Wie ist AnnĂ€herung ĂŒberhaupt möglich?

von Beatrice Bischof28.05.2018Außenpolitik

Sollte es in nĂ€chster Zeit doch zu den Verhandlungen mit Nordkorea mit US PrĂ€sident Trump kommen, mĂŒsste man auf jeden Fall einen kurzen Blick auf diese Erfahrungen mit Nordkoreas Verhandlungsstrategien werfen. Fred Charles IklĂ© und Turner Joy haben sie zusammen getragen.

Verhandeln ist dabei nur eine mögliche Form von >conflict behavior<, die anderen Möglichkeiten sind die einseitige Aktion >unilateral bargaining<, stillschweigender Interessenausgleich >tacit bargainig< oder die bewusste Aufrechterhaltung und Offenhaltung eines Interessengegensatzes. Nach IklĂ© ist „Verhandeln
. ein Verfahren, in dem ausdrĂŒckliche VorschlĂ€ge vorgebracht werden, und zwar mit dem offenkundigen Zweck in Bezug auf vorliegende InteressengegensĂ€tze zu einem Übereinkommen ĂŒber einen Austausch oder ĂŒber die Verwirklichung eines gemeinsamen Interesses zu gelangen“ Es sollen also VorschlĂ€ge gemacht werden und das Interesse und der Zweck ist eine Übereinkunft. Soweit klingt es einfach, aber kommen wir nun ins Detail. Betrachten wir die AtomwaffenfĂ€higkeit Nordkoreas wie Henry Kissinger es sagt, als „Fait accompli“ ist es laut Kissinger nicht mehr Ziel der Strategie einen möglichen Angreifer zu beeinflussen, dass er nicht angreift, sondern sie muss ihn zwingen sich zurĂŒckzuziehen. Doch schließen sich „Fait accompli“ und Verhandlungen nicht aus. HĂ€ufig ist es Zweck des „Fait accompli“ fĂŒr bevorstehende oder schon laufende Verhandlungen gĂŒnstige Ausgangspositionen zu schaffen. Damit Verhandlungen beginnen können muss ein Partner oder Vermittler die Initiative ergreifen und einen Vorschlag machen. Nun das haben beide Seiten getan. Gleichzeitig brauchen alle Beteiligten ein Ziel. Das Ziel der kommenden Verhandlungen mit Nordkorea wird einerseits eine Normalisierung sein. Die Absicht ist abnormale ZustĂ€nde zu beenden. Hier wird versucht anzuvisieren das Waffenstillstandsabkommen in einen Friedensvertrag zu verwandeln. Andererseits wird es auch Neuerungsverhandlungen geben. Mit dem Ziel der Schaffung neuer Beziehungen und Verpflichtungen zwischen den Betroffenen. AbrĂŒstungsverhandlungen verfolgen immer eine Kombination von Zielsetzungen in denen Neuerungsaspekte vorherrschen. Zum Gelingen mĂŒssen wichtige Partner (hier SĂŒdkorea und China im Mindesten) einbezogen werden. Aber auch Nebeneffekte, wie mit der anderen Seite „im GesprĂ€ch zu bleiben“, Informationen ĂŒber den Gegner zu erlangen sind von Bedeutung, im negativen Fall können VerbĂŒndete misstrauisch werden, deshalb werden hier China und SĂŒdkorea immer mit einbezogen, wenn die USA mit Nordkorea verhandeln. Taktische ZĂŒge sind Warnungen, Drohungen, Bluffs und Festlegungen. Hier sollen die Erwartungen des Gegners geĂ€ndert oder beeinflusst werden. US PrĂ€sident Trump spielt auf diesem Klavier. Die militĂ€rischen Übungen mit SĂŒdkorea im Meer vor Nordkorea gehören dazu. Doch können sie auch, wie immer wieder in der Vergangenheit gezeigt, das Gegenteil erreichen. Auch dieses Mal stellt Nordkorea in Aussicht das amerikanisch-nordkoreanische Treffen nicht stattfinden zu lassen. Umgekehrt gehören auf der positiven Seite auch Anreize zum Spiel. Dazu werden Junktims oder Paketlösungen in Aussicht gestellt. Die wichtigste Taktik ist es dem Gegner zu zeigen, dass die Bedingungen fĂŒr ihn kaum noch gĂŒnstiger werden können. US PrĂ€sident Trump legt jĂŒngst nach, er sei zu umfassenden Sicherheitsgarantien gegenĂŒber Nordkorea bereit und vor allem auch wirtschaftlichen Anreizen, die Nordkorea noch nie gesehen hat. Dabei betont er, dass die Kim Regierung im Amt bleibt, die Regimeerhaltung ist fĂŒr Nordkorea die höchste PrioritĂ€t. In der Sprache der Spieltheorie sind außenpolitische Verhandlungen nur eine Phase eines nie endenden >Superspiels<. Obwohl jede Phase ihr eigenes Ergebnis abwirft, beeinflussen die angewandten Taktiken die Berechnungen des Gegners in nachfolgenden Phasen und daher auch spĂ€ter anfallende Ergebnisse. Es ist von den Regierungen nicht gewĂŒnscht als Bluffer dazustehen, daher werden Drohungen unbestimmt formuliert, US PrĂ€sident Trumps harsche Drohungen Nordkorea zu vernichten waren zwar harsch, aber immer unbestimmt allerdings fĂŒr einen US PrĂ€sidenten auch ungewöhnlich. Die EinschĂ€tzung des Gegners von der Festigkeit der eigenen Position hĂ€ngt teilweise von seinem Bild des ĂŒblichen Verhandlungsverhaltens ab. Trump könnte man als konsequent bezeichnen. Er versucht alle seine Wahlversprechen einzulösen. Seiner Drohung aus dem Atomvertrag mit dem Iran auszusteigen, ließ er Taten folgen. FĂŒr die Nordkoreaner bedeutet das, gehen die Ergebnisse der Verhandlungen nicht weit genug, kommt kein Vertrag mit Nordkorea zustande. Trump setzt auf Konsequenz. Es gibt auch einige Anpassungsregeln, die sogar zwischen bitteren Feinden beachtet werden. Ist das gemeinsame Interesse vorausgesetzt, sind beide Seiten auch an Methoden interessiert, die das Zustandskommen einer Einigung erleichtern. Der Wechsel von Feindseligkeiten zu Freundschaft wird von einem Wechsel im Verhandlungsstil begleitet. Regeln sind: Niemals einen UnterhĂ€ndler töten, Rangstreitigkeiten vermeiden, die aufgestellte Tagesordnung einhalten, zu Teileinigungen stehen, Geschmeidigkeit bewahren, ZugestĂ€ndnisse erwidern, GefĂ€lligkeiten erwidern, offensichtliche LĂŒgen vermeiden, in gutem Glauben verhandeln, GefĂŒhlsausbrĂŒche und Grobheiten vermeiden (Bitte zuhören Herr Trump und Herr Kim!). Andere unzweckmĂ€ĂŸige Aspekte der diplomatischen Rhetorik werden von diesen Anpassungsregeln allerdings nicht berĂŒhrt, u.a. Wiederholungen, unlogisches Argumentieren, unbeantwortete Fragen, sinnlose Reden. Vermieden werden können diese Aspekte aber durch „private Treffen“. Zwanglose Verhandlungen sind paradoxerweise von vernĂŒnftigen Regeln geleitet. Daher die Vorliebe fĂŒr ExpertengesprĂ€che unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zu den Personalien ist zu sagen, dass Sendboten einen geringen Handlungsspielraum haben, UnterhĂ€ndler sind dann schon freier und haben einen grĂ¶ĂŸeren Spielraum. Diplomaten sollen zuerst beim gegnerischen Delegierten dessen Kompetenz zu Änderungen der Position herausfinden, je weniger hier vorhanden ist, umso geringer die Bereitschaft zu verhandeln, die Verhandlungen sind dann starr und dienen nur zur Untermauerung der jeweiligen Positionen. Das Treffen zwischen dem amerikanischen CIA Chef und damals designierten Außenminister Mike Pompeo und Kim Jong Un Anfang April ist bereits ein sehr hochrangiges Treffen und soll die Agenda fĂŒr das Treffen Kim Trump aufstellen. Und das unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Treffen von Angesicht zu Angesicht unter den StaatsmĂ€nnern gibt diesen dann aber ein besonderes VerstĂ€ndnis der jeweiligen Absichten und vertieft die Gewohnheit miteinander in Verbindung zu treten. Im Mindesten wĂ€re das ein Teilerfolg des Treffens zwischen Trump und Kim. Die Diplomatie und die Geheimhaltung: Die Geheimhaltung hat zwei hauptsĂ€chliche Folgen: 1. sie lĂ€sst inlĂ€ndische Gruppen/Opposition ĂŒber den Verhandlungsprozess im Dunklen und hindert sie daran Druck auszuĂŒben, 2. sie schließt Dritte aus (auch hier gilt die Druckkomponente). Ist das Abkommen unterzeichnet, ist es ein „Fait accompli“, schwĂ€cht den Dissens, ruft Interessengruppen zur UnterstĂŒtzung auf den Plan. Im anderen Fall, wenn die UnterhĂ€ndler keine Ideen haben, holen sie sich öffentliche RatschlĂ€ge (von den Massenmedien etc.) und die öffentliche Meinung wird zur Hauptsorge der Regierungspolitik. Ein Risiko ist es aber die Stimmung der Öffentlichkeit völlig falsch einzuschĂ€tzen. Nun im Fall des US PrĂ€sidenten Trump ist es wohl eher so, dass er seine eigene öffentliche Meinung schafft-via Twitter. Stimmungen und Denkweisen. Es gibt viele Faktoren, die den Zeitpunkt bestimmen helfen, an dem sich eine Regierung entschließt, statt weiterzuverhandeln, die erreichbaren Bestimmungen zu akzeptieren: 1. Die gestellten Bedingungen mĂŒssen attraktiver sein, als die Aussicht auf eine Nichteinigung, 2. Die zu erwartenden Vorteile des weiteren Aushandelns mĂŒssen im Vergleich zu den Kosten und Risiken als unwichtig und unsicher erscheinen. Ungeduld, Dankbarkeit und Mitleid sind weitere GrĂŒnde. Die persönliche Komponente: Diplomaten neigen dazu ihre persönlichen Erfahrungen aus ihrer beruflichen Vergangenheit an die Stelle einer Analyse der gegenwĂ€rtigen Situation zu stellen. Es gibt dabei bei den kommunistischen Delegierten zu beachten, dass sie persönlich durchaus leutselig und umgĂ€nglich sind, wĂ€hrend sie im offiziellen Verhalten zu einem aggressiven und groben Ton neigen „Theaterdonner“. Nun in diesen Verhandlungen könnte das durchaus auf beide Seiten zutreffen. Hierher rĂŒhrt die westliche Tendenz internationale Beziehungen zu verpersönlichen, hier werden unfreundliche GefĂŒhle gegenĂŒber dem ruppigen UnterhĂ€ndler der Gegenseite geleugnet und andererseits die Außenpolitik der gegnerischen Regierung mit höchst persönlichen GefĂŒhlsregungen erklĂ€rt. Das gilt v.a. wenn die gegnerische Regierung von einem Diktator beherrscht wird. Die Einstellungen des Diktators werden oft aus Minderwertigkeitskomplexen abgeleitet, die man befriedigen muss, einem anderen muss man wegen seines misstrauischen Charakters entgegenkommen. Daraus ergibt sich nach Fred Charles IklĂ©: „
dass der erfolgreichste Diplomat, derjenige wĂ€re, dem es gelĂ€nge, den Eindruck zu erwecken, er wĂŒnsche alle Dinge in Bewegung, er leide an einem akuten Minderwertigkeitskomplex, er habe die AuffĂ€lligkeit, sich plötzlich >wie eine Auster< zu verschließen und er hege stets tiefes Misstrauen.“ Doch wo beginnt ein Gewinn, wo ein Verlust? Der Verhandler muss sich einen Nullpunkt schaffen, meist ist es der Status Quo. Oft ist es aber auch so und darum fĂŒrchtet man sich vor einem „Fait accompli“, dass dieser zum neuen Nullpunkt wird. Das wĂ€re hier ein mit Atomwaffen ausgerĂŒstetes Nordkorea. Eine Ă€hnliche Verzerrung entsteht auch, wenn der UnterhĂ€ndler glaubt, dass eine Einigung besonders wertvoll ist, weil die erreichbaren Bedingungen die besten sind, unter gegebenen UmstĂ€nden. Die Tendenz nur ĂŒber lösbare Fragen zu verhandeln fĂŒhrt zu einem Teufelskreis. Der Gegner legt das als SchwĂ€che aus, im schlimmsten Fall bleibt alles beim Alten. VorschlĂ€ge spielen eine entscheidende Rolle. GegenĂŒberstellung, Änderung und endgĂŒltige Annahme am Konferenztisch schließt manchmal das ein, was unter Verhandlung verstanden wird. Regierungen wollen mit VorschlĂ€gen gewisse Nebeneffekte erzielen, Propaganda, Aufrechterhaltung von Kontakten
OberflĂ€chlich gesehen sind VorschlĂ€ge immer ein Angebot, in Wahrheit haben sie diesen Sinn oft nur in der Schlussphase einer Konferenz. Und sind dann nur bindend, wenn sich der Partner zu der Regel bekennt, die besagt, dass ein einmal angenommenes Angebot nicht zurĂŒckgezogen wird. Bei außenpolitischen Verhandlungen dienen viele VorschlĂ€ge gar nicht als Angebote. Sie sollen den Gegner nur beeinflussen, dass er gĂŒnstigere Bedingungen einhĂ€lt und umgekehrt grĂ¶ĂŸeren Forderungen zustimmt. Sie dienen also als >Bahnbrecher< fĂŒr ein spĂ€teres Angebot „unsererseits“ oder als Anreiz fĂŒr den Gegner ein fĂŒr „uns“ gĂŒnstigeres Angebot aufzustellen. Das trifft auf die nordkoreanischen VorschlĂ€ge 2003 zum Einfrieren des Atomprogramms zu. Heute kann es die Schließung oder Sprengung des TestgelĂ€ndes sein. Festigkeit und FlexibilitĂ€t sind weitere Punkte in Verhandlungen. Flexiblen Verhandlungen können durch ein Manövrieren abseits der formalen Konferenzebene eine gewissen Festigkeit gegeben werden. Hier sind die MilitĂ€rmanöver vor Korea zu nennen. Beides kann bei der Formulierung von VerhandlungsvorschlĂ€gen Taktik sein. Der Gegner soll glauben, dass der eigene Vorschlag ganz nahe am eigenen erwarteten Minimum liegt. Es soll die Erwartung vermittelt werden, dass der eigene Vorschlag angenommen wird-keine weiteren ZugestĂ€ndnisse! Möglichkeiten Festigkeit auszudrĂŒcken sind Widerholungen, auch Behauptungen, dass der eigene Standpunkt gewissen rechtlichen und wissenschaftlichen GrundsĂ€tzen entspricht. Wenn es um Kernwaffen und deren Tests geht, ist das immer der Fall. Die Formulierung einer Streitfrage, die Reihenfolge der Behandlung der Streitfragen sowie die Verbindung einzelner Fragen zu Pakten und Junktims haben mehrere Auswirkungen auf das Ergebnis. Die Formulierung kann Anfangsposition und Grenzen abstecken, bei der Reihenfolge werden erst die unwichtigen Fragen behandelt, in der Hoffnung, dass eine Einigung mehr und mehr herbeigewĂŒnscht wird. Eine Paketlösung wird dann vorgeschlagen, wenn der Gegner befĂŒrchtet, dass eine fĂŒr ihn besonders wichtige Frage nicht in einem Sinn gelöst wird, wenn er nicht selbst etwas im Austausch zugesteht. Hier heißt dass klar und deutlich: Abschaffung der Atomwaffen auf Seiten Nordkoreas gegen Sicherheitsgarantien, Wirtschaftswachstum und Regimeerhalt. Im Gegenteil gibt es auch das Separieren von Streitfragen, dabei werden Fragen ausgeklammert, damit beide Seiten ZugestĂ€ndnisse anbieten können. Charakteristiken bei den Verhandlungen zwischen autoritĂ€ren Regierungen und demokratischen Regierungen sind: Bei den demokratischen Regierungen zeigt sich immer eine Empfindlichkeit gegenĂŒber der öffentlichen Meinung im eigenen Land. AutoritĂ€re Regierungen haben die UnterstĂŒtzung der autoritĂ€ren Regierung hinter sich. Die Reaktion der gegnerischen Öffentlichkeit liefert den autoritĂ€ren Regierungen wertvolle Informationen ĂŒber deren Festigkeit in der Verhandlungsposition. Die autoritĂ€ren Regierungen können die Verhandlungstaktiken freier wĂ€hlen. So amĂŒsierten sich die Russen beispielsweise immer bei Verhandlungen indem sie westliche OppositionsfĂŒhrer, Wissenschaftler und Journalisten zitierten. Aber auch autoritĂ€re Regime machen gerne mal Fehler, wie das allzu lange Festhalten an Erpressungsforderungen, werden sie als Bluff entlarvt, wird die zeitgemĂ€ĂŸe Revision und die Möglichkeit durch Kompromissbereitschaft eine Gegenleistung zu verhandeln verschenkt. Auf der anderen Seite können sie durch HartnĂ€ckigkeit und Sturheit die Beurteilung des Gegners ins Schwanken bringen, das war eine SpezialitĂ€t der nordkoreanischen Regierungen der Vergangenheit. Zu den StĂ€rken des Westens umgekehrt gehört die FĂ€higkeit im Rahmen internationaler Organisationen zu verhandeln, das zeigt sich bei der Auferlegung der Sanktionen gegen Nordkorea. Wo das Vertrauen auf lange Sicht fehlt, kann es auch nicht schaden, den Gegner in dem Glauben zu belassen, man werde die bisherige Politik aufgeben, falls er sich nicht entgegenkommender zeigt. Es werden also noch einige Kampfansagen aus der Ecke Trumps zu befĂŒrchten sein. Nun kommen wir zur Person des Verhandelnden. Diplomatische HandbĂŒcher des 17. und 18. Jahrhunderts beschreiben ihn wie folgt: Er braucht einen schnell arbeitenden Verstand, unbegrenzte Geduld, muss eine Sache verschleiern können ohne als LĂŒgner entlarvt zu werden, muss beim Gegner Vertrauen erwecken ohne selbst Vertrauen zu haben, bescheiden aber bestimmt sein, andere durch seinen Charme einfangen ohne seinen Charakter beeinflussen zu lassen, viel Geld und eine schöne Frau besitzen, jedoch gegen Versuchungen des Reichtums und der Frauen gefeit zu sein. Im Hinblick auf den amerikanischen PrĂ€sidenten Trump kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Etwas nĂŒchterner sieht das Fred Charles IklĂ©, hier muss ein guter Verhandler realistisch in der Einsicht sein, dass die Beurteilungen auf beiden Seiten immer im Wandel sind, dass Streifragen von beiden geschaffen werden. Er soll in seiner Taktik flexibel sein Anpassungsregeln einhalten, wenn möglich, aber davon ablassen wenn nötig. Er muss unterscheiden können wann Drohungen nötig oder gefĂ€hrlich sind, persönliche Eigenheiten des Gegners befriedigt werden sollen oder nicht, Propagandazwecke auslassen oder verfolgen, die öffentliche Meinung im Auge haben, aber auch sie beeinflussen, fĂŒr hoffnungslose FĂ€lle arbeiten und mit Streitigkeiten und Ungewissheiten leben, in dem Wissen auch erfolgreich sein zu können, selbst wenn Verhandlungen scheitern. „Vor allem aber muss er sich den Willen bewahren, aus Verhandlungen als Gewinner hervorzugehen“. Daran wird es US PrĂ€sident Trump nicht mangeln. Einzelheiten können dann von Expertengruppen ausgehandelt werden. Vize Admiral R. E. Libby beschrieb die Verhandlungen mit den Nordkoreanern anlĂ€sslich der Waffenstillstandsverhandlungen in Korea wie folgt: „
every meeting was a battle“ Er war der Ansicht, dass Verhandlungen mit Ihnen nur aus einer Position der StĂ€rke heraus möglich waren. Er stellt fest Regeln im Umgang mit Ihnen auf: 1. ZugestĂ€ndnisse ohne ein festes quid pro quo sind ein Fehler: Kommunisten beginnen die Verhandlungen nach Libby mit einer falschen und irrelevanten PrĂ€misse und fahren mit einer SchmĂ€hung und Schwulst fort hin zu einer schamlosen Forderung, die als gerechter und begrĂŒndeter Vorschlag beschrieben wird. Die Beziehung zwischen PrĂ€misse und Schlussfolgerung ist selten klar, die Straße zwischen beiden wird von einem Mangel an Logik bereist. Das Ziel rechtfertigt die Mittel. Beweis ist Behauptung, ZurĂŒckweisung Verunglimpfung , Wiederholung Zweck die Debatte zu zerstören. Hier könnte die Behauptung der Nordkoreaner fussen, dass die USA das nordkoreanische Regime zerstören will, aber es könnte auch durchaus eine reale BefĂŒrchtung sein. 2. Wichtig ist es den Feind zu kennen: Turner Joy nennt dabei folgende Verhandlungstechniken der Kommunisten: -Fortschritte verzögern: sie setzen auf die Ungeduld der westlichen Völker, mit der Tendenz eine totgelaufene Frage durch gegenseitige ZugestĂ€ndnisse zu lösen, damit haben sie bereits an Boden gewonnen. Im Verlauf der letzten Verhandlungen haben die Nordkoreaner immer wieder Teil-Inspektionen angeboten, um sie letztlich wieder zu verhindern -Umfang der Nachforschungen reduzieren: das steckt immer wieder hinter der Weigerung effektive Inspektionen und die Überwachung bezĂŒglich der AbrĂŒstungsabkommen zuzulassen. -das Veto: es zeigte sich bei den Nordkoreanern immer wieder, bei dem Veto auf die essentielle Maschinerie des Waffenstillstands, auf die Verifizierung durch die IAEA -Rote Heringe: Unechte Fragen werden eingefĂŒhrt und als Verhandlungspunkte gebraucht, um sie dann zurĂŒckzuziehen und als Konzessionen zu deklarieren. Die EinfĂŒhrung der Leichtwasserreaktoren der Vergangenheit wird als solcher bezeichnet. -Zoll in Meilen: Kommunisten betrachten jede Konzession ihrer Gegner als Zeichen von SchwĂ€che. Also bei Konzessionen immer auf Konzessionen der Gegenseite bestehen! Das zeigte sich auch im Verlauf der vergangenen Krisen. -Erschöpfungstaktiken: Forderungen werden endlos und stupide wiederholt. In der Vergangenheit betraf das den Sonderstatus und die Absage der MilitĂ€rĂŒbungen. -Ansprachen mit Unwahrheiten und Verdrehungen: Durch Verhandlungen wollen sie Zeit gewinnen, in der Vergangenheit kann das ihre AtomwaffenfĂ€higkeit betroffen haben Kommunisten verstehen nach Turner Joy nur nackte, massive Gewalt und die Bereitschaft sie einzusetzen. Joy stellt folgende Regeln auf fĂŒr die Verhandlungen mit Kommunisten: -GesprĂ€che dĂŒrfen sich nicht in die LĂ€nge ziehen -sie dĂŒrfen den Verhandlungsplatz nicht alleine wĂ€hlen -keine ĂŒbereilte Reaktion auf einen Vorschlag der Kommunisten -Abkommen sollen auf breiter Basis gesichert werden (Plenarsitzung der vollen Delegation, UnterausschĂŒsse fĂŒr die Details) -nie ZugestĂ€ndnisse ohne Gegenleistung -kein Punkt ist unwichtig -vermeide eilige Handlungen -zeige die Bereitschaft die Verhandlungen zu beenden, wenn kein Fortschritt erreichbar ist -die Überwachung des Abkommens sollte an erster Stelle stehen -nur durch immanente Gewaltandrohung können Kommunisten ernsthaft gezwungen werden zu verhandeln Unter den gegenwĂ€rtigen Bedingungen, die sich doch seit der Zeit der Waffenstillstandsverhandlungen der 50er Jahre geĂ€ndert haben, zeigt sich der „carrot and stick“ Ansatz und der Pakethandel fĂŒr die nordkoreanische Nuklearkrise als der richtige Ansatz. Das gilt auch aus der Sachlage heraus (tit for tat-Strategie) und in dem Einzelfall (Nordkorea antwortet auf Druck immer mit Gegendruck, Konzessionen mit Konzessionen, die Atomfrage ist die Verhandlungskarte). NatĂŒrlich möchte Nordkorea möglichst viele ZugestĂ€ndnisse zu geringen Kosten erlangen. Neu ist an der Situation heute, dass Nordkorea mit scheinbaren ZugestĂ€ndnissen vorauseilt, diesmal selbst ein Interesse an einer Einigung mit dem Westen zeigt. Da es nun aber ĂŒber Atomwaffen verfĂŒgt, hat es auf der anderen Seite einen Trumpf im Ärmel. Die Verhandlungen werden also eine Mischung aus Neuerungs- und integrativen Verhandlungen sein. Ein „Fait accompli“ wurde mit der AtomwaffenfĂ€higkeit Nordkoreas geschaffen, es wird sich daher zeigen ob er als Nullpunkt oder Hauptverhandlungspunkt, wie mehrfach angesprochen durchgesetzt wird. Wird es wieder die Probleme geben die Nachforschung, Verifizierung und Überwachung durchzusetzen? Das wird der springende Punkt bei diesen Verhandlungen sein. Kann ein gemeinsames Interesse an der Einhaltung des Abkommens geschaffen werden, dass es ermöglicht die Atomwaffen abzuschaffen und Nordkorea wirtschaftlich und sicherheitspolitisch in Asien einzubinden?

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