Das Satteln falscher Pferde

von Bjørn Lomborg7.11.2013Wirtschaft

Die EU glaubt weiter fest daran, die CO2-Emissionen durch Erneuerbare Energien reduzieren zu können. Wieder soll in Warschau ein Abkommen beschlossen werden. Dabei ist dieser Ansatz längst überholt.

Optimismus gehört inzwischen zur Folkore jeder Weltklimakonferenz. Kaum verwunderlich also, dass kurz vor dem “Treffen in Warschau”:http://unfccc.int/meetings/warsaw_nov_2013/meeting/7649.php der polnische Umweltminister verlauten ließ: „Es gibt einen Willen und es gibt einen Weg.“ Obwohl die Chancen für ein Übereinkommen ähnlich dem gescheiterten Kyoto-Protokoll schlecht stehen.

Dabei gibt es noch eine weitere Option, die aber nicht auf der Agenda steht: statt mehr und mehr Geld in ineffiziente Erneuerbare Energien zu stecken, könnten wir die Erforschung und Entwicklung von neuen Energiequellen fördern. Das wäre deutlich günstiger. Weltweit werden bereits heute etwa eine Milliarde Dollar am Tag für Erneuerbare ausgegeben – “359 Milliarden 2013”:http://climatepolicyinitiative.org/publication/global-landscape-of-climate-finance-2013/. Dabei wären schon 100 Milliarden Dollar, die jährlich in Forschung und Entwicklung investiert würden, hundertmal effektiver. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls ein Panel von Ökonomen beim “Copenhagen Consensus on Climate Study”:http://fixtheclimate.com/component-1/the-result-prioritization/, darunter drei Nobelpreisträger. Das globale Budget für Forschung und Entwicklung würde auf einen Schlag verzehnfacht, bei Kosten von nur rund 0,2 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.

Nur die EU klammert sich noch an Kyoto

Leider wird es dazu nicht kommen. Zumindest nicht solange, wie bei all den Klimatreffen weiter darauf gehofft wird, eine global bindende Einigung zur Reduktion der CO2-Emissionen zu erreichen. Denn darin bestand die Quintessenz von dem 1997 verabschiedeten Kyoto-Protokoll. Nur hat die nie wirklich eine Rolle gespielt. Denn die großen CO2-Produzenten hatten ohnehin keine Grenzen (China und Indien), stiegen frühzeitig aus (USA) oder hielten ihre Versprechen nicht ein (Kanada). Kyoto war schon eine Totgeburt, als Bill Clinton 1997 noch verkündete, die USA hätten eine „historische Vereinbarung“ getroffen und würden zusammen mit den anderen Nationen der Welt den Klimawandel auf „nie dagewesene Art“ bekämpfen. Der US-Senat hatte den Vertrag da längst mit 95 zu null Stimmen abgelehnt.

Der Wille ist seither nicht stärker geworden. Nach dem Treffen in Durban 2012 und der Ankündigung einer bindenden Einigung, verkündete Indiens Umweltministerin Shrimati Jayanthi Natarajan prompt: „Indien kann zu diesem Zeitpunkt seiner wirtschaftlichen Entwicklung einer solchen Einigung nicht zustimmen.“ Am Tag nach der Konferenz stieg Kanada aus Kyoto aus, dessen Verlängerung Russland und Japan zuvor schon abgelehnt hatten. Und selbst wenn Kyoto vollständig umgesetzt werden würde: zum Ende des Jahrhunderts wäre die Temperatur auch dann nur um 0,004 Grad Celsius reduziert, bei Kosten von jährlich 200 Milliarden Dollar.

Nur noch die EU und einige wenige andere klammern sich an diese gigantischen Ausgaben und den mickrigen Erfolg, den sie versprechen. Die EU hat sich verpflichtet, ihre Kohlenstoffemission bis 2020 um 20 Prozent unter den Stand von 1990 zu drücken. Nimmt man den “Durchschnitt aus all den energie-ökonomischen Modellen”:http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301421512005253, kostet das rund 250 Milliarden Dollar pro Jahr. Am Ende des Jahrhunderts (und Kosten von mehr als 20 Billionen Dollar) wäre die Temperatur um etwa 0,05 Grad reduziert.

Natürlich wird es nach Warschau wieder große Schlagzeilen über Gelöbnisse, Versprechen und Ziele geben. Doch erinnern wir uns an vergangene Durchbrüche: In Kopenhagen 2009 versprach Japan, seine Emissionen bis 2020 um 25 Prozent zu kappen. Das war unhaltbar und jetzt brechen sie ihr Wort. Kurz zuvor hatte auch China dramatische Reduktionen versprochen. Über die nächsten zehn Jahre sollten pro erwirtschaftetem Dollar 40-45 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden als Stand 2005. Doch was heroisch klang, war ohnehin nur die Reduktion, die durch die voranschreitende Modernisierung in Chinas Wirtschaft erzielt werden konnte.

Wir sollten bei all dem bedenken, “dass die Menschheit in ihrer Geschichte stets versucht hat”:http://www.project-syndicate.org/commentary/the-falling-share-of-renewables-in-global-energy-production-by-bj-rn-lomborg, von den Erneuerbaren weg zu kommen. Um 1800 herum erzeugte die Welt 94 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen, vor allem Holz und Wind. Heute sind es nur 13 Prozent. Und darin enthalten ist auch die Energie, die arme Leute erzeugen, indem sie Holz oder Abfälle verbrennen: Afrika bezieht fast 50 Prozent seiner Energie aus solchen Ressourcen. Chinas Anteil sank dagegen von 40 Prozent 1971 auf elf Prozent heute – und es prosperiert.

Sehen wir uns nach alternativen Ansätzen um

Indessen installieren reiche Länder Windräder und Solarpanels, die zwar weniger CO2 emittieren, aber immer noch teuer sind und nur periodisch Energie liefern. Spanien gibt fast ein Prozent seines Bruttoinlandprodukts für Erneuerbare aus – mehr als für die Hochschulbildung seiner Bevölkerung. Das ist nicht nachhaltig und etwas, was viele Länder nicht übernehmen wollen. Wie können wir da auf einen Vertrag in Warschau hoffen, der die Menschen zu noch drastischeren und kostspieligeren, dabei aber weniger verlässlichen Energiequellen zwingt?

Trotz all der Treffen und all den Milliarden Dollars, die in Fördermittel für ineffiziente grüne Energiequellen investiert wurden, ist die CO2-Emission seit 1990 um 57 Prozent angestiegen. Sehen wir uns nach alternativen Ansätzen um, statt das falsche Pferd wieder und wieder zu satteln! Die schlauste langfristige Lösung ist, uns auf die Innovation grüner Energie zu fokussieren.

Wenn grüne Technologie günstiger als fossile Brennstoffe wird, werden alle wechseln wollen – nicht nur eine kleine Anzahl gut meinender und wohlhabender Westler. Und wir könnten uns weitere Klimagipfel sparen, bei denen ohnehin nichts Brauchbares zustande kommt.

_Übersetzung aus dem Englischen._

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