Was legal ist soll beworben werden dürfen

von Bill Wirtz22.07.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner (CDU) will ein Werbeverbot für Tabak- und E-Zigaretten das noch weiter geht als bisherige Vorschläge der Union.

Was wird auf Straßenplakaten heutzutage beworben? Limonade, Schokolade, Lebensversicherungen, Bankkonten, Medikamente, Bier, Autos. Wer falsch mit diesen Produkten umgeht kann sich selbst oder sein Vermögen in Gefahr bringen. Aus diesem Grund werden Alternativen, die mehr Sicherheit bieten ebenfalls beworben: Limonade ohne Zucker, fettarme Schokolade, Versicherungsvergleichportale, Anwälte, die bei Klagen gegen Banken helfen, alkoholfreies Bier, oder Autos mit neuen und besseren Airbags.

Bei Zigaretten ist es gleich. Tabak, der sicherlich ungesund sein kann, darf in Deutschland beworben werden. Verbraucher wissen, dass Tabak ungesund ist, und seit mehreren Jahren wird darauf mit Warnhinweisen und Schockbildern aufmerksam gemacht. Sicherere Alternativen gibt es auch. Wir wissen dass E-Zigaretten (deren Konsum als “vaping” beschrieben wird) 95% weniger gesundheitsschädlich sind als gewöhnliche Zigaretten.

Gerade Großbritannien zeigt, dass eine liberale Dampfpolitik die klassische Zigarette besser abgewöhnt als zum Beispiel Nikotinpflaster. Zwischen 2011 und 2017 ist die Raucherzahl in Großbritannien von 19,8% auf 14,9% gesunken. Gleichzeitig stieg die Zahl der E-Zigarettennutzer. Fast die Hälfte dieser Verbraucher nutzen E-Zigaretten als Mittel zur Rauchentwöhnung. Viele Raucher in Deutschland kennen diese Alternative allerdings nicht. Ihnen kann man mit Werbung einen weniger schädlichen Weg zeigen Nikotin zu konsumieren.

Bundesministerin Klöckner scheint das anders zu sehen. Sie argumentiert für ein Tabak-Werbeverbot das nikotinhaltige E-Zigaretten einschließt. Verboten solle auch Tabakwerbung im Kino vor Filmen ab 18. Dies würde eine radikale Änderung bedeuten, die die Wahlfreiheit einschränkt, und die als Rückschlag der bislang eher liberalen Vaping-Politik in Deutschland gelten würde.

Wenn man in Deutschland mehr “Vaper” sieht als in einigen anderen Ländern, kann es daran liegen, dass Deutschland eines der Länder ist, die bisher einen lockeren Regulierungsansatz für E-Zigaretten verfolgen. Andere liberale Länder sind Schweden, Großbritannien und Tschechien, so der Nanny State Index des Institute of Economic Affairs in London. In Deutschland gibt es keine Regelung für den Konsum von E-Zigaretten in der Öffentlichkeit. Dies macht den Switch von der normalen Zigarette zur elektrischen Alternative einfacher und bequemer, was Leben rettet. Dazu gibt es keine besonderen Steuern auf diese Produkte und keine Regeln für den grenzüberschreitenden Verkauf. Jetzt bei der Werbung einzuknicken wäre eine schlechte Nachricht für Verbraucher.

Die restriktivsten Länder in puncto  E-Zigaretten sind dagegen Finnland und Ungarn, die den Konsum stark besteuern und regulieren. Die Europäische Union selbst hat auch damit begonnen, überstrengere Regeln für das Vaping zu sinnieren. So hat die EU ein begrenztes Behältervolumen, die Größe der Nachfüllpackungen und deren Potenz stärker reguliert. Außerdem wurden “kindersichere Verpackungen” vorgeschrieben und Hersteller regelmäßig überprüft. Regulierungen gibt es also bereits, auch für Kindersicherheit.

Das Argument von Bundesministerin Klöckner dass die Nutzung von E-Zigaretten rückwirkend als “Gateway” zur konventionellen Zigaretten führen kann genießt derweil sehr wenig wissenschaftliche Rückendeckung.

Wissenschaftler sehen das Vaping insgesamt deutlich positiver. Ja, E-Zigaretten enthalten noch immer Nikotin, das süchtig machen kann. Das ist derweil auch der Fall für Koffein. Nikotin selbst verursacht jedoch keinen Krebs. Durch den Wechsel von Zigaretten auf E-Zigaretten reduzieren Vaper ihre Belastung durch viele andere schädliche Giftstoffe im Rauch, einschließlich bekannter Karzinogene, auf eine drastische und schnelle Art und Weise.

Werbeverbote lösen keine Probleme der Volksgesundheit, sie versuchen diese Probleme verschwinden zu lassen. Anstatt Verbraucher über existierende Produkte und deren sichereren Alternativen zu informieren, will die aktuelle Regierungsmehrheit ein bevormundendes System schaffen und  mit Verboten regieren. Wenn sie sich dazu entscheiden, dann werden Tabak und E-Zigaretten nicht ihr letztes Opfer sein.

 

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