Sankt Kinsey

Bernhard Müller2.10.2010Gesellschaft & Kultur

Die deutschen Bischöfe holen sich Rat bei der Unternehmensberatung McKinsey. Doch beim Vatikan stoßen solche Initiativen auf wenig Gegenliebe. Für die Glaubenshüter in Rom drängt sich der Verdacht des Relativismus auf.

Begeisterung bei der Kirchenvolksbewegung Wir sind Kirche. Sie begrüßt die von den katholischen Bischöfen Ende September in Fulda angekündigte Dialogoffensive. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) spricht von einem “Sinneswandel innerhalb der Bischofskonferenz”. Dabei sind die katholischen Oberhirten Deutschlands nur einem Vorschlag des Tutzinger Unternehmensberaters Thomas von Mitschke-Collande gefolgt, der im Vorfeld der Versammlung gefordert hatte, sie müsste “einen breiten Dialogprozess, der in eine Zukunftskonferenz” mündet, anstoßen. Die Bischöfe haben nicht nur die Idee des früheren McKinsey-Direktors übernommen, sondern auch seine inhaltlichen Vorgaben. Der Betriebswirt hatte gefordert, die Bischöfe müssten über Fragen wie die Kontrolle und Legitimation innerkirchlicher Machtausübung diskutieren lassen und weitere Themen wie “die Kommunion für Wiederverheiratete, die Sexualmoral, die Rolle der Frau und den Zugang zum Priesteramt”.

Ratschläge aus der Unternehmensberatung

Mit Rückdeckung von kirchlichen Laienfunktionären aus dem Verbandskatholizismus und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken kündigten die Bischöfe jetzt vollmundig Reformen an. So soll ein zweijähriger “strukturierter Dialog” über Glaubensfragen und gesellschaftliche Themen folgen. “Viele angestaute Probleme” würden danach verschwinden, ist zu hören, weil strittige Themen – so Kardinal Lehmann – “mutig und offen” angegangen würden. Offenbar bezieht sich der angekündigte Mut, den man aufzubringen gewillt ist, einseitig Richtung Tiber. Gegenüber der säkularen Gesellschaft sucht man dagegen eine weitestgehende “Anschlussfähigkeit”. Deshalb hat Kardinal Sterzinsky schon mal dem Vatikan ein klares Signal gesendet. Er forderte die Überprüfung der Lehren und Traditionen der Kirche. Sie dürfe einerseits Gottes Wort nicht infrage stellen, andererseits müsse sie sich klarmachen, dass sie nicht menschliche Regeln – “und seien sie noch so vernünftig und zielführend” – als göttliche Weisungen ausgeben dürfe. “Auch Alter macht eine Einrichtung nicht sakrosankt.”

Verdacht des Relativismus

Im Hintergrund läuft schon einiges. So ist, von der Öffentlichkeit weithin unbeachtet, das strittige Thema der Empfängnisverhütung von den Bischöfen in Angriff genommen worden. Dabei ist kaum zu erwarten, dass sie von ihrem seit 40 Jahren bestehenden Dissens mit Rom abweichen werden. So was bringt Lob kirchlicher Laienfunktionäre. Der frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, will jetzt das Diakonat der Frau, Empfängnisverhütung, die Zulassung von verheirateten Männern zum Priesteramt, die Stellung der geschiedenen Wiederverheirateten einschließlich deren Sakramentenempfang sowie die Zulassung nicht katholischer Christen zur Eucharistie “mit Mut angehen”. “Mutig und offen” seien sie, klopfen sich die Bischöfe mit ihren neu-alten Reformthemen auf die eigene Schulter. Was die Bischöfe nicht bemerken: Sich vor den Altären der Leitmedien und der säkularisierten Gesellschaft niederzuknien und das als besonders “mutig” zu verkaufen wirkt fast schon peinlich. Das zeigt auch die Übergabe des “Rheinischen Merkurs” an die liberale Wochenzeitung DIE ZEIT. Der dortige Chefredakteur di Lorenzo befragt, ob seine Zeitung dadurch katholischer werde: “Ja, unbedingt – wie wir auch protestantischer und zugleich atheistischer geworden sind.” Durch diesen Deal schimmert ein gefährliches bischöfliches Signal: “Wir sind alles!” Der Papst verdächtigt solches Denken und Handeln längst des Relativismus.



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