Die Menschen müssen wissen, dass, wenn sie kein neoliberales Europa wollen, sie ein neues erschaffen können. Chantal Mouffe

Acht Veränderungen für das mobile Internet

Neue Technologien, der Kampf gegen Datenengpässe, der Minimalismus beim Endgerät, das Handy als Zahlungsmittel und vieles mehr. Ein Bericht vom Mobile World Congress.

Der Mobile World Congress hat mir die Umwälzungen in der Mobilfunkbranche deutlich aufgezeigt. Google kündigte die Devise “Mobile First” an, Nokia und Intel schmieden eine Software-Allianz, Skype kooperiert mit Verizon, Smartphones mit Touch-Bildschirmen standen im Fokus und die Netzbetreiber fürchten, zu einer dummen Datenleitung abgestempelt zu werden. Große Veränderungen erwarte ich bei den Basistechnologien.

Der App-Hype ist bald vorbei

Android, Phone 7, Symbian, iPhone OS, RIM und MeeGo werden den Markt der Betriebssysteme unter sich aufteilen, und der App-Hype ist bald vorbei. Das Blatt wird sich in Richtung browserbasierter Anwendungen wenden. Android unterstützt Flash 10.1, ein mobiles Adobe Air kommt und Opera oder Firefox ermöglichen mobile Anwendungen mit HTML 5/CSS. Zudem warten Datenengpässe auf uns, denn Smartphone-Verkäufe wachsen 30 Prozent je Quartal mit einem 16-prozentigen Weltmarktanteil. Gartner sagt voraus, dass es 2013 mit 1,82 Mrd. mehr Smartphones geben wird als PCs. Die Internetnutzung auf diesen Geräten ist fünfmal höher als bei anderen. So ergibt sich ein Datenvolumen, das nur über Netztechnologien wie 4G bzw. LTE und große Infrastrukturinvestitionen abgefedert werden kann. Es wird sich zeigen, ob Netzbetreiber oder die Softwaregiganten diese Investitionen vornehmen und neue Geschäftsmodelle finden. Erste Experimente von Google mit einem 1-Gigabit-Breitbandinternet laufen.

Endlich World Wide

Im Gegensatz dazu werden einfache Endgeräte mit günstigen Tarifen, Inkassofunktionen und rudimentärem Web-Zugang in China, Indien oder Afrika die Landbevölkerung erreichen. Airtel in Indien kooperiert hierzu gar mit einem Düngemittelhersteller. Eine bessere Vernetzung und der Zugang zu Nachrichten wird bei weniger gebildeten Bevölkerungsschichten einen Informationssprung auslösen und Chancen, aber auch die Gefahr von Unruhen mit sich bringen. Für diese Zielgruppe erscheint die neue Minimalvariante “Zero” von Facebook sehr clever. Wo liegen aber die Möglichkeiten für Netzbetreiber? Sicherlich in den Kundendaten und den Abrechnungsbeziehungen. Denn in den nächsten Jahren werden wir mit dem Handy über RFID-Chips, Paypal oder SMS unsere Einkäufe bezahlen. Die Beträge werden einfach über die Handyrechnung abgebucht, wie man es bereits zum Beispiel in Südkorea beobachten kann. Ein weiterer Trend sind meiner Meinung nach browserbasierte Spiele mit Tausenden von Mitspielern, die derzeit das Internet erobern und sich auch mobil ausbreiten werden – vor allem bei Teenagern.

Die höchsten Nutzungsraten zeigen aber soziale Netzwerke, und auch die “Non-Digital-Natives” werden das Bedürfnis entwickeln, ständig Neuigkeiten von Bekannten zu erfahren. Der Anstieg der Kommunikationsintervalle wird dabei nicht nur die “Timelines” treffen, sondern auch Sprachanrufe, Chats, E-Mail oder SMS. Eric Schmidt zeigte eine Vision, bei der Google gar Sprache erkennt und mobile Dialoge in Echtzeit übersetzt. Die Kommunikation wird sich auf Web-Standards verlagern und verstärkt Videos enthalten.

Verizon versucht diesen Trend zu unterbinden, indem mit Skype eine Software vorgestellt wurde, die nur über das Verizon-Netz und nicht per VoIP via WiFi funktioniert. Andere Netzbetreiber verbieten Skype ganz oder kassieren Zusatzgebühren. Spannend wird es auch in Bezug auf das kostenlose Navigieren mit dem Handy, was bald Alltag sein wird. Viele Apps werden eine digitale Abbildung unserer Umgebung nutzen. Diese “augmented reality” wird uns in 3D zeigen, wo wir sind, was uns umgibt, wo es etwas gibt oder ob Freunde in der Nähe sind.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dominique Guinard, Robert Tolksdorf, Pippin Wigglesworth.

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Kolumne

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von Gunnar Sohn
13.02.2012
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