. Es ist betreutes Informieren. Und das Gegenteil von dem, wofür die Gebühren einmal gedacht waren.

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