Für die Menschen ist nicht die Oase das Problem, sondern die Wüste drumherum. Guido Westerwelle

Die Gewalt in der Kölner Silvesternacht war schlimmer

Je länger ich mir die Berichterstattung über Chemnitz anschaue, um so weniger verstehe ich sie. Selbstverständlich darf es nicht sein, dass Menschen gejagt werden und die Polizei die Kontrolle verliert. Aber wie es scheint, ist die Empörung über solche Kontrollverluste immer nur dann groß, wenn man sich als Gegner der jeweiligen Demonstranten sieht, schreibt Boris Palmer auf seiner Facebookseite.

Die Gewalt bei G20 in Hamburg war weitaus exzessiver und damals haben mir linke Freunde weismachen wollen, dass das nicht so schlimm ist wie die Gewalt, die von den G20 selbst ausgeht. Die Beweise für Gewalt und Ausländerjagd in Chemnitz sind eher dürftig, zahlenmäßig im einstelligen Bereich. Kein Vergleich insoweit mit G20 oder der ersten Kölner Silvesternacht. Nur die Demonstranten mit ihrem Naziauftreten sind für meinen Geschmack noch weitaus unappetitlicher. Aber kommt es auf meinen Geschmack an?

Wer sich wirklich die Frage stellt, was man gegen das immer weitere Erstarken der Rechten tun kann – siehe Italien – der muss sich wohl oder übel in jene 25% der Menschen hinein denken, die in Sachsen die AfD wählen wollen und jene vielleicht 15%, die das noch überlegen.

Soweit ich das sehen kann, denken diese Menschen in etwa so: "Das Problem war ein Mord. Im Vergleich damit sind Demos harmlos. Dass die Medien den Mord kaum beachten und sich fast nur noch auf den “rechten Mob” stützen, zeigt, dass die Medien nicht mehr objektiv sind. Wenn wir schon so viele Asylbewerber bei uns aufnehmen müssen, dann muss die Politik dafür sorgen, dass die nicht mit Messern bewaffnet jeden erdolchen können, der das Pech hat, an der falschen Stelle zur falschen zu Zeit sein. Wenn die Politik die Gewalt von Menschen, denen wir geholfen haben, nicht in den Griff bekommt, dann sollen diese Menschen wieder gehen. Sie sind sowieso eine Last, wenn sie eine Gefahr sind, ist einfach Schluss."

Das mag pro-europäischen Eliten, die in der Flüchtlingshilfe einen Ausweis der moralischen Läuterung Deutschlands sehen, so fremd sein wie ein Känguruh an der Nordsee, aber die Nase zu rümpfen über die Dummheit des Pöbels oder Mobs wird diesen nicht erreichen. Und wenn zu viele verloren gehen, gerät alles in Gefahr.

Ich plädiere dafür, sich mehr in die Denkwelt der Andersdenkenden hinein zu versetzen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ulla Jelpke, Katja Kipping, Katja Kipping.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Hamburg, Flüchtlinge, Boris-palmer

Debatte

CDU-Parteitag in Hamburg

Medium_c42ef40c7c

Wolfgang Schäuble - als Interims-Kanzler?

Angela Merkel, die diese Partei an den Rand des Abgrunds getrieben, die das Land und Europa gespalten und Deutschland auf den absteigenden Ast gesetzt hat, wurde wieder mit Standing Ovations gefeie... weiterlesen

Medium_fa65ceb9bf
von Vera Lengsfeld
07.12.2018

Debatte

Totales Staatsversagen beim Diesel

Medium_566042f9b2

Nicht nur der Diesel muss weg – sondern auch Sie als Fahrer

In immer mehr deutschen Großstädten werden die Dieselfahrverbote 2019 Realität werden. Stuttgart, Hamburg und Frankfurt sind schon sicher dabei und auch die anderen großen Städte ziehen nach. Warum... weiterlesen

Medium_44a3fafc5d
von Jörg Heynkes
28.10.2018

Debatte

Unternehmerinnen des Jahres

Medium_647d463510

Europäischer Wagemut ist ausgezeichnet

Ex-Vizekanzler und Außenminister Sigmar Gabriel hält beim Club europäischer Unternehmerinnen (CeU) in Hamburg einen leidenschaftlichen Appell für Europa. Viola Fuchs wird mit dem Unternehmerinnenpr... weiterlesen

Medium_8064503704
von Florian Spichalsky
24.10.2018
meistgelesen / meistkommentiert