Klima-Killer

von Bjørn Lomborg23.04.2014Wissenschaft

Die bisherige Klimapolitik richtet selbst mehr Schaden an als der Klimawandel. Und die größte Gefahr geht nicht von der Erwärmung aus – der Tod liegt in der Luft.

Der finale Bericht des UN-Klimarats ist erschienen und er verrät uns, was die Umsetzung des Zwei-Grad-Ziels kosten wird: bis zu vier Prozent des weltweiten BIPs im Jahr 2030, sechs im Jahr 2050 und elf im Jahr 2100.

Dabei gelten diese Angaben laut Rat nur, wenn „alle Länder der Welt augenblicklich mit einer Reduzierung des CO2-Austoßes beginnen, es weltweit nur noch einen einheitlichen Kohlenstoff-Preis gibt und alle Schlüsseltechnologien verfügbar sind“. Sogar diese exorbitant hohen Kosten, die bei sofortigem Handeln entstünden, beruhen also auf einem Best-Case-Szenario. Jede weitere Verzögerung würde demnach zu einer regelrechten Kostenexplosion führen.

Wenn wir einfach gar nichts tun, wird der Klimawandel bis zum Jahr 2070 weniger als zwei Prozent des BIPs betragen. Im gleichen Zeitraum liegen die Kosten des Handelns bei etwas über sechs Prozent. Mit der herkömmlichen Klimapolitik richten wir also mehr Schaden an als der Klimawandel selbst!

Das größte Problem ist die Luftverschmutzung

Offensichtlich brauchen wir dringend klügere Politik. Eine, die im Kampf gegen den Klimawandel nicht länger ineffiziente grüne Technologien subventioniert, sondern klare Prioritäten setzt und sich auf das größte Umweltproblem konzentriert. Wir müssen Erneuerbare Energien entwickeln, die es mit den fossilen Trägern aufnehmen können.

Unser größtes globales Umweltproblem ist nämlich nicht die Erderwärmung – auch wenn die mediale Aufmerksamkeit und Berichterstattung einen das glauben lassen könnte. Das größte Problem ist die Luftverschmutzung – und zwar daheim. Denn ein Drittel der Weltbevölkerung (also rund 2,9 Milliarden Menschen) “kochen und heizen mit Holz und Dung und setzen sich dadurch giftigen Gasen aus”:http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass 4,3 Millionen Menschen 2012 durch diese Art der Luftverschmutzung starben. Innenraumluftverunreinigung führt zu Herzinfarkten, Krebs und Herzfehlern. Besonders Frauen und Kinder sind davon betroffen. Nimmt man auch noch die atmosphärische Verschmutzung hinzu, “so stirbt weltweit einer von acht Menschen durch Schmutz in der Luft”:http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2014/air-pollution/en/.

Der neue Report schlussfolgert, dass die reale gesundheitliche Belastung durch den Klimawandel im Vergleich zur Belastung durch andere Stressfaktoren relativ gering ist. Die Erderwärmung ist zwar ein ernst zu nehmendes und reales Problem, doch seine Bedrohung ist für die Menschen nicht unmittelbar. Untersuchungen der WHO und anderer Organisationen zeigen, “dass zwischen 40 und 200 Mal so viele Menschen den Auswirkungen der Luftverschmutzung zum Opfer fallen”:http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs266/en/.

Neue Generation grüner Energie

Begrenzte Ressourcen bedeuten, dass Prioritäten gesetzt werden müssen. Menschen in ärmeren Ländern wollen zuallererst, dass ihre Kinder nicht mehr unter Mangelernährung oder vermeidbaren Krankheiten leiden. Erst dann fangen sie an, sich Sorgen um die Umwelt zu machen. Steigt dann der nationale Wohlstand, gerät zunächst die unmittelbare Bedrohung durch Luftverschmutzung auf die Agenda. Reiche Entwicklungsländer wie Chile und Mexiko haben bereits Maßnahmen eingeleitet, ihr entgegenzuwirken.

Ineffiziente und teure erneuerbare Energien sind dabei kein gutes Hilfsmittel. Trotz 60 Milliarden Dollar Subventionen bezieht die Welt weniger als ein Prozent ihrer Energie aus Wind und Solarkraft. Experten schätzen, dass der Anteil auch im besten Fall nicht auf mehr als 3,5 Prozent ansteigen wird. Kurzfristig sollten sich unsere Bemühungen daher auf erprobte, effektive Interventionen konzentrieren. In nur drei Jahrzehnten hat China es geschafft, 680 Millionen Menschen aus der Armut zu führen – mehr als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Dies gelang ihnen nicht etwa durch die Bereitstellung von Solaranlagen, Windturbinen oder LED-Lichtern, sondern durch den massenhaften Zugang zu moderner Energie, die zumeist aus billiger aber schmutziger Kohle stammte.

Langfristig müssen wir also günstigere und effizientere erneuerbare Energien entwickeln. Um eine neue Generation grüner Energie auf den Weg zu bringen, muss viel stärker in die Forschung investiert werden. Wenn grüne Technologien erst einmal günstiger sind als Energie aus fossilen Brennstoffen, wird jeder von selbst wechseln.

Solch ein dualer Ansatz verursacht geringe Kosten bei großem Nutzen. Ein dramatisch gesunkener CO2-Ausstoß wäre die Folge, während gleichzeitig Milliarden von Menschen, die heute in Armut leben, Zugang zu Energie bekämen – die für ihre Zukunft so ungeheuer wichtig ist.

_Übersetzung aus dem Englischen von Sara Steinert._

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