Niemand wird als Abgeordneter geboren. Florian Bernschneider

Das 15.000-Liter Steak

Unseren Wasserverbrauch könnten wir an vielen Stellen verringern. Wichtiger ist allerdings, die Wassergroßverbraucher zu identifizieren.

Da spart man fleißig Trinkwasser, glaubt der Umwelt damit Gutes zu tun, und die wahre Baustelle ist eine andere: Mehr als 4.000 Liter Wasser pro Person und Tag nutzen wir in Deutschland indirekt über die von uns konsumierten Nahrungsmittel und sonstigen Produkte – ein Vielfaches der rund 120 Liter Trinkwasser, die wir im Durchschnitt täglich pro Person nutzen. Die Medien haben das Thema „virtuelles Wasser“ vielfach aufgegriffen und die Öffentlichkeit verblüfft mit den riesigen Wassermengen, die hinter vielen Alltagsprodukten stecken.

Was steckt in einer Tasse Kaffee?

Meist wird jedoch verkannt, dass die virtuelle Wassermenge bzw. die Größe des Wasserfußabdrucks nicht allein entscheidend ist. So werden die 140 Liter virtuelles Wasser, die hinter einer Tasse Kaffee stecken, gerne als plakatives Beispiel zitiert. Tatsächlich ist Kaffee ein Beispiel für ein Produkt mit großem Wasserfußabdruck, welches aber traditionell in Regionen angebaut wird, wo es reichlich regnet und die Kaffeepflanzen nicht bewässert werden müssen. Das verdunstete Niederschlagswasser der Kaffeepflanzen wird bei der Berechnung des Wasserfußabdrucks aber in die Bilanz einbezogen, was dann im weltweiten Durchschnitt 21.000 Liter Wasser pro Kilogramm Röstkaffee ergibt.

Anders sieht das bei Tomaten aus Südspanien aus: Tomatenanbau mit einem Wasserbedarf von 330 mm pro Jahr in einer Region mit 200 mm Jahresniederschlag kann kaum nachhaltig betrieben werden und funktioniert nur mit intensiver Bewässerung. Dafür werden nicht die erneuerbaren Wasservorkommen beansprucht – auch wenn Tomaten im Mittel nur 184 Liter Wasser pro Kilogramm enthalten. Die Folge: Für den Naturschutz wertvolle Feuchtgebiete fallen trocken und das Grundwasser versalzt durch eindringendes Meerwasser so, dass es nicht mehr als Trinkwasser geeignet ist.

Die Bewertung des eigenen Konsumverhaltens ist bei virtuellem Wasser schwieriger als beim Klimaschutz, wo weniger CO2-Freisetzung immer sinnvoll ist. Einen wasserschonenden Lebensstil erreicht man nicht allein dadurch, dass man seinen persönlichen Wasserfußabdruck verkleinert. Es kommt vor allem darauf an, nicht nachhaltige Wassernutzungen zu vermeiden. Dafür gibt es einfache Grundregeln: Mit dem Kauf von Obst und Gemüse aus der Region ist man im wasserreichen Deutschland auf der sicheren Seite. Produkte aus heimischem, ökologischem Anbau sind noch wasserschonender, da hier keine Pestizide und Kunstdünger eingesetzt werden, die die Gewässer belasten könnten.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Reduzierung des Fleischkonsums: Wer nur ein einziges Steak im Jahr weniger isst, spart dadurch mehr Wasser als durch Regenwassernutzung im Haushalt. Hinter einem Kilogramm Rindfleisch stecken rund 15.000 Liter Wasser – Weizen benötigt mit 1.300 Litern weniger als ein Zehntel davon. Für das in konventioneller Haltung für die Tiermast eingesetzte Kraftfutter importieren wir große Mengen Soja. Brasilien hat seine Sojaanbauflächen massiv ausgeweitet und riesige Regenwaldflächen abgeholzt. Hier ist die ökologische Landwirtschaft im Vorteil, die in Kreisläufen denkt, arbeitet und Futtermittel aus eigenem Anbau verwendet.

Konsumverhalten beobachten

Gefragt ist ein bewusster Konsum, bei dem wir beachten, wo die Produkte herkommen und unter welchen Bedingungen und mit welchen ökologischen, sozialen Folgen sie produziert wurden. Das Konzept des virtuellen Wassers und des Wasserfußabdrucks hilft bei der Beurteilung des Konsumverhaltens und unterstützt die Entwicklung geeigneter Strategien für eine nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Helmar Schubert.

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