Das neue Ziel der Bevormundungstüftler | The European

Zeichentrickfiguren auf Frühstücksflocken sollen weg

Bill Wirtz26.07.2018Medien, Wissenschaft

“Befürworter der öffentlichen Gesundheit” wollen gegen eine massive Gefahr vorgehen: Zeichentrickfiguren auf Packungen von Getreideflocken, wie zum Beispiel die der Marke Kellogg’s. Angeblich haben es Tony der Tiger, Sonny der Kuckuck Vogel, Cap’n Crunch oder Graf Chocula alle auf unsere Kinder abgesehen.

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Shutterstock

Doch keine Angst: Die Europäische Union, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Jamie Oliver sind hier um uns und unsere Kinder zu beschützen!

Kein anderer als Star-Koch Jamie Oliver hat umfangreiche Meinungen über die Vermarktung von Frühstücksflocken. Bereits im Mai behauptete Oliver, dass Superhelden-ähnliche Figuren nicht dazu benutzt werden sollten, um “Schrott zu verkaufen”. Dabei handelte es sich nicht um ein Interview einer Boulevardszeitung, sondern während einer Anhörung vor dem Ausschuss für Gesundheit und Soziales des britischen Parlaments, das nach Lösungen zur Bekämpfung von Fettleibigkeit bei Kindern sucht. “Ich liebe Tony genauso wie alle anderen, aber ich würde viel lieber aufstrebende Figuren sehen, die unsere Kinder, ihre Augen und ihre Fantasie einfangen”, sagte der berühmte Chefkoch über die ikonische Figur Tony Tiger.

“Daniel Pryor vom Adam Smith Institut wies auf Twitter darauf hin, wie Oliver selbst eine Zeichentrickfigur – hier Moshi Monster genannt – benutzte, um einen Muffin mit 33,9 g Zucker zu bewerben. Dies liegt etwa 10 g über der täglich empfohlenen Menge an Zucker für Kinder zwischen sieben und zehn Jahren”:https://twitter.com/DanielPryorr/status/1001760202423717890.

Jamie Oliver löschte schlussendlich das Kochvideo, nachdem sein verstecktes Motto, “tut wie ich sage, nicht wie ich tue” aufgedeckt wurde. Aber seine Idee wurde vom Gesetzgeber bereits aufgegriffen: In Chile sind Zeichentrickfiguren auf Esswaren bereits verboten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten zu einer Priorität erklärt hat (dies sind zum Beispiel selbst zugefügte Krankheiten), schreibt 2010 in einem Bericht über ihre globale Strategie für Ernährung, körperliche Aktivität und Gesundheit:

“Angesichts der Tatsache, dass die Wirksamkeit des Marketings eine Funktion von Belichtung und Macht ist, sollte das allgemeine politische Ziel darin bestehen, sowohl die Exposition von Kindern als auch die Vermarktung von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren, Zucker, oder Salz, zu reduzieren.”

Infolgedessen hat die WHO die genaue Definition dessen, was diese Einschränkungen beinhalten sollten, vorangetrieben.

Im Jahr 2012 entwickelte die UN-Organisation einen weiteren Vorschlag zur Beschränkung der Vermarktung an Kinder, mit einem Rahmendokument zur Umsetzung der Politik. Hier gibt die WHO ein Beispiel dafür, wie die Richtlinien umgesetzt werden könnten:

“Beispiel: Beseitigung aller Formen der Vermarktung von Produkten, denen eine breite Palette von Kindern ausgesetzt ist, mit einer breiten Definition dessen, was “Marketing für Kinder” bedeutet.”

In einem Blogbeitrag aus dem Jahr 2014 zitierte die WHO Amanda Long, Generaldirektorin von Consumers International, “eine globale Verbraucherrechtsorganisation”:

“Lebensmittelunternehmen geben Milliarden von Dollar aus, um Marketing zu entwickeln, das wirklich funktioniert”. Beachten Sie, dass die Zielsetzung der “Verbraucherrechtsorganisation” in diesem Fall vorsieht, Eltern das Recht zu entscheiden, was gut für ihre Kinder ist, abzunehmen.

Dies ist letztlich auch die Botschaft des Entwurfs von Vorschlägen, welche der EU-Rat im Bezug auf Vermarktungsbeschränkungen formuliert hat. Die Minister betrachten Marketing an Kindern als ein Problem des Verbraucherschutzes, der Präventionspolitik, sowie für die “Verringerung von Ungleichheiten im Gesundheitsbereich”. Aber alles, was das Vorberreitungsdokument des Rates wirklich bedeutet, ist der Ausdruck eines Misstrauen gegenüber der Erziehung durch Eltern. Das Verbot von von Zeichentrickfiguren ist nur der logische nächste Schritt des Bevormundungsstaates. Die bloße Tatsache, dass es bereits ein Land gibt, das die Maßnahme umgesetzt hat, wird “Befürwortern der öffentlichen Gesundheit” die Möglichkeit geben die Zahlen so zu verdrehen, dass sie ihre Politik als Erfolg darstellen können.

Lasst uns kurz innehalten und feststellen, wie erstaunlich uns die Idee vor Jahren vorgekommen wäre, Zeichentrickfiguren auf Packungen von Frühstücksflocken zu verbieten. Und doch, der Bevormundungsstaat hat uns so weit gebracht: Wir sind kaum überrascht über merkwürdigen Vorschlägen derer, die behaupten es gehe ihnen um das “Wohl der Kinder”.

Das Bewusstsein für die Folgen von zu viel Zucker und Fett zu schärfen ist der richtige Weg um dieses Problem anzugehen: Es stärkt die Verbraucher, indem man ihn informiert, und befürwortet einen nicht-paternalistischen Ansatz. Der paternalistische Ansatz, Zeichentrickfiguren zu verbieten, ist nichts als eine faule Präventionspolitik.

Marken sind für die Konsumenten wichtig: Sie geben uns Freude, und sie lassen Kundenloyalität entstehen. Der Preis für das Leben in einer freien Gesellschaft ist, dass wir Verantwortung übernehmen und unsere eigenen Entscheidungen treffen müssen. Zwischen einem Kind, das ein Produkt möchte und dem tatsächlichen Kauf, gibt es immer noch einen Erwachsenen der den Kauf tätigen muss. Wenn wir jedoch beide Akteure soweit bevormunden und verkindlichen, dann haben wir am Ende zwei Kinder die vom Staat abhängig sind.

Das ist kaum produktiv.

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