Warum sind wir auf der Welt und warum glauben wir?

Beatrice Bischof14.11.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Es ist wieder einmal Allerheiligen. Gedenkgottesdienste auf den Friedhöfen. Hier in den Bergen wird er traditionell mit Bläsern aus der Region untermalt. Sie spielen: Ich hatt`einen treuen Kameraden. Der Pfarrer hält eine Ansprache. Man steht wie alle anderen vor dem Grab, hört man dem Pfarrer zu? Manchmal. Aber eigentlich denkt man sich: Wo bist Du?

Wenn man vor dem Grab steht und auf das Herbstgebinde schaut, darunter der Mensch oder die Menschen, die einem ein Leben lang begleitet haben. Meist Eltern, Ehemann – Lebenspartner, Geschwister aber auch oft Kinder. Im Himmel? Die Hölle wollen wir uns nicht vorstellen, wobei sie eigenartiger Weise in den Vorstellungen der Menschen sehr präsent ist. Klingelte doch am „Tag danach“, mein Vater war an einem Sonntag gestorben eine sehr einfältige aber dennoch schauerlich bösartige Stimme am Handy meines Vaters an, und behauptete er wäre der „Fritz aus der Hölle“. Mein Vater hieß Fritz, ich zog nicht in Erwägung, dass er nun in der Hölle war. Sondern der Mann am anderen Ende nicht ganz beisammen war.

Doch die Vorstellungen von Himmel und Hölle, vom Jenseits, sind so alt wie die Menschheit.

Der Grund: die Sterblichkeit des Menschen. Berühmte Schriftsteller wie Dante und Sartre haben sich in ihren Werken damit auseinander gesetzt. Bei den Weltreligionen spielen die Vorstellungen zum Jenseits eine große Rolle. Die Religionen und die Sterblichkeit des Menschen hängen eng zusammen. „Wenn der Mensch unsterblich wäre, hätte er wahrscheinlich keine Religion“ , glaubt man auf www.mommartzinho.com. Dem stimmt der berühmte ehemalige Abt von Kloster Andechs Anselm Bilgri zu. „Dann wäre keine Religion entstanden, die über das Weiterleben nach dem Tod Hoffnung gibt.“ So sieht es das Christentum, doch wie sehen das die anderen Religionen, kennen alle diese Hoffnung auf das Jenseits?

Was ist überhaupt eine Weltreligion?

Die Definition ist umstritten. Das Wort Religion leitet sich vom lateinischen Begriff „religio“ ab, der Ehrfurcht bedeutet. Eine andere Definition leitet den Begriff aus den beiden lateinischen Begriffen relegere (sorgsames Betrachten) und religare (verbinden) ab. Religion kann als Sammelbegriff für Weltanschauungen auf der Basis des Glaubens (im Gegensatz zur Ratio) gelten. Unter Kultur, als Erweiterung des Begriffs (Rahmen) verstanden, ist alles was der Mensch selbst hervorbringt, Regeln und Gewohnheiten des Zusammenlebens und Verhaltens zusammengefasst. Immanuel Kant schließt dabei die Moral ein, Albert Schweitzer auch die Vernunft. Wandel und Entwicklung von Religionen verhindern, dass man von einer festen oder abgeschlossenen Form einer Religion sprechen kann. Lokale Besonderheiten bzw. innerreligiöse Pluralismen, politische Motive und auch die eigene Wahrnehmung als Weltreligion sind die nach Manfred Hutter die Gründe. Anhaltspunkte aber sind etwa das Wesen einer Weltreligion, hierzu gehören Reflexionen und metaphyische Spekulation, ihre Anhängerzahl, das Alter. Im Allgemeinen werden Christentum (2, 3 Mrd Anhänger), der Islam (1, 6 Mrd) Hinduismus (940 Mio.) , Buddhismus (460 Mio.) und das Judentum mit 15 Mio. Anhängern aufgeführt. (Wikipedia) Christentum, Islam und Judentum sind Offenbarungsreligionen, bauen auf dem abrahamitischen Monotheismus auf. Regelwerke sind die Bibel, der Tanach und der Koran. Sie stehen alle in der biblischen Tradition der 10 Gebote, der Gottes-und Nächstenliebe. Missionierend tätig sind nur das Christentum und der Islam nicht das Judentum und der Hinduismus ist an die Kaste gebunden. Als Universalreligionen wiederum werden nur der Buddhismus, das Christentum und der Islam erfasst. Als Volksreligionen der Hinduismus und das Judentum, da sie an ein bestimmtes Volk und seine Kultur gebunden sind. (Wikipedia) Wie Manfred Hutter es ausdrückt handelt es sich hier um einen Begriff des täglichen Sprachgebrauchs. Auch der Aspekt der Übersetzungen spielt sicher eine Rolle, wie auch für die Weltliteratur gültig.

Was unterscheidet sie?

Die Christen berufen sich auf Jesus Christus als Heilsbringer, Messias. Seine Geschichte ist eine Geschichte der Reformen, es entstand aus dem Judentum, sollte eine Lockerung dessen bringen. Diese Reform führte zur Christenverfolgung, als die Christen dann an Einfluss und Macht gewannen, suchten sie diese durch Kreuzzüge zu erweitern. Aber auch das Christentum erfuhr eine Reform durch Martin Luther, der die Bibel übersetzte, den Ablasshandel verurteilte, keinen menschlichen Vertreter Gottes, weder Beichte noch Sünde anerkannte, nur die Gewissheit, dass Christus lebt und den Gläubigen Gnade wieder fährt. Auch diese Reform führte zur Verfolgung diesmal der Protestanten. Die christliche Kirche unterteilt sich daher in katholische und evangelische sowie verschiedene Ostkirchen. Unterschiede zur Ostkirche zeigen sich in der Trinitätslehre. Die Vereinheitlichung wurde durch Dogmenbildung erzielt, es entstand das Neue Testament. Das Spannungsfeld ergibt sich zum gesellschaftlichen Wertewandel im Hinblick auf Ehe, Scheidung, Ehelosigkeit…). Der Islam oder besser gesagt der Muslim zeichnet sich durch die Totalhingabe an Gott aus. Die Entstehung ist punktuell fassbar, Mohammed wurde mit der Offenbarung beauftragt. Der Koran umfasst mit der Scharia auch ein Rechtssystem. Dazu gibt es ein politisches Bewusstsein, der Muslime als Ganzheit. Das Spannungsfeld ergibt sich gerade hier aus dem zeit-und kulturbedingten Umfeld, den westlichen Rechtscorpora. Aber es zeigt sich auch zwischen den Modernisierungstendenzen, die einer rationalistischen Theologie anhängen und den fundamentalistischen-islamischen Strömungen. Das Judentum, als älteste monotheistische Religion, bezieht sich auf Religion, Tradition, Lebensweise und die Gesamtheit der Juden (vgl. Islam). Juden sind die Kinder Abrahams, denen Gott das gelobte Land Israel gegeben hat. Das zentrale Charakteristikum ist die Verheißung, das auserwählte Volk zu sein, der Rückbezug auf die eigene Welt und Geschichtsdeutung auf die göttliche Offenbarung. Die Siegesgewissheit der Religion wird kollektiv memoriert. Es gibt das kollektive Gedächtnis. Das Charakteristika des Buddhismus ist das Erlebnis des Erwachsens, der realpolitische Weg Buddhas, die Lehre des mittleren Weges. Buddha ist ein Mensch. Der Hinduismus ist keine einheitliche Religion, eher eine Kultur, Hindu wird man durch Geburt. Die Veden, als Schriften, halten die Religionen zusammen. Das Kastensystem ist die gesellschaftliche Grundlage. Damit setzt sich der Hinduismus aus Lebenssituation, Eigendharma und allgemeingültigen Normen zusammen. Moderne Strömungen sprechen vom „ewigen“ Hinduismus.

Nach Pater Anselm ist Weltreligion eine Religion, die sich theoretisch auf allen Kontinenten der Erde finden lässt und nicht auf eine Nation, einen Stamm, eine Volksgruppe beschränkt ist. „Eine Weltreligion hat auch den Anspruch, ein religiöses Angebot für alle Menschen dieser Erde zu bieten“. So Anselm Bilgri. Alle Religionen auf der Welt sind wie verschiedene Wege auf ein und denselben Berg. Das letztendliche Ziel: der Himmel, die Erlösung, die Erkenntnis das Nirwana. Besonders schön bei www.mommartzinho.com zu lesen: „Jede Religion ist wie eine Stimme in Gottes Lied für die Welt…Dieses große Lied ist besonders schön, weil alle Religionen der Welt verschiedene Strophen singen. Die Religionen sind ein Instrument in einer Symphonie, wie Sänger in einem Chor.“ So ähnlich drückte das auch Papst Franziskus in seiner Predigt in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus.

Warum sind wir auf der Welt und warum glauben wir?

Anselm Bilgri zitiert hier zunächst den katholischen Schulkatechismus von 1956 „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst ewig bei ihm zu leben.“ Doch Bilgri führt ergänzend an: „Diese Antwort ist sehr auf das Jenseits konzentriert. Heute würde man auf alle Fälle vorausschicken, dass es darum geht, hier auf Erden ein sinnvolles Leben in Einklang mit sich, den Mitmenschen und der Umwelt zu führen.“

Die Sterblichkeit ist ein Aspekt. Der andere aber ist das Leben. „Religiöse Menschen sehen in dem Glauben etwas, das ihrem Leben Sinn verleiht, ihnen in der Welt Orientierung bietet und sie die Zusammenhänge des Daseins besser verstehen lässt. In vielen Fällen liefern Religionen Antworten auf die Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen…Anhänger einer Religion leben meist nach bestimmten Regeln, die ihr Glaube zum Beispiel in Form von Geboten vorgibt.“ Ausdruck finden sie in Schriften und Ritualen (www.helles-koepfchen.de).

Religion ist nach Anselm Bilgri ein Ergebnis der kulturellen Evolution. „Sie hilft, mit der Kontingenz des Lebens fertig zu werden, indem sie für Erscheinungen, die rational nicht erklärt werden können Erklärungen bietet.“ Die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort über das Leben darstellt wird ermöglicht. Das Leben geht weiter. Wenn auch anders. „Deinen Gläubigen o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen..“ (katholische Totenliturgie).

Die Religion versucht Antwort zu geben auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, Regeln aufzustellen für das Miteinanderleben und Hoffnung zu bringen auf ein Weiterleben nach dem Tod.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

„Was die Religionen gleich macht, sind die Fragen, die alle von ihnen stellen und beantworten. Was die Religionen unterscheidet sind die Fragen, die nur einige von ihnen stellen und beantworten.“ (www.mommartzinho.com)

Bei näherem Hinsehen haben die Religionen mehr gemeinsam als man denkt. Sie haben fast überall die gleichen Ansichten über ein richtiges Leben: sie lehren uns Hilfsbereitschaft, Aufrichtigkeit, Keine Gewalt anzuwenden, nicht zu töten, zu stehlen oder zu betrügen, zu verzeihen und über die Fehler der anderen Hinwegzusehen. Sie sind immer da, um uns wieder auf den rechten Weg zu helfen. Der Glaube soll die Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenführen. Die Namen für die Lehren über „das richtige Leben“ sind: Evangelium, Koran, Thora, Dharma, Yoga. Mit Gebeten sollen unsere Gefühle ausgedrückt werden. (www.mommartzinho.com)

Einige Religionen glauben an Götter, andere glauben, dass es keine gibt. Im Buddhismus ist die Erkenntnis zu wissen, dass nichts wirklich ist, die Erleuchtung, das Nirwana. Im Buddhismus gibt es keinen persönlichen Gott, auch Buddha selbst sah sich nicht als Gott oder von Gott Gesandter. Der Buddhismus versteht sich mehr als Lebensart. Er sieht das Leben als eine Art „Ich-Wahn“, die menschlichen Leiden können nur überwunden werden, wenn ein achtfacher Pfad (rechte Erkenntnis, rechtes Handeln, rechtes Leben und Sterben, rechtes sich versenken, rechte Achtsamkeit, rechte Gesinnung, rechte Reden) befolgt wird. Das Nirwana ist ein Zustand, in dem man geschafft hat den „Ich-Wahn“ zu besiegen. (www.mitdenken.de) Nicht alle Religionen brauchen Gott, um an ihr Ziel zu gelangen. Zur Erkenntnis und damit zur Erlösung gelangt man im Buddhismus durch ein „sich-versenken“ und Meditation. Auf dem Weg zur Erkenntnis steht für Buddhisten Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Einen von höheren Autoritäten unkritisch übernommenen Glauben und Obrigkeitsdenken lehnen sie ab. Darin unterscheidet sich der Buddhismus von vielen anderen Religionen. Auch eine kritische Haltung des Menschen gegenüber dem geschriebenen Wort und bestehenden Lehren wird im buddhistischen Glauben vermittelt (www.helles-köpfchen.de).

Religionen wiederum, die an viele Götter glauben, fällt es leichter das Schlechte in der Welt zu erklären. Ein Gott Religionen lehren, dass das Gute von Gott kommt, das Schlechte vom Menschen. Die Freiheit des Menschen sich für das Schlechte zu entscheiden, ist die Quelle, an der das meiste Übel der Welt entspringt. „Gott ist gut, aber er schenkte den Menschen die Freiheit schlecht zu sein.“ So mommartzinho.

Der Gründer des Buddhismus ist ein echter Mensch Siddharta Gautama, er hat wirklich gelebt. Prophet Mohammed im Islam ist auch ein wirklicher Mensch, auch er hat gelebt.

Im Islam, der besagt, dass der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed diese Heilige Schrift eingegeben hat, wird im Unterschied zum Christentum der Prophet Mohammed nicht so in den Mittelpunkt gerückt wie Jesus im Christentum. Hier ist der Koran, die Schrift, wichtiger. Gott offenbart sich damit nicht selbst sondern in einem Buch, er überschreitet seine Transzendenz nicht. Wie im Christentum, gibt es ein Gericht, am Tag des Gerichts wird der Mensch für seine Taten zur Rechenschaft gezogen. Nur wer es schafft, ohne Schuld und Fehler zu leben, kommt letztlich ins Paradies. (www.mitdenken.de)

Einige Religionen fordern auf die Welt zu verändern, andere die Welt abzustreifen: Erklärungen wie wir die Welt verändern sollen, wie jeder Einzelne nur befreit werden kann, wenn alle frei werden liefert vor allem das Judentum, aber auch bestimmte Zweige des Christentums und des Islam. Wie wir uns von allem weltlichen befreien, lehren der Buddhismus und Hinduismus. Im Hinduismus bedeutet die Befreiung die Erlösung von der Wiedergeburt, im Buddhismus wir die Befreiung von der Welt Erleuchtung genannt. Für Anselm Bilgri geht es um beides: Eine gewisse geistige und Distanz einzuhalten, um auch immer wieder über den Sinn des Lebens und seine Gestaltung nachzudenken ohne sich im Oberflächlichen zu verlieren. Aufgrund dieser Haltung ergeben sich Notwendigkeiten, das Verhalten der Menschen zu verändern. Die Welt, wie sie ist können wir nicht verändern sondern nur uns selbst.“

Ein wichtiger Punkt ist auch, das Hindernis zu überwinden, das die Menschen davon abhält, ihr wahres Menschsein zu verwirklichen. Wer es schafft dieses Hindernis zu überwinden, kann die höchste Belohnung erlangen, welche die Religion jeweils verspricht. Hindernis und Ziel sind je nach Religion verschieden. Im Christentum, Islam und Judentum ist das Hindernis die Sünde. Im Christentum wird als Sünde verstanden, nicht zu glauben. Sie bieten verschiedene Wege an auf dem Weg zur Erlösung. Das Ziel ist das Gleiche. Die Erlösung . Im Hinduismus ist das Problem die ewige Wiedergeburt. Die Lösung besteht in einem Weg der Befreiung (moksha) von diesem ewigen Kreiselauf. Im Buddhismus ist das Leiden das größte Problem, gelöst wird es wenn man den Weg der Erleuchtung geht, an dessen Ziel es kein Leiden mehr gibt.

Eng verbunden mit dem Tod ist auch das Leid, das daraus für die Angehörigen entsteht. Leid anzunehmen ist auch ein Punkt, den jede Religion unterschiedlich beantwortet: das Christentum lehrt, dass Gott den Menschen nicht alleine lässt. Christen sollen dem anderen ihr Mitleid zeigen. Die Erfahrung ist für einen reifen Glauben wichtig. Das Judentum steht auf dem Standpunkt: Gott gibt, Gott nimmt. Das Leben ist ein Geschenk, das eines Tages zurückgegeben werden muss. Der Theravada-Buddhismus lehrt das Leid nur eine Einbildung ist, die aus unseren Wünschen Resultiert. Frieden können wir nur finden, wenn wir unsere Begierden, Hoffnungen und Träume aufgeben. In diesem Zustand der Erlösung finden wir Glück. Für den Buddhismus ist jede Art von Gewalt und Gier Ursache des Leids. Dazu verkündete Siddhartha Gautama „Vier Edle Wahrheiten“ : erstens, dass das Leben in einem Kreiselauf des Daseins voller Leid ist, zweitens, dass die Ursache dieses Leides die „drei Geistesgifte“ Gier, Hass Verbelendung sind, drittens dass das Leiden erlöscht, wenn die Ursachen erlöscht werden und viertens, dass zum Erlöschen des Leidens der so genannte „Edle Achtfache Pfad“ führt. Für viele Hindus ist das Leid in diesem Leben das Ergebnis der Handlungen in einem früheren Leben (Karma).(www.helles-köpfchen.de)

Nach Anselm Bilgri dürfte der Hauptunterschied zu fernöstlichen Konzepten die Linearität des christlichen Entwurfs sein. Darin gibt es nur ein einmaliges Leben und keinen Kreiselauf der Wiederkehr. Auch kennt man dort keinen Strafort. Die Bestrafung liegt im erneuten Durchlauf des Lebens. Das endgültige Eingehen in das Nirwana entspricht vielleicht unserer Himmelsvorstellung, dem Eingehen in Gottes ewige Gegenwart.

Was geschieht nach dem Tod mit uns und wie sieht das letztliche Ziel am Ende unseres Weges auf den Berg hinauf aus: jüngstes Gericht, Himmel, Leben nach dem Tod, Wiedergeburt, Reinkarnation, Erlösung, Erkenntnis?

Im Hinblick auf den Tod ist es wohl so: „Religionen bewahren uns davor, beim Gedanken an unseren Tod verrückt zu werden.“ (www.mommartzinho.com)

Die Bibel spricht vom Garten Eden mit köstlichen Früchten, der Koran weist auf eine Oase mit sprudelnden Quellen hin, wo Männer von verführerischen Jungfrauen verwöhnt werden. Die katholische Kirche des Mittelalters sollte die Menschen erziehen. Die Bösen schmoren im ewigen Feuer, die Guten stimmen Lobgesänge an. Damit sollten die Menschen zu einem vorbildlichen Leben erzogen werden. Im Gegensatz zu diesen Vorstellungen ist das buddhistische Nirvana kein Paradies, sondern das Aufhören jeglicher Daseinsbindung.

Christen glauben an das ewige Leben nach dem Tod. Das Kreuz wird als Symbol genutzt. Christus ist am dritten Tag auferstanden und hat damit Tod, Leid und Sünde besiegt. Heute glauben viele Christen, dass Himmel und Hölle keine Orte sind, wo man hingehen kann, sondern Zustände, die im Inneren eines Menschen zu finden sind. Am Ende ihres Lebens, im Augenblick des Todes, werden die Menschen Gott begegnen. Dann wird ihnen klar, ob sie sich für Gott oder gegen Gott entschieden haben. (ARD, Leben mit dem Tod).

Nach katholischem Glauben gehen wir ein in den Bereich Gottes, das Jenseits. Das gliedert sich in drei Bereiche: Himmel, Hölle und Fegefeuer. Theologisch heißt die Lehre über das Jenseits Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen. Klassisch sind dies vier: Gericht, Himmel, Hölle Fegefeuer.

Wie Anselm Bilgri für den katholischen Glauben beschreibt ist das Ziel der Himmel, d. h. das Eingehen in Gottes Gegenwart. Ein Gericht stellt fest, ob das möglich ist. Kriterien dieser Gerichtsentscheidung sind nach dem Evangelium unser Verhalten zu unseren Mitmenschen. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Die Hölle wird als Möglichkeit des Scheiterns vor Gericht geschildert, die ewige Gottferne. Eine Mittellösung ist ein Ort der Reinigung, ein Wartesaal für den Himmel. Er ist für diejenigen gedacht, die ein mittelmäßiges Leben geführt haben. Eine laut Bilgri theologisch diskutierte Möglichkeit ist die „Erlösung von allem“ am Ende aller Zeiten, die Aufhebung der Hölle also. Es gibt auch die These, die Hölle sei nur das Aufzeigen der Konsequenzen eines gottfernen und menschenverachtenden Lebens: „Es gibt sie, aber ob jemand drin ist, wird nicht behauptet.“

Doch sieht das Christentum als wichtigsten Inhalt die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen. Erlösung erlangt man aber nicht durch eigenes Tun, sondern allein durch die Gnade Gottes, die für jeden Menschen gilt. Es gibt zwar gewisse Regeln (Gott ehren, nicht stehlen, nicht töten, nicht schlecht über andere reden). Der Weg zum ewigen Leben (Himmel) muss aber nicht verdient oder erarbeitet werden. Es reicht ja zu sagen zur Liebe Gottes. Gottes Vergebung anzunehmen und auf seine Gnade zu vertrauen. „Allen gab er (Jesus) das Recht, Kinder Gottes zu werden. Allen, die an seinen Namen glaubten.“ (Johannes 1, 12) (www.mitdenken.de). Zentral für die Christen ist der Glaube an die Auferstehung.

Auch Muslime glauben an ein ewiges Leben nach dem Tod. Wer sich an die Gebote Gottes gehalten hat, darf auf das Paradies hoffen. Darin ähneln sich Christentum und Islam. Auch der Islam kennt die Vorstellung von der Hölle, die denjenigen droht, die sich nicht an die Gebote gehalten haben. Aber auch Allah kennt die Unvollkommenheit der Menschen und ist barmherzig, deshalb können die Menschen auf Verzeihung hoffen, die ihre Fehltaten bereuen. (www.helles-koepfchen.de) Der Tod wird als Übertritt in eine andere Ebene des Lebens gesehen. Dabei trennt der Todesengel Izrail Körper und Seele voneinander. Die Seele dessen, der Gutes getan hat, wird von dem Engel in den siebten Himmel vor Gott gebracht. Danach gelangt sie wieder in ihren Körper, womit der Zwischenbereich (Barzach) beginnt. Die Seele des schlechten Menschen jedoch wird vom Engel nur bis zum ersten Himmel gebracht,   wo ihr Zutritt verwehrt wird. Auch diese Seele gelangt zurück in den eigenen Körper und verweilt dort im Zwischenbereich. Danach wird die Seele der Toten vor ein Zwischengericht gestellt, von zwei Engeln (Munkar und Nakir) werden Fragen zum Glauben gestellt, beantwortet sie sie richtig, bekommt sie die Zusage für ein Leben im Paradies nach der Auferstehung. Beantwortet sie sie falsch, wird sie von den Engeln gepeinigt und ihr die Hölle in Aussicht gestellt. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden alle Toten aufgeweckt. Die guten und schlechten Taten werden aufgelistet und auf eine Waage gestellt. Danach müssen die Toten über eine Brücke gehen, die über die Hölle führt, Ungläubige und Sünder stürzen in die Hölle, die anderen gelangen über die Brücke ins Paradies. Doch heute muss das nicht mehr wörtlich genommen werden. Gemäß des Zentralrats der Muslime in Deutschland (www.islam.de) heißt es: „Wir glauben jedoch auch an die Barmherzigkeit Gottes, der die guten Taten zehnfach oder mehr belohnt und die schlechten Taten nur einfach bestraft. Jeder Diener Gottes kann der Strafe der Hölle entgehen, wenn er Gott aufrichtig und reuevoll um Vergebung seiner Fehltritte bittet.“ (www.planet-wissen.de)

Ziele die der Islam zur Erreichung wahren menschlichen Glücks in diesem Leben vor dem Tod zu verwirklichen sucht sind: sittliche Vollkommenheit, sozialer Fortschritt, wirtschaftliche Gerechtigkeit, zwischenmenschliche Liebe und Barmherzigkeit, politische Vernunft und Friede.

Viele Moslems sind überzeugt davon, dass das Leben der Menschen von Beginn an von Allah, ihrem Gott, festgelegt ist. Allah hat auch den Todestag jedes Menschen genau bestimmt. An diesem Tag ruft er uns ins Jenseits. Der Glaube an das Schicksal (Kismet) spendet vielem Muslimen Hoffnung und Kraft. Nimmt ihnen die Angst vor dem Tod. (ARD, Leben mit dem Tod)

Im Judentum ist der Fokus auf das Leben und die dabei erfahrene Verbundenheit zu Gott gerichtet. Der Zentralrat der Juden in Deutschland: „Die jüdische Religion geht davon aus, dass das Leben den höchsten Wert habe, das Diesseits wird in jeder Weise bejaht.“ In den jüdischen Schriften wie der Thora finden sich keine einheitlichen Anhaltspunkte zum Leben nach dem Tod. Man ging früher davon aus, dass der Ort der Toten der „Scheol“ ist, die Unterwelt, in der die Lebensspendende Gemeinschaft mit Gott erlischt. Es setzte sich aber unter dem Einfluss persischer und griechischer Vorstellungen der Glaube an die Auferstehung bei der Ankunft des Messias durch. Heute noch bekennen sich konservative und orthodoxe Juden zum Glauben an die Auferstehung, Reformjuden glauben an die Unsterblichkeit der Seele. (www.planet-wissen.de)

Was wir aber natürlich bei den Betrachtungen beachten müssen, die Menschen damals hatten eine andere Vorstellung von der Welt. Die heiligen Schriften (Bibel, Tora, Koran) waren die wichtigsten Zeugnisse des Glaubens und die Menschen damals glaubten die Erde sei eine flache Scheibe, der Himmel läge über ihnen, die Unterwelt oder Hölle unter ihnen. (BSP. Hekhalot-Literatur im Judentum: spricht von der Scheibe des Mondes und dem Rad der Sonne). Die Erde galt als Mittelpunkt des Universums. Mit dem heutigen Verständnis von Welt und Universum veränderte sich auch das Verständnis der Beschreibungen. Der Himmel, das Paradies oder die Hölle werden weniger als konkrete Orte verstanden, sondern eher als Zustände, in denen sich Menschen beziehungsweise ihre Seelen befinden. „Jede Religion fußt auf Glauben. Deshalb entwickelt auch jeder Mensch eine eigene Vorstellung davon, ob es ein Leben nach dem Tod gibt und wie es aussehen könnte.“ (ARD, Leben mit dem Tod)

Buddhismus und Hinduismus haben sehr ähnliche Vorstellungen. Der Buddhismus ist aus dem Hinduismus entstanden. Beide gehen davon aus, dass das Leben nicht durch Geburt und Tod beschränkt ist sondern aus einer Reihe von Wiedergeburten (Reinkarnationen) besteht. Entscheidend für die Wiedergeburt ist das Karma, das man im früheren Leben erworben hat, also die Summe an positiven und negativen Taten. Der ewige Zyklus der Wiedergeburt auch Samsara genannt, wird als leidvoll angesehen, kann nur durch das Erreichen des Moksha (Hinduismus) bzw. des Nirwanas (Buddhismus) durchbrochen werden. Wer sich in seiner wiedergeborenen Existenz von allen Grundübeln, wie Nichtwissen oder Unerleuchtetheit, befreit hat und sich moralisch und spirituell angestrengt hat, findet im Moksha oder Nirwana die Erlösung. Das heißt nicht Unsterblichkeit sondern „Erlösung“. (www.palnet-wissen.de)

Doch der Unterschied zwischen Hinduismus und Buddhismus ist, für die Hindus kehrt die Seele nach dem Tod in einem anderen Lebewesen wieder auf die Erde zurück (Seelenwanderung). Das Karma ist entscheidend in welcher Gestalt ein Hindu wiedergeboren wird. Um aus diesem Rad der Wiedergeburten herauszukommen versucht jeder Hindu so viel gutes Karma wie möglich anzuhäufen. Der Buddhist hingegen strebt nicht danach so viel gutes Karma wie möglich anzuhäufen sondern versucht so zu handeln und zu denken, dass er gar kein Karma mehr hinterlässt und den Zustand der Erleuchtung erreicht. Das gelingt durch Meditation und Loslösung von allen irdischen Begierden. Endet der Kreiselauf der Wiedergeburten gelangt der Buddhist ins Nirwana. (www.planet-wissen.de)

Nach buddhistischem Glauben ist das „Nirwana“ ein Zustand völliger geistiger Ruhe durch das Loslösen von allen Gefühlen, Wünschen und Denkvorstellungen und kann bereits im Leben erlangt werden, „Arhat“, was der/die Würdige heißt und bedeutet, dass jemand die „höchste“ Stufe erreicht hat nicht noch einmal wiedergeboren wird. Die Voraussetzung ist regelmäßiges meditieren, Mitgefühl und Weisheit zu erlangen und sein Leben nach ethischen Maßstäben auszurichten. Die „fünf Silas“ sehen vor, dass man sich darin übt kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen, nichts zu nehmen, was einem nicht gegeben wurde, sich nicht der Genusssucht und Sinnlichkeit hinzugeben, nicht zu lügen oder schlecht zu reden sowie keine Stoffe und Rauschmittel zu sich zu nehmen, die den Geist verwirren und das Bewusstsein trüben. (www.helles-köpfchen.de) „Alles Böse meiden, das Gute tun und das eigene Herz läutern.“ So fasst das Manfred Hutter zusammen. Es gibt keine individuelle menschliche Komponente über den Tod hinaus.

Die Hindus glauben in allen unterschiedlichen Glaubensrichtungen an die Wiedergeburt (Reinkarnation) eines jeden Menschen. Das Bild des Todes im Hinduismus rührt von Beobachtungen des Leichenfeuers, die Seele gelangt durch die helle Flamme zum Himmel Brahmans wo sie ewig ohne Widergeburt verweilt. Steigt sie aber im Rauch zum Mond auf, gelangt sie im Regen auf die Erde zurück, wird zur pflanzlichen Nahrung und über den Zeugungsakt wird sie im menschlichen Körper manifestiert. Hindus richten ihr Leben nach einem Verhaltenskodex, „Dharma“, sie müssen Pflichten gegenüber der Familie und Freunden erfüllen, den Nachbarn helfen, freundlich und geduldig sein, sich bilden, sich ganz nach den Göttern richten, nicht zerstören und verletzen, nicht lügen, nicht stehlen, andere nicht beneiden, nicht unbeherrscht und gierig sein. (www.helles –köpfchen.de)

Eine schöne Interpretation verfolgt dabei www.mommartzinho: „Die Botschaft, dass der Tod nicht unser völliges Ende ist, beruht in Wirklichkeit auf einer tieferen Hoffnung: der Hoffnung, dass die Liebe niemals stirbt. Die Liebe ist das Beste, was wir kennen. Die Liebe ist das einzige, von dem wir wünschen, dass es nie vergehen möge. Die Religionen lehren uns, dass sie nie vergeht.“

Riten und Rituale begleiten die wichtigsten Ereignisse und Übergänge. Die religiöse Auffassung vom Lauf des Lebens wird gefestigt. Der Wert der Familie als eines vorrangigen religiösen Werts wird ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Gebete werden gesprochen zu welchem Zweck auch immer, um ins Gespräch zu kommen. Im christlichen Glauben wird das „Vater unser“ zu den Glocken der Kirche gleichzeitig gebetet, die Muslime beten fünf Mal am Tag zu Allah, um das Leben als Ganzes (und den gottesfürchtigen Platz des Menschen darin) im Bewusstsein zu haben. Das traditionelle jüdische Gebet muss drei Mal am Tag gesprochen werden, besondere Gebete kommen am Sabbat und Festtagen dazu. Viele buddhistische und hinduistische Gemeinschaften kennen stundenlange Gebete, um Trost und Erleichterung von Stress zu finden. Innere Leere verschafft Ruhe.

Im Christentum wurden und im Islam und Judentum werden nach den Überlieferungen die Leichen in Tücher gewickelt und dürfen nicht verbrannt werden. Der Islam und das Judentum sind egalitär im Tod, die Beerdigung zeichnet sich durch Bescheidenheit aus. Bei Hindus und Moslems gehört der Tod zum Leben (die Moslems tragen bei ihrer Wallfahrt nach Mekka ein weißes Tuch) und bei Buddhisten und Hindus bringt er gar eine Verbesserung. Daher wird in diesen Fällen nicht so stark getrauert. Unterschiede ergeben sich aus der Aufbewahrung des Leichnams, die Buddhisten und Hindus verbrennen ihre Toten, verstreuen die Asche, im Fluss (Ganges bei den Hindus) oder bewahren sie im Tempel auf. Bei den Juden kommen alle sofort zusammen um Beistand zu leisten, im Islam werden die Toten zunächst gewaschen, bevor sie in das Leichentuch gewickelt werden und werden Richtung Mekka beigesetzt.

Der Erlösungsweg ist unterschiedlich, doch er verleiht jeder Religion ein nicht unwesentliches Macht-und Verfügungspotential? (www.mitdenken.de)

In allen der großen Weltanschauungen wird ein großartiges Ziel vor Augen geführt, der Himmel, die Erlösung, die Erkenntnis, das Nirwana. Doch die Bedingung dorthin zu gelangen ist, dass man sich bemüht, den religiösen Leitfaden einhält. Im Islam müssen die guten die schlechten Taten überwiegen, der Hinduismus beschreibt in seinem achtfachen Pfad welches Verhalten und Handeln dazu führt. Die Bibel nennt die zehn Gebote. Doch ist der entscheidende Unterschied laut mitdenken.de , dass der Leistungsaspekt im Christentum fehlt. Zu Gott kommt, wer glaubt. Sünde ist nicht zu glauben. Die christliche Botschaft ist, dass wir nicht durch unser Tun erlöst sind, sondern durch das, was Christus für uns getan hat. Nicht wir arbeiten uns zu Gott vor sondern er sucht uns. Doch was steht diesem Glauben im Weg? Laut mitdenken.de steht und fällt die Wahrheit des christlichen Glaubens mit dem Glauben an die Auferstehung. Sie ist der Grund der christlichen Hoffnung.

Den weltlichen Aspekt hierzu erklärt Anselm Bilri: „Religion hat Macht über die „Seelen“. Wenn der Zugang zum Jenseits nur durch das Wirken von Religionsfunktionären ermöglicht wird, ist dies sehr spürbar. Das wurde und wird oft von Kirchenvertretern ausgenützt, im katholischen Bereich z. B. im Beichtstuhl oder wie jüngst erfahren im Missbrauchs Skandal. Die Menschen im Westen akzeptieren dieses Machtpotential immer weniger.“

Wie ist die Stellung der Frau in der Religion und auch ihre Rolle im Jenseits?

Hier kommen wir wieder zu dem Grundgedanken zurück, dass Religion das Ergebnis der kulturellen Evolution ist. In fast allen Religionen wurde die Frau dem Mann untergeordnet. Dieser Aspekt wird nun in unterschiedlicher Geschwindigkeit in den jeweiligen Religionen mit den realen Entwicklungen beglichen.

„Im Christentum sind Mann und Frau (und Divers!) gleich in ihrer Würde. Die katholische Kirche tut sich schwer bei der Gleichstellung in den Weihegraden der kirchlichen Führungspositionen. Aber im Jenseits spielen sie keine Rolle mehr.“ So Anselm Bilgri.

Laut Koran haben Frauen die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer, stehen dennoch aber unter ihnen. Das wird verschieden ausgelegt, die Unterschiede sind groß. Die etwas erotische Darstellung des Jenseits im Koran, in dem 72 Jungfrauen auf die Männer warten, wenn sie ins Paradies kommen sieht der Imam Benjamin Idriz wie folgt: „Ich habe mich theologisch mit dieser Erotisierung auseinandergesetzt, und es ist klar, dass das Paradies kein Nachtclub ist. Es ist ein Ort, an dem wir Ruhe und Frieden finden-und zwar Männer und Frauen gleichermaßen.“ Erstaunlich, daher als Fehler, betrachtet er die Koran-Übersetzung des Wortes „huri-eyn“ als „Jungfrauen“, da beide Begriffe männlich sind und Partnerwesen oder Gefährten bedeuten. Ebenfalls als Übersetzungsfehler bezeichnet er die Passage, in der es den Männern erlaubt sein sollte Frauen zu schlagen. „da-ra-ba“ bedeutet nicht „schlagt sie“. Das Wort kommt 50 Mal im Koran vor und wird nur in dem Zusammenhang so übersetzt. Der Koran spricht bei Eheproblemen vielmehr von einer Trennung auf Zeit. So der Imam. Die Interpretationen des Koran kamen bislang von Männern, doch nun haben auch Frauen angefangen, den Koran zu interpretieren. Das führt zu Diskussionen, die aber in Sure 58 ausdrücklich vorgesehen sind. Sie trägt den Namen „Diskutantin“.

„Die muslimischen Akteure, Imame und Theologen müssen diese Brücke schlagen zwischen einer modernen, zeitgemäßen Theologie und einer konservativen orthodoxen Interpretation des Islams.“ Sagt Benjamin Idriz. Die Frauenrechte werden in Deutschland hochgehalten, sind in der Verfassung verankert, Gewalt wird nicht geduldet. Den Propheten sieht Idriz als Vorbild für Muslime. Er war sehr frauenfreundlich.

Die Frage der kirchlichen Führungsposition und Lehre ist immer noch in allen Religionen problematisch. Das hat auch die katholische Kirche mit dem Islam gemein. Doch auch hier gilt mittlerweile, wie Imam Benjamin Idriz betont, dass in vielen Ländern Frauen islamische Theologie studieren, den Islam und den Koran interpretieren können. Sie dürfen seit auch am Karfreitag zum Beispiel in der Moschee von Penzberg dem Gebet beiwohnen. Imam Idriz sieht theologisch keine Bedenken, dass eine Frau auch ein Gebet leiten darf. Doch die Gebetsnische soll nach wie vor den Männern vorbehalten bleiben. Aus praktischen Gründen, wie der Imam betont. Das Gebet im Islam hat viel mit Körperbewegungen zu tun und dabei kann der Gebetsraum sehr eng sein. Männer und Frauen fühlen sich wohler, wenn sie unter sich sind so der Imam. Deshalb ist es fast unmöglich, sich vorzustellen, dass eine Frau vorne in der Moschee das Gebet leitet.

Die jüdische Thora sieht vor, dass Frauen sich den Männern unterordnen. Doch sind immer mehr jüdische Glaubensgemeinschaften der Ansicht, dass die jüdischen Gebote an die heutige Gesellschaft angeglichen werden sollten und Frauen auch im Glauben die gleichen Rechte haben müssen wie Männer. Das heißt auch sie können in der heiligen Schrift lesen und mit den Männern beten und sogar Rabbinerinnen werden. (www.helles-köpfchen.de) Doch das gilt nur in Gemeinden des Reformjudentums.

Die buddhistischen Lehren haben sich der Lebenssituation, Herrschaftsform und Tradition in den verschiedenen Religionen angepasst. Es gibt viele unterschiedlichen Ausprägungen. Auch die Stellung der Frau ist in den einzelnen Strömungen verschieden: vor allem in dem alten traditionellen Theravada entspricht das Weibliche der Welt des Leidens und der Begierden, die es zu überwinden gilt. In anderen Schulen wird das weibliche Prinzip hingegen als „vollendete Weisheit“ gesehen. Dennoch teilen einige buddhistische Strömungen die Auffassung, dass das Leben als Frau ein „schlechtes Karma“ darstelle und nur Männer „Bodhi“ also Erleuchtung erfahren können. (www.helles-köpfchen.de)

Im hinduistischen Glauben stehen Frauen und Mädchen unter den Männern und haben nicht die selben Rechte. Frauen gelten noch als „weit entfernt“ von der Erlösung und müssen erst als Männer wiedergeboren werden, um dorthin zu gelangen. Es gibt zwar immer mehr Mädchen, die studieren und politische Ämter besetzen, dennoch sind Abtreibungen von Mädchen und Hexenverurteilungen weit verbreitet. Grund ist auch die Tatsache, dass Familien bei der Heirat der Töchter Mitgift zahlen müssen. Doch auch hier gibt es Unterschiede. Der Vishnuismus gewährt Frauen Zugang zum Heil durch die Gnade Gottes, der Shaktismus gar führt alles göttliche Wirken auf die weibliche Potenz Gottes zurück, svadharma dagegen sieht die Unterordnung der Frau vor und ihren weitgehend religiösen Ausschluss, Bhakti wiederum spricht von der Gegenseitigkeit der Liebe zwischen Gott und den Menschen. Diese Frömmigkeit dürfen auch Dichterinnen weitergeben. Aus politischer Betrachtungsweise ist Rama der ideale Herrscher, ihm wird mit Sita die ideale Ehefrau an die Seite gestellt.

Was hat Religion überhaupt mit Politik zu tun?

Wandel und Entwicklung von Religionen sind abhängig vom zeit- und kulturbedingten Umfeld. Religion ist das Ergebnis kultureller Evolution. Religion steht nicht nur im Zusammenhang mit nationaler Prägung sondern ist laut Anselm Bilgri nicht auf eine Nation, einen Stamm, eine Volksgruppe beschränkt sondern ein religiöses Angebot für alle Menschen. Es gibt also diese zwei Richtungen, die Religion oder auch Kultur als politische Kraft einschlägt. Einerseits trägt sie zur nationalen Prägung bei, das gilt für die orthodoxen Kirchen nach den politischen Veränderungen in Osteuropa seit dem Ende der 80er Jahre, ebenso für die orientalische Kirche (Armenien und Georgien). Sie können nach einer Periode der Unterdrückung wieder kultur-und nationenprägend sein. Der Hinduismus stellte im indischen Nationalismus das einigende Band dar, englische Bildung und europäische Indologen stärkten das Selbstverständnis und die Wertschätzung der eigenen Tradition bei den Indern, Mahatma Ghandi setzte Impulse für eine Interpretation des Hinduismus als gewaltlose und tolerante Religion. Tibet und die Mongolei wären noch im Zuge des nationalen Aspekts der Religionen zu nennen. Das Christentum und die jüdische Religion hatten normativen Einfluss auf die Kultur Europas, die Formulierung der allgemeinen Menschenrechte.

Betrachtet man Religion und Kultur über diese nationalen Grenzen hinaus, spricht man von einem Ethik und Kulturtransfer. Hier kommt der Gedanke der religiösen Strömung, des politischen Bewusstseins und der kulturellen Einheit zum Tragen. Das gilt vor allem für das Judentum und den Islam. Sie fühlen sich als weltumspannende Gemeinschaft. Aber auch die westlichen Werte (Demokratie und Menschenrechte) sollen transferiert werden.

Religion in ihrer fundamentalen und reformatorischen Form steht für diese Betrachtung. Das will heißen in ihren reinen fundamentalen Formen tragen Religionen zur Nationenbildung bei, in ihrer reformatorischen Gestalt aber erst sind sie transferierbar, erst dann sind sie ein Angebot für alle. In ihrer nationenbildenden Form sind die meisten Religionen neben den ethischen Regeln auch mit einem Rechtssystem ausgestattet (früher besaß auch die Tora im Rahmen der jüdischen Gemeinden Schtetl teilweise Gerichtsbarkeit, heute ist es nur noch der Islam in Form der Scharia, aber auch das Grundgesetz mit den Freiheitsrechten und der Menschenwürde (Menschenrechte) ist letztlich christlich geprägt). Reform führt zu Internationalisierung und Verbreitung auf der anderen Seite allerdings in der Vergangenheit leider auch zu Krieg und Verfolgungen.

Warum der Dialog zwischen den Religionen notwendig ist?

Die christliche Botschaft ist hier: Christus steht nicht gegen die Religionen, er ist in den Religionen. Er ist nicht gekommen um zu herrschen, sondern um zu dienen. Mission und Aufgabe ist der Dialog. Christen lernen dadurch sogar den eigenen Glauben besser zu verstehen. Die christliche Mission besteht daher im Dialog. Der Dialog versucht der einigenden und befreienden Kraft, die jeder Religion innewohnt zum Durchbruch zu verhelfen, die Bedeutung der Religionen für das Wohl der Menschheit, für die Gerechtigkeit und für den Frieden in der Welt hervorzuheben. Wird Religion als ein letztes Geborgensein verstanden, kann sie dieser einigenden und befreienden Kraft, die jeder Religion innewohnt dadurch zum Durchbruch verhelfen, dass sie die Bedeutung der Religionen „hervorhebt“. (www.mommartzinho.com)

Auch mitdenken.de beschreibt, dass Jesus universell in jeder der Weltreligionen integriert ist. Für Muslime ist Jesus ein großer Prophet, der sogar im Gegensatz zu Mohammed von einer Jungfrau geboren wurde, Wunder vollbracht hat und im Islam als das „Wort Gottes“ bezeichnet wird. Für viele gläubigen Hindus ist Jesus einer der zehn körperlichen Manifestationen Vishnus. Viele Buddhisten sehen Jesus als Erleuchtungswesen, das nach aller höchster Erkenntnis und Buddhaschaft strebt.

Für Anselm Bilgri gilt: „Religionen und die von ihnen geprägten Kulturen sind unterschiedlich. Viele Menschen orientieren sich an ihren Werten und Weisungen. Dialog ermöglicht ein tolerantes Verständnis des anderen ohne dessen Standpunkt übernehmen zu müssen. Man kann auch voneinander lernen und das Gute beim anderen sehen.“

Doch fragt www.mitdenken.de: „What are we so afraid of?. We ought to be asking the toughest questions and religious people people. As long as we are kind to one another, we should be able to discuss these things openly?”

Ein schönes Gleichnis bringt mommartzinho.com. Es ist das Gleichnis von einem alten König, der einen schönen Ring und drei Söhne hat. Als er starb hinterließ er drei Ringe und einen Brief. In diesem Brief erklärte er, dass nur ein Ring davon echt wäre, die Echtheit würde man daran erkennen, dass sein Besitzer zu allen Menschen freundlich und großzügig ist. Jeder der drei Söhne verbrachte sein Leben damit zu beweisen, dass er den echten Ring besaß.

Die Lehre: Der Beweis dafür, dass eine Religion echt ist, erfolgt indem man nach ihr lebt. Die Religionsangehörigkeit wird meist vom Elternhaus und Heimatland bestimmt. Doch je mehr wir voneinander wissen, desto mehr können wir voneinander lernen, umso leichter fallen uns Achtung und Toleranz. Das hilft uns den Frieden und die Freundschaft zu stärken, was eines der Ziele aller großen Religionen ist.

Imam Benjamin Idriz verweist darauf, dass im Koran die größte Sünde ist, Gott für eigene Zwecke zu instrumentalisieren: den Missbrauch der Religion, den Missbrauch Gottes. Gemeint sind hier Gläubige, die die radikale Formen des Islam vertreten, die Andersgläubige ausgrenzen und alle dem Islam unterwerfen wollen. Als sechste Pflicht wird hier der „Dschihad“, der Heilige Krieg, ins Spiel gebracht. Moderne Moslems legen den Dschihad so aus, dass dies ein tägliches Bemühen um ein aufrichtiges und rechtes Leben sei. (www.helles-köpfchen.de) In Kritik geriet die Erklärung der Organisation der Islamischen Konferenz 1990 als sie ein Erklärung verabschiedete, die nicht mit den Menschenrechten (Religions-und Meinungsfreiheit) der UN-Charta übereinstimmte. In der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam gilt die Scharia als alleinige Grundlage für Menschenrechte. Doch das wurde 2019 in den Vereinigten Arabischen Emiraten durch eine Erklärung anlässlich des „ „Human Fraternity Dialogs“ unterschrieben vom Großscheich und Imam der Al Azhar-Moschee in Kairo und Scheich Mohammed Al Maktoum relativiert, die jeglicher Gewalt im Namen der Religion eine Absage erteilt. Es wird darin nicht nur religiös motivierter Terrorismus verurteilt sondern auch ausdrücklich das „Recht jedes Menschen auf Freiheit“, Glaubensfreiheit betont. Der Text fordert die volle Staatsbürgerschaft und Rechte für Christen in mehrheitlich islamischen Ländern. Und umgekehrt ruft er Muslime in westlichen Ländern dazu auf die Regeln und Gesetze der Länder in denen sie leben zu befolgen.

Das persönliche Schlusswort von Anselm Bilgri: “Ich finde es wahnsinnig interessant, die Jenseitsvorstellungen anderer Religionen kennenzulernen. Es zeigt andere Entwürfe und relativiert eigene Absolutsetzungen. Religion ist entstanden, um den Menschen bei der Bewältigung des Lebens zu helfen und nicht, um es zu erschweren. Das müssen wir uns immer vor Augen halten. Der moderne autonome Mensch wendet sich einfach ab, wenn er diesen Nutzen nicht mehr verspürt.“

Wichtig aber ist: „In einem wirklichen Dialog muss ich in der Lage sein, die Auffassungen des jeweils anderen so korrekt mit eigenen Worten wiederzugeben, dass der andere bestätigen kann, verstanden worden zu sein. Nicht der Dialog stört den Frieden, sondern dass man anderen Auffassungen zuschreibt, die sie gar nicht haben.“ (mommartzinho.com)

 

 

 

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