Unsauber

von Bjørn Lomborg16.07.2014Wirtschaft, Wissenschaft

Wie kann man die größten globalen Umweltprobleme am besten bekämpfen? Mit fossilen Brennstoffen!

Was ist das größte globale Umweltproblem? Vermutlich werden Sie, wie die meisten, spontan sagen: die Erderwärmung. Immerhin macht das Thema den Löwenanteil der internationalen „Es geht alles den Bach runter“-Berichterstattung aus.

Doch die 2,9 Milliarden Menschen auf der Welt, die in Energiearmut leben – d.h. ohne konstante Energieversorgung sind –, sehen sich einem viel größeren Umweltproblem konfrontiert: der Luftverschmutzung in Innenräumen. Diese Menschen leben in extremer Armut und viele von ihnen kochen und heizen in ihren Häusern mit offenem Feuer oder in sehr schlecht isolierten Öfen. Dabei verbrennen sie gesundheitsschädliche Brennstoffe wie Holz, Dünger, Ernteabfall und Kohle.

“So sterben jährlich etwa 4,3 Millionen Menschen”:http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/, weil sie zu Hause verschmutzte Luft einatmen. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen davon aus, dass 50- bis 250-mal mehr Menschen durch Luftverschmutzung in Innenräumen sterben als durch die Auswirkungen der Erderwärmung. Davon geht auch der neue “Bericht des Weltklimarates der Vereinten Nationen”:https://ipcc-wg2.gov/AR5/images/uploads/IPCC_WG2AR5_SPM_Approved.pdf aus. Der Rat schlussfolgert, dass der Schaden des Klimawandels für die Gesundheit der Menschen weltweit relativ klein ist im Verhältnis zu den Beeinträchtigungen durch andere Faktoren.

Doch das Thema Luftverschmutzung macht kaum Schlagzeilen, der Klimawandel dagegen schon – Luftverschmutzung ist einfach nicht interessant genug. Und im Westen nehmen wir die zuverlässige Stromversorgung als einfach gegeben an. Dabei haben wir vergessen, dass es auch bei uns die Elektrifizierung war, die die Luft in unseren Innenräumen vom Dreck befreit hat. Dadurch wurden auch hier Millionen Leben gerettet. Aber wir beschäftigen uns mit dem Klimawandel.

Deshalb haben sich unsere Politiker weitgehend von der Idee verabschiedet, die Elektrifizierung in Asien und Afrika zu fördern, da dieser Prozess mit steigenden CO2-Emissionen einhergehen würde. Wir verlangen von Entwicklungsländern lieber, ihre Energiepolitik kompromisslos auf erneuerbare Energien auszurichten, anstatt 2,9 Milliarden Menschen dabei zu unterstützen, Zugang zu Elektrizität zu erhalten und so sowohl ihre Armut als auch den größten Killer zu bekämpfen: die Luftverschmutzung in Innenräumen. Zum Beispiel haben die Vereinigten Staaten entschieden, “den Bau von Kohlekraftwerken in Entwicklungsländern nicht länger zu unterstützen.”:http://www.usatoday.com/story/opinion/2014/02/08/bjorn-lomborg-africa-energy/5284631/

Dieses Verhalten der westlichen Ländern ist heuchlerisch: Die westliche Welt bezieht nur 0,8 Prozent ihrer gesamten Energieversorgung aus Wind- und Solarkraft. Und der Westen verbraucht auch noch viel mehr Energie als Entwicklungsländer. Beispielsweise beträgt die gesamte Kapazität zur Stromerzeugung in Subsahara-Afrika (ausgenommen Südafrika) lediglich 28 Gigawatt für 860 Millionen Menschen. Die Kapazität ist vergleichbar mit der von Arizona, wo nur 6,5 Millionen Menschen leben.

Das Center for Global Development hat diesbezüglich eine “interessante Analyse vorgelegt”:http://international.cgdev.org/publication/maximizing-access-energy-estimates-access-and-generation-overseas-private-investment. Würde die größte US-amerikanische Entwicklungshilfeinstitution, Overseas Private Investment Corporation (OPIC), die nächsten zehn Milliarden US-Dollar in gasbasierte Elektrizität investieren, würde das 90 Millionen Menschen aus der Armut helfen. Wird dagegen wie bisher weiter in Solartechnik, Windenergie oder andere saubere Energieformen investiert, helfen dieselben Milliarden Dollar nur 20 Millionen Menschen.

Schneller Elektrifizierung keine Steine in den Weg legen

Natürlich müssen wir immer noch – auf lange Sicht betrachtet – die globale Erderwärmung in den Griff bekommen. Aber das geht nur, wenn die reichen westlichen Länder ihre Investitionen in die Erforschung und Entwicklung von grünen Energietechnologien steigern. Nur so kann sichergestellt werden, dass saubere Energie letztendlich so billig wird, dass alle auf der Welt diese Technologie nutzen können. Bis es so weit ist, sollten die reichen Länder den armen Ländern bei der Nutzung von fossilen Brennstoffen als Energiequelle nicht im Weg stehen.

Bill Gates hat es auf seinem Blog “treffend beschrieben”:http://www.gatesnotes.com/Energy/Two-Videos-Illuminate-Energy-Poverty-Bjorn-Lomborg:

bq. Wir sollten den Kampf gegen den Klimawandel nicht auf dem Rücken der Armen austragen. Ärmere Länder sind – um nur ein Beispiel zu nennen – nur für einen Bruchteil der gesamten Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Sie brauchen dringend billige Energie, um ökonomisches Wachstum zu generieren und die Armut zu mindern. Diese Länder können sich saubere, aber sehr teure Energietechnologien nicht leisten. Wir können von den Entwicklungsländern nicht erwarten, dass sie mit ihrer Elektrifizierung und der damit verbundenen Armutsminderung solange warten, bis die sauberen Technologien billiger werden. Wir sollten Entwicklungsländer beim Streben nach schneller Elektrifizierung keine Steine in den Weg legen. Stattdessen sollten wir dramatisch mehr in Forschung und Entwicklung investieren, damit fossile Brennstoffe sauberer werden, während der Preis für bereits existierende saubere Energieträger unter den fossiler Brennstoffe fällt.

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