Journalisten: Wegelagerer und Indiskretins. Helmut Schmidt

Frauen sind nicht lustig, zum Zweiten

Manchmal lacht der Professor, wenn Frau einen Witz erzählt – um nicht als Frauenhasser dazustehen.

Kolumnisten wie Christopher Hitchens treten nicht in jedes Fettnäpfchen, sie suchen sich besonders fetttriefende Näpfchen aus. Vor einigen Jahren schrieb Hitchens den Essay “Warum Frauen nicht lustig sind” und erhielt prompt Prügel, und zwar von Promi-Komikerinnen, die in Amerika als besonders lustig galten. Zum Teil sind diese Frauen immer noch lustig, aber sie sind selten wie weibliche Bässe.

Ja nicht als Frauenhasser dastehen

Da ich meine masochistische Seite gerne pflege, nahm ich mich ebenfalls dem Thema in einer NZZ-Kolumne an: “Frauen sind nicht lustig”. Ich erhielt ebenfalls Prügel, aber auch eine Eintrittskarte für die Darbietung einer lustigen Frau. Das Programm versprach viel seriöse Ernsthaftigkeit und wenig Spaß, sodass ich nicht hinging und vergessen habe, wie die Komikerin hieß. Selbst bei den seltenen weiblichen Ausnahmetalenten ertappe ich mich oft bei einem wohlgesinnten, gekünstelten Lachen, damit ich ja nicht als Frauenhasser dastehe. Zugegeben, manchmal muss ich echt über Frauen lachen, erinnere mich aber nicht mehr, wann das war. Wo bleiben bloß all die lustigen Frauen? Gibt es einen biologischen Grund? Komikerinnen könnten ein Vermehrungsproblem haben, sonst gäbe es mehr von ihnen. So etwas lässt sich aber schlecht untersuchen. Es muss andere Gründe geben.

Wenn Männer Frauen nicht zum Lachen finden, muss das ja nicht gegen, sondern kann für uns sprechen. Wozu brauchen Frauen eigentlich männliche Lacher? Frauen sollten einfach über Frauen lachen, schon wäre das Problem mathematisch gelöst. Auf diesem Planeten sind sie zahlreicher als wir Männer. Es müssten also nur Frauen über Frauen lachen, schon wären feminine Komiker in der absoluten Mehrzahl. Diese Milchbüchlein-Rechnung beweist eigentlich bereits zwei Aussagen: Frauen sind wirklich nicht lustig, und es sind vor allem Frauen, die Frauen nicht lustig finden. Die weibliche Humorlosigkeit hätte somit nichts mit uns Männern zu tun! Oder doch?

Mangelnde Frauensolidarität kann es nicht sein

Zugegeben, es besteht nämlich die Möglichkeit, dass lustige Frauen keine Karriere machen, weil sie nichts zu lachen haben. Es gibt sie schon, MANN findet sie nur nicht. Die immer noch dominierende männliche Unterdrückung verhindert die Frauenkomik. Dieser unterschwellige Genderaspekt ist bislang noch nicht an die Oberfläche gedrungen. Mangelnde Frauensolidarität kann es nicht sein, da wir gesehen haben, Frauen sind schließlich in der Mehrzahl. Die Lösung des Problems liegt somit auf der Hand: FRAU sollte für KomikerInnen eine Quotenregel einführen, selbst mit dem Risiko, die resultierenden Einschaltquoten könnten zum Heulen sein. Das weibliche Pendant zu “Otto” hieße dann eben weiterhin “Emma”.

Männer können damit leben, eine Ansammlung von negativen Eigenschaften aufzuweisen. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Frauen intelligenter, liebevoller, einfach rundum besser sind. Vielleicht sind wir Männer aber tatsächlich humorvoller, und FRAU sollte diese eine und winzige Eigenschaft den Männern zugestehen. Es würde verhindern, dass wir unsere Partner danach aussuchen, ob sie zum Totlachen sind.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Mirja Boes, Sissi Perlinger, Horst Schroth.

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