Let’s go!

von Beate Wedekind28.09.2009Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft

Beate Wedekind erzählt, wieso sie sich über den Sieg von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei den Wahlen besonders freut, wie die Spitzenpolitikerin im Gespräch ist und natürlich, warum sie stolz darauf ist, ein Teil von The European zu sein.

Warum ich mit Stolz diese Gesellschafts-Kolumne schreibe? Weil ich The European, das neue Online- Magazin, das sich der Debatte verschreibt, für überaus zeitgemäß halte. Und weil es junge Leute sind, die dahinter stehen, leidenschaftliche Journalisten und enthusiastische Unternehmer, die einfach machen, an was sie glauben: an Europa, an das Internet, an die Pflicht, Zukunft aktiv zu gestalten, Diskussionen anzustoßen und Meinung zu äußern.

Insofern: Let’s go! A delante! Avanti! Allez! Los geht’s!

Europäerin vom Naturell, 1951 in Duisburg geboren, mitten im Ruhrpott – diesem Schmelztiegel der Mentalitäten und Kulturen, meine Mitschüler stammten aus Familien, die aus ganz Europa gekommen waren, weil es damals in Duisburg Arbeit gab und Auskommen. Italiener und Portugiesen, Türken und Griechen, Grenzgänger aus Holland und Belgien, Polen und Deutsche aus dem Osten. Ich selbst stamme mütterlicherseits von Hugenotten ab und väterlicherseits von Westpreußen. Wie europäisch ich aufgewachsen bin, ist mir erst kürzlich so richtig bewusst geworden! Und wie sehr ich es liebe, gesellschaftliche Mechanismen auszuloten; auch das habe ich meiner weltoffenen Kindheit zu verdanken. Dies ist also eine Gesellschaftskolumne, wohlgemerkt: keine Society-Kolumne. Denn: Obwohl ich aus meiner Zeit als Chefredakteurin von bunten Blättern, als Talkmasterin, als Produzentin von Society-Shows und VIP-Events über ziemlich gute Verbindungen verfüge – interessiere ich mich nicht für Prominenz per se, sondern ausschließlich für deren Kompetenz. Es versteht sich von selbst, dass es heute nur um eine kompetente Prominente gehen kann, die alte und neue Bundeskanzlerin, um Angela Merkel. Vorausschicken muss ich, dass ich für sie, seit ich sie 1991 kennen lernte, auf Anhieb Sympathie empfand, und dass ich sie seit Jahren aktiv unterstütze. Berufliche Quereinsteiger faszinieren mich, ich schätze Merkels Schnelligkeit und ihre Intelligenz, vor allem aber ihr Selbstverständnis, das das einer durch und durch emanzipierten Frau ist. Zu kritisieren hätte ich auch einiges – heute aber nicht.

Fern triumphaler Gestik

Am Sonntagabend erlebte ich sie live im Konrad Adenauer Haus. Ein Auftritt bei ihren Leuten, dankbar und fröhlich, verschmitzt zum Feiern auffordernd, nur um sofort anzumerken, dass am Morgen „die Arbeit weiter geht.“ Typisch ihre Zeichensprache, eher ein Winkewinke, jedenfalls fern triumphaler Gestik. Das Strahlen in den Gesichtern ihrer Wahlhelfer zündete sie an, am Ende lachte sie lauthals. Sie freue sich über jeden Tag und dass sie nach wie vor sehr gern lerne, sagte sie neulich auf ihrer Deutschlandfahrt im Rheingold-Express von Bonn nach Berlin zu mir. Um acht Uhr morgens hatte sie am Grab von Konrad Adenauer aufmerksam zugehört, wie Adenauers Sohn auf Latein den Segen des Heiligen Geistes herab rief – und nicht alles verstanden, sie hatte als Schülerin in der DDR lieber englisch und russisch Im Gespräch ist sie zugänglich, gut informiert, sehr persönlich, erkundigt sich bei der Medienunternehmerin Christiane zu Salm nach dem zehn Wochen alten Töchterchen, erzählt dem Radweltmeister Rudi Altig, dass sie ihm als Kind in Ostberlin einmal vom Straßenrand zu gewunken hat, fragt mich nach der Gesundheit einer gemeinsamen Bekannten. Jetzt wird unser Land für weitere vier Jahre von dieser Frau regiert – Glückwunsch! Gesellschaftlich gesehen, gibt es leider auch einen Grund zur Scham: Nie werde ich verstehen, dass es Bürger gibt, die nicht wählen gehen.

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