@Maskenverweigerer und Maskengegner | The European

Nach Stuttgart und Frankfurt: "Ich bin für nächtliche Ausgangssperren"

Boris Palmer26.07.2020Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

“Die Probleme nach Corona verlaufen nicht entlang der üblichen Kampflinien. Es wäre daher Zeit, dass zumindest die Vernünftigen sie verlassen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Ich neige übrigens zu der Auffassung, dass wir eine nächtliche Ausgangssperre brauchen. Wenn die Clubs zu sind, verkraften die Städte die Dauerparty auf Plätzen und Grünflächen nicht”, scheibt Boris Palmer auf Facebook.

Deutsche Flagge auf schwarzem Hintergrund, Shutterstock

Die Debatte über Masken im Regionalzug zeigt, dass es zwei ganz verschiedene Gruppen gibt, die es ablehnen, Masken zu tragen.

Die einen würde ich als Staatsverdrossene bezeichnen. Sie finden sowieso, dass unsere Politiker überbezahlte Trottel sind, entsprechend leicht fallen Sie auf Verschwörungstheorien herein (Der Staat wird von Bill Gates gekauft oder von der Masenindustrie, es geht darum, uns zu unterjochen etc). Mit Fakten haben sie es nicht so, zumindest wenn sie stören. Dass die vor allem die Länder ohne Maskenpflicht eine zweite Welle erleben, in den USA auch zwischen Staaten sichtbar, interessiert sie nicht. Sie erklären die Masken einfach für nutzlos. Diese Gruppe besteht überwiegend aus weißer Mittelschicht. People of Colour sind dort sehr selten. Entsprechend oft besteht eine Nähe zur AfD.

Die zweite sehe ich als Normverweigerer. Maske oder nicht Maske, das ist denen eigentlich scheiß egal. Aber die Regeln der Kartoffeln sind sowieso kacke, die Kartoffeln lassen uns eh nicht dazu gehören, in der Schule und im Beruf sind wir diskriminiert, warum also Maske, Alter? In dieser Gruppe sind junge Leute und People of Colour stark dominant. Weil das so ist, können sie sicher sein, vor Kritik und Bußgeldern weitgehend verschont zu bleiben, weil sie wissen, dass dann sofort die Rassismusdebatte beginnt („Stammbaumrecherche“).

Den Staatsverdrossenen sage ich: Masken sind einer der wenigen Schutzmaßnahmen vor einer Pandemie durch Viren in der Atemluft, die kaum Kosten verursachen. Sie sind nur lästig. Gerade weil ich generell sage, die Gegenmaßnahmen dürfen nicht mehr Schaden anrichten als die Krankheit, bin ich für die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen wie im Zug.

Den Normverweigerern sage ich: Es geht hier um die Gesundheit der Mitmenschen. Wer um einen Platz in unserer Gesellschaft kämpft und sich dabei ungerecht behandelt fühlt, sollte nicht die Gesundheit anderer riskieren, sondern einen besseren Platz suchen, um solche Konflikte auszutragen. Normen gelten für alle.

Und den Rassismus-Rufern sage ich: Es macht die Probleme immer nur schlimmer, wenn man die Phänomene nicht mehr sachlich korrekt beschreibt. Dann kann man nämlich den Ursachen nicht auf Spur kommen und folglich bleiben alle Gegenmaßnahmen bestenfalls erratisch oder haben hohe Streuverluste (Alkoholverbote für alle etc). Es ist nicht rassistisch, den Überhang weißer Männer bei Hygienedemos zu erkennen und ebensowenig ist es rassistisch, den Überhang von people of Colour bei Randalen in Stuttgart und Frankfurt und in vielen anderen Städten zu beschreiben, um die dahinter stehenden Konflikte in unserer Gesellschaft zu verstehen und aufzulösen. Das Ziel unterscheidet Analyse von Hetze.

Die Probleme nach Corona verlaufen nicht entlang der üblichen Kampflinien. Es wäre daher Zeit, dass zumindest die Vernünftigen sie verlassen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Ich neige übrigens zu der Auffassung, dass wir eine nächtliche Ausgangssperre brauchen. Wenn die Clubs zu sind, verkraften die Städte die Dauerparty auf Plätzen und Grünflächen nicht.

Quelle: Boris Palmer Facebook

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