Früher retteten die Grünen Frösche, heute eben den Kanzler. Harald Schmidt

Ein Leben ohne Google ist derzeit undenkbar

Nicht nur Social Media, auch Google wird immer unentbehrlicher. Wie das Unternehmen aus Mountain View sich selbst unersetzbar machte und dabei alte Strukturen aufgebrochen hat.

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Wer die Medienkongresse im letzten Jahr besuchte, merkte deutlich, dass der Medienindustrie die Angst im Nacken sitzt. Bezeichnend war eine Podiumsdiskussion im Rahmen der IFA, an der Medienvertreter von UFA, Fox, Universal, RBB, MTV, Axel Springer und Herr Dr. Tweraser von Google Deutschland teilnahmen: Auf die für Deutschland typisch neidvolle und überkritische Art und Weise wurde versucht, Google als monopolistischen Bösewicht hinzustellen, der es sich erlaubte, Internetinhalte und sogar Bücher auffindbar zu machen und mit eigener Preisgestaltung durch Google Adwords schamlos zu Geld zu machen. Herr Dr. Tweraser hatte größte Mühe, den anwesenden “Großeltern der zukünftigen Digital Natives” den Gebotsmechanismus hinter Adwords oder die Gegenfinanzierungsmöglichkeiten durch kontextsensitive Werbung über Adsense sowie die Kooperationsbereitschaft von Google oder Youtube hinsichtlich Copyrights zu erläutern.

In eine ähnliche Richtung ging die Äußerung von Rupert Murdoch, mit der er “drohte”, seine Webseiten von der Google-Indexierung auszuschließen. Dies entfachte eine Experten-Diskussion im Web, die der News Corp bei solch einem Schritt große Geschäftseinbußen prognostizierte. Klagen die Medienunternehmen also nun zu Recht erneut einen weltweiten Quasimonopolisten an, wie sie es früher bereits mit IBM, Intel und Microsoft getan haben? Oder versucht die Panikmache, lediglich von den eigenen Versäumnissen abzulenken?

Google ist nicht an bestimmte Hardware gebunden und kostenlos

Bei dem Vergleich mit der damaligen Wintel-Allianz wird ein wesentlicher Unterschied zum heutigen Quasimonopol von Google deutlich: Sämtliche Softwareprodukte von Google sind mit Ausnahme von Android nicht an bestimmte Hardware oder Browser gekoppelt. Die Wechselkosten sind sehr niedrig, betragen nur wenige Mausklicks, und es gibt Alternativangebote. Der zweite große Unterschied: Die Produkte von Google sind kostenlos!

Wie hat Google es also geschafft, so mächtig zu werden? Es war die Einfachheit dieser einen schlichten Suchzeile, die damals immer mehr Menschen gegenüber den komplexen Suchkategorien von Yahoo begeisterte. Zudem war Google nicht nur der innovativste Vorreiter im Suchmarkt, sondern bot lange Zeit auch die beste Qualität mit den relevantesten Suchergebnissen auf Basis der dahinterliegenden sehr komplexen Suchtechnologie. Ein professioneller Internetanwender nutzt heutzutage teilweise bis zu 14 verschiedene Softwareprodukte und hat in der Browserchronik der letzten fünf Monate über 4.000 Google-Einträge! Die Produkte von Google werden genutzt, weil diese derzeit einfacher zu bedienen sind als andere und schnellere Ergebnisse liefern.

Medienunternehmen bleibt derzeit nichts anderes übrig, als zu reagieren

Die Internetanwender werden durch Google aber auch immer effizienter. Dies ist im Zeitalter der “digitalen Überlast” viel wert. Zu Beginn war es von den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page noch eine waghalsige Vision, mit kostenloser Suche und der Einblendung relevanter Textanzeigen Geld zu verdienen. Heute ist Google ein milliardenschweres Unternehmen. Tendenz steigend. Es ist schwer vorzustellen, dass Medienunternehmen die Innovationskraft und Schnelligkeit für derartige Visionen besitzen, und so bleibt ihnen derzeit nichts anderes übrig, als zu reagieren. Der Wermutstropfen ist, dass auch Google zunehmend zu einem behäbigen Tanker wird und die schnellen Speed-Boote der Zukunft schon lauern. Denn die Anzahl der Internetseiten wächst bereits heute schneller, als die Roboter von Google diese effizient indexieren können. Es gibt also viel Raum für Innovationen und Wettbewerb.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Marie Gamillscheg, Paulus Terwitte, Markus Albers.

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