Zeit der Kannibalen

von Bjørn Lomborg5.06.2014Wissenschaft

Der Umweltschützer Paul Ehrlich prophezeit seit Jahrzehnten, die Nahrung werde knapp. Werden wir aus Not bald sogar Menschen essen?

Werden wir bald zu Kannibalen, weil die Nahrung aufgrund von Überbevölkerung knapp wird? Der Umweltschützer Paul Ehrlich “behauptet genau das”:http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2636845/Will-overpopulation-drive-CANNIBALISM-Controversial-academic-claims-humanity-moving-issue-ridiculous-speed.html. „Wir werden uns bald fragen, ob es ok ist, die Körper unserer Toten zu essen, denn wir werden alle verdammt hungrig sein.“ Sein Statement ist verstörend – und verdammt falsch.

Ehrlich lag eigentlich meistens daneben, schon seine ganze Karriere lang. Am berühmtesten ist wohl seine Vorhersage, Hunderte Millionen Menschen würden in den 1970er-Jahren an Hunger sterben – ironischerweise genau in der Zeit, als es Forschern dank der „grünen Revolution“ gelang, das Problem des Hungers langsam in den Griff zu bekommen.

Natürlich liegt Ehrlich falsch

Zum ersten „Tag der Erde“ im April 1970 prophezeite Ehrlich, die USA würden bis zum Jahr 2000 nahezu entvölkert sein. “Demnach”:http://search.opinionarchives.com/Summary/TP/V34I4P23-1.htm hätten nur 23 Millionen Amerikaner überleben können und zwar auf einer reduzierten Kalorienbasis von 2400 Kalorien pro Tag – weniger als der durchschnittliche Afrikaner heute zu sich nimmt. In Wirklichkeit leben heute mehr als 300 Millionen Menschen in den USA und konsumieren im Schnitt 3600 Kalorien am Tag.

Nun hat Ehrlich ein neues Buch herausgebracht, in dem er argumentiert, der Ressourcenmangel führe dazu, dass die Menschheit ihre Essgewohnheiten ebenso drastisch umstellen müsse wie die landwirtschaftliche Praxis. Besonders ins Auge springt seine Behauptung, dass sich die Menschheit „mit ungeheurer Geschwindigkeit in diese Richtung bewegt“.

Natürlich liegt Ehrlich falsch, wieder einmal. Die Grafik unten zeigt die Entwicklung der pro Tag und Person verfügbaren Kalorien seit dem Jahr 1961. “Die Daten stammen”:http://www.fao.org/docrep/016/ap106e/ap106e.pdf von den _wirklichen_ Experten der UN. Ihre Botschaft ist eindeutig: Das Essen geht uns nicht aus.

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Szenarien von der Apokalypse

Trotzdem gibt es Arbeit für uns. Wir müssen global gesehen noch immer 850 Millionen Menschen vor dem Hungern bewahren. Doch der Grund dafür ist kein Mangel an Essen, diese Menschen sind einfach zu arm, um sich genug Nahrung zu kaufen.

Der Schlüssel zur Überwindung des Hungers ist deshalb der Kampf gegen die Armut, die ihn verursacht. Menschen aus der Armut zu befreien, erfordert mehr Freihandel, mehr Technologie und mehr Zugang zu günstiger Energie – dummerweise alles Dinge, die Ehrlich fälschlicherweise als egal oder schädlich betrachtet.

Anstatt vage, apokalyptische Szenarien zu verkünden, sollten wir günstige Nahrung denen zugänglich machen, die sie brauchen. Für den Kopenhagener Konsensus haben einige der weltbesten Ökonomen ermittelt, “dass landwirtschaftliche Forschung und Entwicklung eine der intelligentesten Lösungen ist, um Geld auszugeben und Gutes in der Welt zu tun”:http://www.copenhagenconsensus.com/publication/hunger-and-malnutrition.

Hungerkatastrophen unwahrscheinlicher machen

Würden jährlich acht Milliarden mehr in Forschung und Entwicklung investiert, stiegen die Gewinne und fielen die Preise. Das wiederum würde es einer riesigen Menge von Menschen erlauben, weniger ihrer begrenzten Ressourcen für Nahrung zu verwenden. Von jedem Dollar, der in landwirtschaftliche Forschung und Entwicklung ginge, würden wir einen direkten Benefit von mindestens 18 Dollar sehen. Indem wir Pflanzensorten entwickeln, die robuster und hitzebeständiger sind, können wir Hungerkatastrophen unwahrscheinlicher machen.

Eine Grüne Revolution 2.0 könnte dazu führen, dass schon Mitte des Jahrhunderts 200 Millionen Menschen weniger Hunger leiden müssen. Und zwar, ohne irgendeinen Gedanken an Ehrlichs kannibalische Fantasien verschwenden zu müssten.

_Übersetzung aus dem Englischen._

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