Die meisten Journalisten haben kein Gewissen mehr. Jörg Kachelmann

Der Öko-Designer

Danny Seo wollte die Welt retten. Er war einer der ersten Ökostars der Vereinigten Staaten. Mit zwölf gründete er eine erfolgreiche Jungendumweltorganisation. Mit 18 schrieb er darüber einen Bestseller. Heute ist Danny Öko-Designer. Stars kaufen seine Matratzen. Paris Hilton trägt sein T-Shirt. In Fernsehshows zeigt er, wie grün leben geht. Für sein Ziel gibt er alles.

Als er seiner Mutter an seinem zwölften Geburtstag erklärte, er sei ab jetzt Vegetarier, antwortete sie nur: “Quatsch, Danny, du bist Fleischfresser.” Danny blieb standhaft. Die Bilder von Walfängern und dem zerstörten Regenwald waren zu viel. Den Pelzkleiderschrank seiner Mutter hatte er noch ausgehalten. Auch dass sein Vater Tierversuche für die Industrie machte. Die direkte Zerstörung der Natur hielt er aber nicht aus. Er wurde Vegetarier. Doch das reichte ihm nicht.

Seo erzog die Menschen zum Mülltrennen

Wie macht man die Gesellschaft umweltbewusster? Ein Beispiel aus Deutschland ist der Grüne Punkt. Er erzog die Menschen zum Mülltrennen. Die Macht, so etwas einzuführen, hat die Zivilgesellschaft nicht. Es braucht Einzelne, die vorangehen und andere mit sich ziehen. Seo war so jemand und wurde damit zu einem der ersten Ökostars der Vereinigten Staaten. Sogar noch vor Al Gore.

Ein paar Wochen nach seinem Geburtstag gründete er die Jugendorganisation “Earth 2000”. Ihr Ziel war, die Welt bis zum Jahr 2000 zu retten. Am Anfang, 1989, waren sie zwölf. Acht Jahre später rund 25.000. Danny hatte als Präsident auf lokaler und regionaler Ebene Umweltschutzaktionen organisiert: von Müllsammeln bis zu die eigene Familie dazu bewegen, Wasser zu sparen. Um mehr Leute mit seiner Idee zu erreichen, schrieb Danny über seine Erfahrung ein Buch. Es wurde ein Bestseller. Oprah Winfrey lud ihn in ihre Show. Danny wurde endgültig auf nationaler Ebene bekannt.

US-Stars schwören auf seine Tipps

Danny hat nicht studiert. Auf dem Highschool-Abschlusszeugnis steht eine 4,0. Heute zeigt er in Fernsehshows, wie ökologisch bewusst leben zu Hause geht. Er zeigt Amerikanern, wie man ein Gemüsebeet anlegt, wie viel Geld das beim Einkauf spart und wie man die Küchenablage keimfrei abwischen kann, ohne viel Spüli zu benutzen.

US-Stars schwören auf seine Tipps, richten ihre Häuser so ein, wie Seo es im Fernsehen zeigt. Paris Hilton ging auf einem Filmfest auf Seo zu, weil ihr sein T-Shirt so gut gefiel: “Club sandwiches, not seals” stand darauf. Ein Wortspiel. “To club a sandwich” heißt, sich einen Sandwich machen, “to club a seal”, eine Robbe totknüppeln. Seo produzierte Hilton das T-Shirt in ihrer Größe. Eines der größten Promimagazine der USA, People, lichtete sie ab. Seos T-Shirt wurde fortan reihenweise produziert.

Verbirgt sich hinter der grünen Maske ein raffgieriger Mogul?

Seo kooperiert mit drei Warenhäusern. Sie setzen seine ökologischen Produkte ab. Ihren Absatz stärkt Seos Präsenz im Fernsehen und sein Anklang in der Welt der Stars. Ist er deswegen unglaubwürdig? The European versicherte er: “Ein umweltbewusstes Leben ist auf keinen Fall nur etwas für reiche Leute. Für jeden Geldbeutel gibt es etwas Passendes.” Seine Öko-Matratze ist allerdings dreimal so teuer wie eine normale. Seine Öko-Baumwollhandtücher sind dagegen so preiswert, wie es Textilien in den USA sind. Über die umweltschützende Wirkung von Bratpfannen ohne Holzgriff kann man streiten. Seo wirkt nicht so, als ob er hinter seiner grünen Maske einen raffgierigen Mogul versteckt. Er ist der sympathische Schwiegersohn koreanischer Herkunft von nebenan, ein Softie, der keiner Fliege etwas zuleide tut. Seo verdient mit Öko sein Geld. Das könnte er nicht ohne seine Geschichte. Er ist auf dem Zenit seiner Wirkungsmacht. Je mehr Stars seine Produkte kaufen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es grün auf die Gesellschaft abfärbt.

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