Flüchtlinge nicht für alle Probleme verantwortlich | The European

Sind Flüchtlinge schuld am Mietenwahnsinn?

Boris Palmer4.05.2019Medien, Politik

Der Beitrag der Flüchtlingen zum Mietpreisproblem in den Städten in Deutschland liegt in der Größenordnung von 10%. Die Hauptfaktoren sind: Nullzinspolitik der EZB und daher Marktpreisinflation für Immobilien, Spekulation mit Baugrundstücken, die Binnenwanderung in die Schwarmstädte, Verkauf von öffentlichen Wohnungsbeständen und Verlust von 3/4 der Sozialwohnungen, schreibt Palmer auf Facebook.

a982067ae3.jpeg

Münzstapel mit Buchstabenwürfeln - Miete, Fotolia

Für die Rolle der EZB oder der Finanzinvestoren interessieren sich erstaunlicherweise einige Kommtentatoren sehr viel weniger als für die Schuld der Flüchtlinge.

Auch dazu kann man die Fakten sprechen lassen.

Baden-Württemberg hat heute knapp 600.000 Einwohner mehr als 2011. Flüchtlinge sind davon etwa 150.000. Die anderen Zuwanderer, also 450.000 oder rund 3/4 sind hierhergezogen, weil die Wirtschaft boomt und sie braucht. Viele davon aus Südeuropa, wo die Arbeitslosigkeit leider vor allem bei jungen Menschen hoch ist.

Flüchtlinge leben zu mehr als 80% in Unterkünften, die von den Gemeinden bereit gestellt werden. Dort stehen ihnen etwa 20m2 pro Person zur Verfügung. Das ist weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Wohnflächenbedarfs von 45m2.

Damit sind Flüchtlinge etwa für 1/8. (die Hälfte von 1/4) des zusätzlichen Wohnflächenbedarfs in diesem Jahrzehnt in Baden-Württemberg verantwortlich.

Auf dem freien Wohnungsmarkt sind sie aber kaum aufgetaucht. In Tübingen haben wir mit Hilfe eines speziellen Förderprogramms für rund 1000 Flüchtlinge neue Wohnungen gebaut. Diese Wohnungen gäbe es ohne die Unterbringungskrise 2015 gar nicht. Also hatte das auch keinen Einfluss auf die Mieten.

Ergebnis der Rechnung: Der Beitrag der Flüchtlingen zum Mietpreisproblem in den Städten in Deutschland liegt in der Größenordnung von 10%.

Die Hauptfaktoren sind: Nullzinspolitik der EZB und daher Marktpreisinflation für Immobilien, Spekulation mit Baugrundstücken, die Binnenwanderung in die Schwarmstädte, Verkauf von öffentlichen Wohnungsbeständen und Verlust von 3/4 der Sozialwohnungen.

Ich finde es falsch, die Probleme mit Flüchtlingen zu verharmlosen. Genau so falsch ist es aber, sie für alle Probleme verantwortlich zu machen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Große Kabinettsumbildung für die Ampel

Nancy Faeser könnte bald eine größere Kabinettsumbildung der Bundesregierung auslösen. Die Innenministerin strebt offenbar nach Hessen, um dort im kommenden Jahr neue Ministerpräsidentin zu werden. Für die unglückliche Verteidigungsministerin Lambrecht wäre dann eine bessere Verwendung greif

Steinkohlekraftwerke melden ein Plus von 32 Prozent

Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2022 voraussichtlich um 2,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Zu dieser Einschätzung kommt die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) auf Grundlage der aktuellen Daten zum Energieverbrauch der ersten neun Monate des laufenden

Die Bedeutung der Familie wird unterschätzt

Wem die Stärkung der Familie ein Anliegen ist, hat oft das Gefühl, einen aussichtslosen Kampf zu führen. Und tatsächlich dominieren Schlagzeilen, die den Eindruck vermitteln, die klassische Familie sei ein Auslaufmodell. Das wahre Stimmungsbild der Bevölkerung sieht hingegen ganz anders aus. Hi

Treten Sie zurück, Herr Infantino!

Der FIFA-Präsident verkörpert die zynische Geldgier und offene Korruption des Fußballverbands. Mit höhnischen Auftritten verschlimmert er den Skandal um die Katar-WM immer weiter. Es wird Zeit, dass die mächtigen Fußballverbände Europas endlich einen Neuanfang einfordern. Von Wolfram Weimer

Die Ukraine kämpft für unsere Werte – nur werden wir diesen auch gerecht?

Es ist immer wieder davon die Rede, die Ukraine kämpfe auch für unsere westlichen Freiheiten. Nur was meinen wir eigentlich, wenn wir von Freiheit sprechen? Von Florian Maiwald

Prominente Gäste feiern „SignsAward“-Jubiläum in BMW Welt  

Hohe Auszeichnung für Judith Gerlach, Victoire Tomegah Dogbé, Nicola Sturgeon, Fabian Hambüchen, Cassandra Steen, Max Mutzke und Lore Bert: Sie werden in der BMW Welt München mit dem „SignsAward“ ausgezeichnet.

Mobile Sliding Menu