Don't cry for me Kristina

von Birgit Kelle26.09.2013Gesellschaft & Kultur

Unter Ministerin Schröder wurden 100 Euro als Familienförderung verkauft. Die wirklich wichtigen Fragen wurden derweil ignoriert.

Ob es wohl eine Ermüdungserscheinung war, dass das Thema Familienpolitik im Wahlkampf nahezu keine Rolle spielte? Fast zwei Jahre lang hatten die traditionell zähen und spaßfreien Themen Frau und Familie hohe Präsenz in den Medien und der Politik. Frauenquote, Betreuungsgeld, Homoehe – laut, beleidigend, aufreibend mit maximalem Empörungsfaktor waren die Debatten. Jetzt ist trügerische Ruhe eingekehrt. Das Betreuungsgeld beschlossen, die Frauenquote mit dem Erpressungsmanöver von Ursula von der Leyen selbst in der CDU noch auf den Weg gebracht worden, und kurz vor der Sommerpause hat das Bundesverfassungsgericht sogar noch die eingetragenen Partnerschaften steuerlich beglückt. Jetzt ist also mal gut.

Zumindest bis ernsthaft Koalitionsverhandlungen stattfinden, zwischen wem auch immer. Denn klar ist, es wird eine neue Familienministerin geben. Oder ist es etwa Zeit für einen Quotenmann auf dem Posten?

Sozialdemokratisierung der CDU-Familienpolitik

Kristina Schröder räumt ihren Stuhl. Es ist nicht wirklich eine Überraschung, sie hatte den Schritt angekündigt. Möglicherweise in einer Art Flucht nach vorne, um mit erhobenem Haupt zu gehen, anstatt vor die Türe gesetzt zu werden. Als offiziellen Grund lieferte sie ganz gegen den Zeitgeist: Sie will mehr Zeit für die Familie, mehr Zeit für die Tochter. Respekt.

Nicht wenige werden sowieso froh sein, dass sie weg ist. Galt sie doch von Anfang an als umstritten, zu jung, zu unerfahren, nicht durchsetzungsstark und dann auch noch aus feministischer Sicht „schlicht ungeeignet“ (Alice Schwarzer). Weil sie sich erlaubte, was vor ihr Ursula von der Leyen gar nicht erst vorhatte: Mit der Politik ihrer Vorgängerin zu brechen. Stattdessen übernahm jene einst nicht nur eins zu eins die Politik von Renate Schmidt (SPD), sondern trieb sie auf die Spitze – und läutete damit historisch die völlige Sozialdemokratisierung der CDU-Familienpolitik ein. Kristina Schröder hatte es versucht, den goldenen Mittelweg, die Quadratur des Kreises, zwischen modernem Familienbild, oder was man gemeinhin dafür hält, und den Frauen, die genau wie Schröder selbst, gar nicht vorhaben, sich zwischen Beruf und Familie bis zum Burnout aufzureiben.

Ein Plan war bei all dem nie wirklich zu erkennen. Das Betreuungsgeld hat sie offiziell vertreten, jedoch eher notgedrungen, um die CSU nicht zu brüskieren. Herzblut sieht anders aus. Beim Thema Frauenquote ebenfalls ein freundliches Sowohl-als-auch-Fleximodell. Kein klares Ja, kein klares Nein, von allem ein bisschen. Sie hat die Jungs und Männer zumindest aus der Ferne in den Blick genommen, mehr als all ihre Vorgängerinnen zuvor, aber auch hier: nur halbherzig. Kein großer Wurf, keine Vision, keine Idee. Doch was kommt nun?

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