Priorität Nummer 17

von Bjørn Lomborg23.09.2014Außenpolitik

Ist die globale Erwärmung das größte und drängendste Problem der Menschheit? Nein. Und diese falsche Behauptung wird auch nicht wahrer, wenn sie mantrahaft wiederholt wird.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ist “überzeugt davon
affects-all-solutions-new-york-summit, dass der Klimawandel unter allen Problemen der Welt das größte ist. Deshalb hat er für Dienstag die Staats- und Regierungschefs der Welt zum Gipfel geladen: „Um den Klimawandel für alle zur ersten Priorität zu machen.“

Ja, die globale Erwärmung ist ein echtes Problem. Aber es ergibt keinen Sinn, zu behaupten, sie sei das größte. Eigentlich weiß die UN das auch. Für ihr Forschungsprogramm „The World We Want“ hat sie vier Millionen Menschen aus allen Nationen befragt, was sie für am wichtigsten halten. Die Ergebnisse waren eindeutig: / Bessere Bildung und Gesundheit, weniger Korruption, mehr Jobs und bezahlbare Nahrung. Diese vier Millionen Menschen haben die Erderwärmung auf den letzten Platz verwiesen – Priorität Nummer 17.

Über politische Fehler hinweggetäuscht

Das ist keine Überraschung, wenn man sich kurz in die Lage der ärmsten Hälfte der Weltbevölkerung versetzt: Wenn Malaria und Unterernährung das Leben Ihrer Kinder bedrohten, hätte das für Sie Priorität, oder? Und selbst in wohlhabenden Regionen wie Europa, das weltweit die strikteste Klimapolitik macht, rangiert die Erderwärmung nur auf dem zehnten Platz. Die Menschen wissen, dass es dringendere Probleme gibt.

Trotzdem verharrt die Politik weiter im Katastrophen-Alarmismus, um ihre Behauptung zu stützen, der Klimawandel sei die „Mission unserer Generation“. Die Winter-Fluten in Großbritannien wurden zum „Weckruf des Klimawandels“ stilisiert , obwohl eine Studie nach der anderen zeigt, dass die zunehmende Überflutung vor allem an der zunehmenden Bebauung der Überflutungsgebiete liegt . Langfristig wird das Klima dazu auch seinen Beitrag leisten, aber derzeit wird mit dem Verweis darauf schlicht über politische Fehlentscheidungen hinweggetäuscht. Man hätte bessere Dämme bauen und Überflutungsflächen lassen müssen.

In seiner Analyse der Klima-Kommunikation kam das University College of London zu dem Schluss, dass Appelle an die Furcht oft ineffektiv sind und Menschen eher das Gefühl geben, manipuliert zu werden . Erinnern wir uns an 2007, als Al Gore uns in seiner Nobel-Rede erzählt hat, das Eis am Nordpol könne schon in sieben Jahren verschwunden sein . Also jetzt. Dabei zeigt das arktische Eis zwar definitiv einen langfristigen Rückgang, ist aber vom Tiefpunkt 2012 aus gesehen sogar um 47 Prozent gewachsen

Die gut meinenden Staatschefs des Westens

Ban Ki-moon erklärt, die „weitreichenden Risiken“ des Klimas würden uns auf eine „Katastrophe“ zusteuern lassen. Allerdings sagt selbst die UN-Klimakonferenz, dass die absoluten Kosten des Klimawandels bis 2070 weniger als zwei Prozent f des Buttoinlandsprodukts aller Länder ausmachen. Das ist ein Problem – aber nicht das Ende der Welt. Man sollte die zwei Prozent nämlich auch mit den 800 Prozent gewichten, um die die Welt 2070 laut UN reicher sein wird.

Schauen wir auf die wahren Herausforderungen, vor denen die Welt gerade steht. Noch immer leben 1,2 Milliarden Menschen in bitterer Armut. Sie brauchen ökonomisches Wachstum. In den letzten 30 Jahren hat China 680 Millionen Menschen aus der Armut gehoben t – die größte Reduktion aller Zeiten. Und das hat die Regierung mit dem Einsatz von viel billiger und schmutziger Kohle geschafft.

Dennoch werden die gut meinenden Staatschefs des Westens (darunter Obama, Hollande und Cameron, nicht Merkel ) in New York die Lobpreisung wiederholen, die seit zwei Jahrzehnten nicht funktioniert: Wir müssten auf erneuerbare Energien umstellen, um das Klima zu retten. Schauen wir, was dann passiert: Die Klimapolitik der EU kostet schon heute unbezahlbare 209 Milliarden Euro pro Jahr und wird gegen Ende des Jahrhunderts, nachdem mehr als 18 Trillionen Euro ausgegeben worden sind, den Temperaturanstieg um 0,05 Grad Celsius reduziert haben.

Es ist scheinheilig, auf Erneuerbare zu setzen. Laut Internationaler Energiebehörde schöpft Europa nur 12 Prozent aus erneuerbaren Energien und lediglich 1,5 Prozent aus Sonne und Wind. Afrika dagegen bezieht 50 Prozent aus Erneuerbaren, aber das auch nur, weil es arm ist – die Erneuerbaren sind dort vor allem Holz und das tötet jährlich 2 mehr als eine halbe Millionen Menschen durch Luftverschmutzung in Innenräumen. Zudem wird die Rodung der Wälder dadurch intensiviert.

Kein Unterschied für das Klima

Es ist also wenig überraschend, wenn die Afrikaner vorigen Monat in Washington gesagt haben, sie wollen mehr Kohle nutzen https://www.facebook.com/bjornlomborg/posts/10152702473118968. Sogar der klimaängstliche Präsident der Weltbank akzeptiert, dass „es noch kein Land gab, das sich mit diskontinuierlicher Energie entwickelt hat“.

Eine neue Studie des Center for Global Development zeigt, welche Kosten das Drängen auf Erneuerbare verursacht. Eine Investition von 10 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien kann in Afrika 20 Millionen Menschen aus Dunkelheit und Armut führen. Diese Summe in Gas investiert, würde das Gleiche für 90 Millionen leisten. Wer auf Erneuerbaren besteht, lässt also 70 Millionen Menschen zurück.

Das heißt nicht, dass wir uns nicht um den Klimawandel zu scheren brauchen. Doch so lange erneuerbare Energien vielfach teurer sind als fossile Brennstoffe, können entwickelte Länder zwar ein paar Hundert Milliarden ausgeben, um sich selbst tugendhaft zu fühlen – einen Unterschied für das Klima werden sie damit aber nicht machen. Aktuell zahlt die Welt mehr als 60 Milliarden Dollar pro Jahr für die Subvention von Erneuerbaren. Dabei liefern Sonne und Wind gerade mal 0,6 Prozent der weltweit verbrauchten Energie. Selbst in extrem optimistischen Szenarien schätzt die Internationale Energiebehörde für 2035 nur einen Anteil von 3,5 Prozent. Die Rechnung dafür wird etwa 100 Milliarden Dollar jährlich betragen.

Nicht oberste Priorität

Einige Aktivisten behaupten, Erneuerbare seien schon heute wettbewerbsfähig. Aber das ist Wunschdenken. Wenn sie es wären, müssten sie nicht so massiv subventioniert werden. Siehe Spanien: Mit gesenkten, aber immer noch substanziellen Subventionen für Windenergie hat Spanien es in diesem Jahr gerade mal geschafft, “eine Turbine aufzustellen .

Anstatt Milliardensummen für Subventionen zu verschwenden, sollten wir verstärkt in grüne Innovation investieren. Sobald der Preis von grüner Energie unter den fossiler Brennstoffe sinkt, wird _jeder_ umschwenken. Doch bis dahin hat es in einer Welt, in der jedes Jahr vier Millionen Menschen sterben, weil sie Holz und Dung in offenen Feuern verheizen müssen, in der Armut, Zugang zu sauberem Trinkwasser, ansteckende Krankheiten, Bildungsmangel und Unterernährung Milliarden Menschen betreffen, keinen Sinn, das Klima zu unserer obersten Priorität zu erklären.

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