Natürlich muss die Gesellschaft beim Thema Zuwanderung auch einen gesunden Egoismus an den Tag legen. Götz Widmann

Das sinnlose Snus-Verbot

Letzten Monat hat der führende schwedische Snushersteller Swedish Match das Snusverbot der EU vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Frage gestellt, in der Hoffnung, sein Produkt über Schweden hinaus zu vermarkten.

Nach einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verbot die Europäische Union im Jahre 1992 das feuchte, rauchlose Tabakerzeugnis Snus. Beliebt in Skandinavien wird Snus (Schwedisch für “Schnupftabak”) in kleinen, vorverpackten weißen Beuteln verkauft, die üblicherweise unter die Oberlippe platziert werden. Im Gegensatz zu trockenem Tabak oder Schnupftabak bringt Snus Nutzer nicht zum spucken. Noch wichtiger ist: Snus, im Vergleich zu Zigaretten, schadet nicht den Lungen.

Den Zahlen von Eurostat zufolge sind die Raucherquoten in Schweden die niedrigsten in ganz Europa. In der Tat sind sie die Hälfte der meisten europäischen Länder und sind dreimal niedriger als in Bulgarien, Griechenland, Ungarn oder der Türkei. Es ist schwer vorstellbar, dass Snus keine Rolle in diesen Zahlen spielt – da es nicht in die Kategorie von rauchbarem Tabak fällt. In ähnlicher Weise zeigen die Statistiken in Norwegen, dass 2017 das erste Jahr war, in dem 16- bis 74-Jährige mehr Snus konsumierten als Zigaretten.

Dies ist sicherlich eine gute Sache, zumal Snus eine gesündere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten ist. Tatsächlich kritisierte der Amerikanische Rat für Wissenschaft und Gesundheit die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) für ihre Weigerung, Snus als “Niedrigrisiko-Tabak-Produkt” einzustufen und sein schadensminderndes Potenzial anzuerkennen. Dies liegt daran dass Nikotin an sich, ähnlich wie Koffein, keinen Krebs verursacht.

Im Fall von E-Zigaretten wird ihr Potenzial zur Schadensminderung vielleicht noch nicht vollständig erkannt, aber zumindest bleiben sie legal. Snus ist jedoch seit 1992 in der EU illegal. (Eine Ausnahme wurde Schweden nach ihrem Beitritt zum Block im Jahr 1995 gewährt.)

Letzten Monat hat der führende schwedische Snushersteller Swedish Match das Snusverbot der EU vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Frage gestellt, in der Hoffnung, sein Produkt über Schweden hinaus zu vermarkten. Swedish Match argumentierte, dass das Verbot nicht proportional sei und das Potenzial von Snus zur Schadensminderung nicht anerkenen würde. Das Verbot wurde von Anwälten der Europäischen Kommission, des Europäischen Rates, des Europäischen Parlaments, Norwegens und des Vereinigten Königreichs verteidigt. Zu den vorgebrachten Argumenten gehört, dass der Tabakkonsum aller Art verringert werden muss und dass Snus als Wegbereiter zu herkömmlichen Zigaretten angesehen werden kann. Es gibt jedoch nicht nur keine wissenschaftlichen Belege für diese Theorie einer “Einstiegsdroge” – es ist auch bizarr, dass die EU die Einstiegsdroge verbietet und gleichzeitig den Verkauf von Zigaretten erlaubt, die für gefährlicher gehalten werden.

Insgesamt wirft der starke Widerstand gegen Snus eine Reihe von Fragen auf. Wenn es das Ziel der EU ist, die Anzahl der Raucher zu reduzieren, sollte sie schadensmindernde Produkte wie E-Zigaretten und Snus unterstützen. Mit dem Rauchen aufzuhören ist vielleicht ein lobenswertes Ziel, aber wir müssen anerkennen, dass es nicht für jeden leicht ist. Wenn es Produkte gibt, die Gesundheitsrisiken verringern können, sollten wir sie unterstützen, anstatt sie zu verbieten.

Bill Wirtz arbeitet als Policy Analyst für das Consumer Choice Center.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Hans-Olaf Henkel, Matthias Weik, Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA).

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