Das Comeback der Goldenen Zeiten

Birgit von Heintze17.07.2010Gesellschaft & Kultur

In den 70er und 80er Jahren stand die Farbe Gold für einen bestimmten sozialen Status. Wer einen goldfarbenen Mercedes fuhr, goldene Wasserhähne sein Eigen nannte und die Gattin mit gold geknöpften Escada-Kostümen ausstattete, der glaubte, es geschafft zu haben. Gold als Attribut der Neureichen. Nun erlebt die bis dato allgemein als Geschmacksverirrung geltende Farbe ein Revival auf hohem Niveau.

Schon als kleines Mädchen hat mich die Farbe Gold fasziniert. Meine Barbiepuppe hatte ein Traumkleid aus goldenem Chiffon, dazu die passenden Schuhe und das güldene Täschchen. Und waren nicht auch die Haare Gold? Den Höhepunkt des Tages bildeten die Besuche bei meiner damaligen besten Freundin, von meiner Mutter liebevoll Goldie genannt. Denn in Goldies Haus hatten die Acryl-Beistelltische goldene Beine, die Türgriffe waren von der gleichen Farbe und selbstverständlich waren auch die Wasserhähne goldfarben. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, kommentierte meine Mutter lapidar meine Bewunderung für die Wohnkultur der Nachbarschaft. Und das Thema verabschiedete sich für lange Zeit in die Kiste “Gelsenkirchener Barock und andere Scheußlichkeiten“. Nun erlebt die Farbe ein glänzendes Comeback. Ob in der Mode oder im Wohnbereich: Gold ist schwer angesagt. “Das habe ich schon vor ein paar Jahren gewusst“, sagt Amir Kassaei, Kreativchef des weltweit zweitgrößten Agenturnetzwerkes DDB (Doyle, Dane, Bernbach). Stolz zeigt der ideenreiche Werber die nach seinen Plänen entworfene zweigeschossige Dachwohnung in Berlins hippem Prenzlauerberg.

Auf den Ton kommt’s an

Gleich im Eingangsbereich fällt der Blick des Besuchers auf eine in Schwarz-Gold-Muster tapezierten Fläche – eine Spezialanfertigung einer Bremer Manufaktur. Sie bildet den Rahmen der maßgefertigten Küche, die, wie alles in dieser Designoase, keine Ecken und Kanten hat, sondern weiche Rundungen. Und überdies ein wahres Goldstück ist. Wie kommt einer, der ansonsten eher kühle Sachlichkeit bevorzugt und zudem ein Mann ist, auf den Gedanken, eine goldfarbene Küche zu installieren? “Von der Ebene des Ess- und Kochbereichs habe ich einen Rundumblick über Berlin“, erklärt der 39-jährige Familienvater. “Bei diesem Luxusblick braucht’s eine starke, eine besondere Farbe. Und Gold ist die Farbe im Interior-Bereich.“ Aber auf den Ton kommt’s an. Amir Kassaei wusste, es kann nur einen geben, nämlich den Goldton des legendären Daimler Benz Modells/8 (Strich-Acht) aus den 70er Jahren. Kassaei, einer der erfolgreichsten Werber Europas und begeisterter Mercedes-Fan spürte einen mittlerweile pensionierten Lackmeister auf, der ihm die Farbe “Byzanzgold“ Metallic anrührte. Ein matter, bräunlicher und damit warmer Farbton, der in einer derart großen Menge geliefert wurde, dass noch circa 40 Meter der gold besprühten Aluminiumplatten auf Halde stehen. Als Reserve, man weiß ja nie.

Gold soll den Reichtum im Haus bewahren und mehren

Gold hielt auch jüngst Einzug in die schöne Villa von Berlins bekanntestem Frisör. Im vornehmen Westend der Hauptstadt leben Udo Walz und Ehegatte Carsten Thamm mit ihren Hunden – und einer beachtlichen Sammlung von Spiegeln, darunter der Neuerwerb: ein indisch inspirierter Spiegel aus meinem Showroom. Selbstverständlich finden hier nur goldene Spiegel einen Platz. Als Reminiszenz an die einstigen Goldenen Zeiten der Stadt, frage ich den Star-Coiffeur. Walz: “Ich glaube an Feng Shui – der Lehre von der Harmonisierung des Menschen und seiner Umgebung. Und in fernöstlichen Haushalten gibt es immer eine mit goldenen Accessoires ausgestattete Ecke. Die Farbe soll den Reichtum im Haus bewahren und mehren.“ Darauf hofft vielleicht auch Deutschlands größte Airline. Bei der Gestaltung des neuen Airbusses A380 setzt Lufthansa auf den neuen Interior-Trend und verwöhnt den First-Class-Reisenden in einem matten Goldambiente. Die gebürsteten Metalloberflächen, die feine Lederverkleidung der Wände und der durchgestylten Sessel – über allem liegt ein güldener Schimmer. Sehr edel, sehr goldig. Einfach zum Abheben.

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