Schluss mit „Tittenbonus“

von Birgit Kelle2.10.2013Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Frauenquoten und Frauenförderung so weit das Auge reicht – den MĂ€nnern reicht es allmĂ€hlich mit der Gleichberechtigung. Unverbesserliche Machos, oder endlich mal ein ehrliches Wort?

Es ist ja schön, dass wir es endlich auch mal schwarz auf weiß haben, aber um es mal vorwegzunehmen: Keine Frau, die halbwegs bei Verstand ist, hĂ€tte diese Erhebung des Institutes Allensbach im Auftrag der „Bild der Frau“ gebraucht, die uns nun mit dem bahnbrechenden Ergebnis konfrontiert, dass die Mehrheit der MĂ€nner der Meinung ist, es sei genug getan fĂŒr die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Wer mit offenen Ohren und nicht nur mit feministischen Scheuklappen mit MĂ€nnern redet, hĂ€tte das schon lange wissen können. Wer aber stĂ€ndig aufschreit, kann so schlecht zuhören 


Da ist dies Grummeln, die blöden SprĂŒche, der Tittenbonus-Effekt. Wenn MĂ€nner unter sich reden, oder auch mal öffentlich aufbrausen, wie die Ingenieure bei Daimler Benz in ihrem Firmennetzwerk oder der Piraten-Mann Gerwald Claus-Brunner, dem wir dieses Wort „Tittenbonus“ zu verdanken haben. Ach ja, natĂŒrlich, Stammtisch-Niveau, aber gut ausgedrĂŒckt, was MĂ€nner offenbar wirklich denken ĂŒber die Frauen, die an ihnen vorbeiziehen – oder in Zukunft noch vorbeiziehen werden – mit UnterstĂŒtzung von Medien und Politik.

„Du brauchst unsere Hilfe, MĂ€uschen“

Gut, man kann es auch als Erfolg verbuchen, dass MĂ€nner heute eben nicht mehr davon ausgehen, dass wir uns als Frauen einfach nur hochgeschlafen haben auf den Job, sondern bequem via Quote Karriere machen. Im Ergebnis bleibt aber fĂŒr die Frau: Mann sagt ihr Hilfestellung nach und es zementiert sich auch im mĂ€nnlichen Bewusstsein, dass Frau eben nicht ausschließlich auf Leistung angewiesen ist. Respekt sieht anders aus.

Das ist der tragische Teil der Debatte. Dass uns Frauen eine Quotierung, eine stĂ€ndige UnterstĂŒtzung nichts nĂŒtzt, jedenfalls denjenigen nicht, die noch einen Funken Stolz in sich tragen. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich es inzwischen leid bin, dass mich in Diskussionsrunden neuerdings verstĂ€ndnisvolle MĂ€nner tĂ€tscheln, um mir zu erklĂ€ren, warum wir Frauen dringend eine Quote brauchen. Eine, die sie selbst nicht nötig hatten, mir aber gerne hinterhertragen wĂŒrden, um sich selbst besser zu fĂŒhlen – oder um mir fĂŒr immer zu verstehen zu geben: Du brauchst unsere Hilfe, MĂ€uschen. Wer sind also im Endeffekt die schlimmeren Machos? Diejenigen, die mir sagen: „Wenn du meinen Platz haben willst, dann guck erst mal, wie du an meinen Ellenbogen vorbeikommst“, oder diejenigen, die mich geistig fĂŒr immer eine Stufe unter sich selbst zementieren wĂŒrden, um mich nur mit gönnerhafter Geste an sich vorbeizulassen. Dann lieber die erste Variante, meine Herren, und ziehen Sie sich schon mal warm an.

Frauen lieber fĂŒr die Familie, denn fĂŒr die Karriere

Die Allensbach-Umfrage zeigt etwas anderes jedoch viel deutlicher: MĂ€nner sind offenbar mittlerweile genauso ĂŒberfordert mit den AnsprĂŒchen, die Frauen an sie stellen, mit den neuen Rollenverteilungen und Rollenzuweisungen, wie Frauen es schon lĂ€ngst sind. WĂ€hrend also Krankenkassen vermelden, dass immer mehr berufstĂ€tige MĂŒtter im Burn-out landen und die AntrĂ€ge auf Mutter-Kind-Kuren explodieren, weil Frau heute eben nicht mehr nur Mutter und Hausfrau sein soll, sondern wonderwomengleich spielend einen Topjob nebenher prĂ€sentieren muss, wĂ€hrend sie stramm die Figur trainiert, erleben MĂ€nner den Druck, dass sie einerseits immer noch die ErnĂ€hrer der Familie sein sollen, gleichzeitig aber auch die einfĂŒhlsamen Frauenversteher, die die Kinder großziehen und die HĂ€lfte der Hausarbeit ĂŒbernehmen, ohne dass dabei jedoch der Job leidet, denn Frauen mögen es zum Leidwesen der 68er sozialisierten Feministinnen nach wie vor, wenn ER gut verdient.

Man könnte das Ergebnis der Studie auch positiv lesen, wenn man dazu den Willen aufbringt, hinzunehmen, dass sich ein Großteil der MĂ€nner und Frauen einfach nicht Ă€ndern wollen: Dann könnte man feststellen, dass das Interesse am Rollenaufbrechen nur in bestimmten medialen und politischen Kreisen hoch im Kurs steht, die Masse aber immer noch gerne so lebt wie frĂŒher. Topf sucht immer noch nach Deckel, MĂ€nner entscheiden sich im Zweifel lieber fĂŒr Karriere, denn fĂŒr TeilzeithausmanntĂ€tigkeiten, Frauen lieber fĂŒr die Familie, denn fĂŒr die Karriere. Passt doch, wenn man sie denn lĂ€sst. Lassen wir aber nicht. Mann soll sich Ă€ndern, Frau auch, bis am Ende mit der Stoppuhr ParitĂ€t beim Zeitaufwand fĂŒrs BĂŒgeln und Windelnwechseln erreicht wurde. Die Gleichstellungsfanatiker mögen dann frohlocken, glĂŒcklicher macht es aber offenbar weder Mann noch Frau, wie alle Umfragen immer wieder beweisen.

Was von dieser Umfrage hĂ€ngen bleiben könnte, ist, dass das Votum der MĂ€nner endlich Gehör findet. Wenn man sie denn endlich auch selbst zu Wort kommen lĂ€sst, ohne jeden Einspruch gleich als frauenfeindlich abzubĂŒgeln. Wie gesagt, die Meinung stand schon immer im Raum, jetzt wird sie diskutiert, wenn auch selbstredend in allen Kommentierungen immer weiter lamentiert wird, wie viel noch zu tun ist, wie sehr sich der Mann noch Ă€ndern muss, damit er endlich modern ist. Übrigens ein DĂ©jĂ -vu fĂŒr jede Frau, die ebenfalls nicht im feministischen Gleichschritt mitmarschiert. Wo seid ihr MĂ€nner, hatte ich in meinem Buch gefragt. Wo verteidigt ihr euren Willen, euren Standpunkt, eure Forderungen? Habt ihr noch welche, oder sollen wie dies Gleichstellungsdings weiterhin unter Ausschluss der MĂ€nnlichkeit diskutieren?

Es gibt noch Gelassenheit

Exemplarisch hier eine der Antworten, die zeigt, dass auch auf mĂ€nnlicher Seite noch genug Gelassenheit herrscht, sich nicht von aufschreienden Damen, Herren und Medien irritieren zu lassen – auch auf die Gefahr hin, fĂŒr rĂŒckstĂ€ndig erklĂ€rt zu werden:

bq. „Wir sind vergleichsweise klug und wissen daher aus Erfahrung, dass es ganz und gar sinnlos ist, gegen Furien resp. WindmĂŒhlen zu kĂ€mpfen, solange die 75 Prozent vernĂŒnftigen Frauen es vorziehen, vor sich hin zu schweigen. Und fĂŒr die fehlgeleiteten PullundertrĂ€ger (maskulin, pro forma) möchten wir uns auch nicht unbedingt in das aus kinderlosen Redaktionsstuben schlagende verbale Fegefeuer stellen. Sehen Sie uns also bitte nach, dass wir ganz einfach souverĂ€n bleiben. Es herrschte und herrscht ja fĂŒr uns nicht der geringste Mangel an vernĂŒnftigen, klugen und gutaussehenden Frauen, die wie wir ein „konservatives“ FamilienglĂŒck anstreben, und da wir hierzu nicht auf ein ergĂ€nzendes Einkommen unserer Frauen angewiesen sind, kĂŒmmern wir uns halt einfach um genau das, was wichtig ist: Wir arbeiten hart, ernĂ€hren und versorgen unsere Familien, ermöglichen Kindern und MĂŒttern, möglichst viel zusammen zu sein, und versuchen ĂŒberdies und obendrein, in der verbleibenden Zeit auf gar nicht klassische Weise, wunderbare VĂ€ter zu sein. Mit offenen Ohren, mit Zeit, mit Inlinern an den FĂŒĂŸen, bei Bedarf. Da sind sie, die von Ihnen angefragten MĂ€nner: da, wo’s wichtig ist.“

Dem ist nichts hinzuzufĂŒgen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Gedanken zum Widerstandsrecht

,,Was wolltest Du mit dem Dolche, sprich?“ - ,,Die Stadt vom Tyrannen befreien!“ So ist es im Gedicht „Die BĂŒrgschaft“ von Friedrich Schiller zu lesen. Er schreibt im Schauspiel „Wilhelm Tell“:,,Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht ... Wenn der GedrĂŒckte nirgends Recht kann ïŹnden,

Wie ein PrÀsident Selensky relativ erfolgreich sein könnte

Ein Großteil der intellektuellen Elite, politischen Chatcommunity, weltweiten Diaspora und auslĂ€ndischen Freunde der Ukraine ist entsetzt ĂŒber den Ausgang der ukrainischen PrĂ€sidentschaftswahlen. Der Schauspieler, Komiker und GeschĂ€ftsmann Wolodymyr Selensky wird, nachdem er im ersten Wahlgang

August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“

Von 1940 – 1943, als der Kampf gegen das Deutschland der Nationalsozialisten noch nicht entschieden war, schrieb August von Hayek im englischen Exil, in das er vor den Nationalsozialisten geflĂŒchtet war, „Der Weg zur Knechtschaft“. Es erschien 1944 in England, dem Land, das Europa innerhalb v

Die Migrations-Politik der EU ist gescheitert

Vortrag von Herr Köppel bei der EKR (Fraktion der EuropĂ€ischen Konservativen und Reformer) im Europaparlament in BrĂŒssel am 17.06.2019, als Beitrag zur Diskussionsrunde „Die EU nach den Wahlen - weniger Europa“. Herr Köppel erlĂ€utert, warum die Schweiz mit der EU bestens zusammenarbeiten wi

Teilen und Herrschen: Frankreich will immer im EU-Poker mitsspielen

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, die die Besetzung der sogenannten Topjobs (Kommissions-, EZB- und ParlamentsprĂ€sident, sowie den Hohen Vertreter der EU fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik) in der EU mit sich bringen, lohnt es sich die Mitglieder der EU einzeln nach Gewichtung, Interessen und m

Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt

Die Bibliothek des Konservatismus Berlin ist eines der kleinen gallischen Dörfer in der rot-dunkelrot-grĂŒnen Hauptstadt des besten Deutschlands, das wir je hatten, von denen Widerstand gegen den Zerfall unseres Landes ausgeht. Am 3. Juli war in der Bibliothek jeder der ĂŒber dreihundert unbequeme

Mobile Sliding Menu