Von Männern, Frauen und Hirschen

von Birgit Kelle28.06.2012Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Gender Mainstreaming nutzt vor allem Frauen, verhindert den Blick auf andere Ungleichheiten und ist längst ein einträgliches Geschäft.

Man hätte es auch einfach bei Gleichstellungspolitik belassen können. Wer Gleichheit zwischen Männern und Frauen will, braucht keinen englischen Kunstbegriff wie Gender Mainstreaming, den kaum ein Deutscher in zwei vernünftigen Sätzen erklären kann – und der dann doch wieder in Gleichstellungspolitik zurück übersetzt wird und sowieso nur Frauenpolitik beinhaltet. Gender Mainstreaming konnte niemals die Lösung für die Geschlechterfrage sein, weil es einfach nur eine krude Theorie ist, die darauf hinarbeitet, Geschlechtsunterschiede auszumerzen, anstatt Mann und Frau gleichwertig zu behandeln. Denn es ist ein Unterschied, ob ich angesichts der Verschiedenheit von Männern und Frauen ein gerechtes Miteinander suche, oder ob ich das biologische Geschlecht nur als eine Fußnote der Biologie betrachte. Diese Theorie geht übrigens zurück auf John Money in den 70ern, ein Psychologe und Transgenderforscher, der Transsexuelle an seiner Seite zur Schau stellte und durch Talkshows tingelte, bis er den ganz großen Durchbruch hatte. Die Feministinnen stürzten sich freudig auf seine Idee, dass alles nur ein soziales Konstrukt sei, eine Fessel, die man einfach sprengen kann. Schien doch Simone de Beauvoirs „man wird nicht als Frau geboren, sondern zur Frau gemacht“ endlich Realität. Dumm nur, dass Money seine Theorie nie beweisen konnte. Seine beiden berühmtesten Patienten haben sich dank seiner „Behandlung“ umgebracht, aber wen kümmert das schon?

Was nicht passt, wird passend gemacht

Die Politik jedenfalls nicht, dort ist GM verankert und wird bis in die letzte kommunale Ecke von oben nach unten durchgedrückt. Die Politik folgt der Idee, dass unser geschlechtstypisches Verhalten angeblich nur anerzogen ist – und uns für das Endziel Geschlechtergerechtigkeit natürlich wieder ausgetrieben werden muss. Was nicht passt, wird passend gemacht. Deswegen brechen wir jetzt „tradierte Rollenmuster auf“, wie zum Beispiel meine Ehe. Deswegen ist die Hausfrau nicht etwa glücklich, sondern nur armselig gefangen in ihrem Klischee. Deswegen ist männliches Potenzgebaren eine Gefahr für den Geschlechterfrieden, während weibliche Aggression neuerdings als Zeichen von Stärke gewertet wird. Deswegen sollen Frauen sich bitte schön für Männerberufe interessieren, während man händeringend versucht, Männern typische Frauenberufe schmackhaft zu machen. Deswegen ist das Private immer politisch, denn wer bei uns zu Hause den Müll rausbringt, definiert meinen Status als emanzipierte Frau. Es sind Milliardenbeträge, die in die Umsetzung von Gender Mainstreaming geflossen sind. Eine ganze Zunft von Genderforscher_Innen hat sich über das Thema hergemacht und studiert in unzähligen Instituten und auf über 100 Lehrstühlen über die Gleichheit der Geschlechter. Oft mit zweifelhaftem Sinn und Ergebnis, aber immer mit unseren Steuergeldern. Kennen Sie die „Waldstudie“? 27.000 Euro ließ sich das Umweltministerium NRW den Spaß kosten, um elf Monate lang untersuchen zu lassen, wie „Gender Mainstreaming im Nationalpark Eifel“ umgesetzt werden kann. Bahnbrechendes Forschungsergebnis: Männer und Frauen erleben den Wald unterschiedlich und Bilder von brunftigen Hirschen sollten auf den Werbeflyern entfernt werden, weil sie „stereotype Geschlechterrollen“ befördern. Ein echter Erkenntnisgewinn. Im vergangenen Jahr musste sich der Ausschusses für Chancengleichheit im Europarat monatelang mit der Eingabe einer Abgeordneten befassen, die beantragt hatte, die Verwendung des Begriffs „Mutter“ als eine “„sexistische Stereotype“”:http://www.freiewelt.net/blog-1967/ich-bin-eine-sexistische-stereotype.html zu bekämpfen, weil dies die Gender-Gleichheit verhindere. Sie forderte EU-weite Programme und Einflussnahme auf die Medien, um zu verhindern, dass Frauen weiterhin in der Werbung als Mütter oder gar Hausfrauen abgebildet werden. Danke! Seither weiß ich, dass ich mein trauriges Schicksal als Mutter und jahrelange Hausfrau mit dem Hirsch teile: Wir passen nicht in diese Welt und müssen uns dringend ändern.

Gender Mainstreaming definiert das Endziel vorweg

Und damit sind wir beim Grundproblem des Gender Mainstreaming: Es fragt nicht danach, wo die Menschen sich ungerecht behandelt fühlen, sondern definiert das Endziel vorweg. Es fragt schon gar nicht den Mann, denn für ihn geben die Frauen die Antwort. Konsequenterweise werden in Deutschland die Stellen der Gleichstellungsbeauftragten ebenfalls nicht nach Bedarf, sondern nach Proporz vergeben. In NRW muss jede Kommune ab 10.000 Einwohnern eine hauptamtliche Dame haben. Das Problem liegt in der Struktur. Diejenigen, die Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern beseitigen sollen, würden damit auch ihren eigenen Arbeitsplatz gleich mit ad acta legen. So wird der Opferstatus der Frau zum Selbstzweck und jedes Anerkennen von Erfolgen zum Budgetrisiko. Welche der über 1.900 Gleichstellungsbeauftragten stellt sich schon hin mit den Worten: „Es ist erledigt, ich mach den Laden zu.“?

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